Engel hängen in den Bäumen

Der RuheForst liegt am Rande Jesteburgs
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RuheForst-Leiter Siegfried Roelcke bittet von Grabschmuck abzusehen.

(mum). „Zur Adventszeit könnte man den Eindruck bekommen, man befindet sich auf einem Weihnachtsmarkt. Dabei ist man mitten im Wald“, sagt Siegfried Roelcke (70). Der Forstamtsrat ist für den Jesteburger „RuheForst“ verantwortlich. Zu seinen Aufgaben gehört unter anderem die Pflege des Baumbestands. Roelcke führt jedoch auch Interessierte über das acht Hektar große Wald-Areal und organisiert die Bestattungen. Zunehmend fühlt sich der 70-Jährige allerdings auch wie ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes. Dabei gefällt ihm dieser Rolle überhaupt nicht. „Leider halten sich die Menschen im RuheForst nicht an die Regeln, die sie selbst unterschrieben haben“, so Roelcke. Obwohl es untersagt ist, bringen die Trauernden jede Menge Grabschmuck mit in den Wald. Vor allem am morgigen Totensonntag wird Roelcke wieder viele Trauer-Accessoires finden - und entsorgen müssen. Darunter sind nicht nur Pflanzen aller Art, sondern auch elektrische Grablichter und Kränze. Ganz schlimm wird es zur Weihnachtszeit, dann hängen überall in den Bäumen kleine Engel, Wichtel und sogar Tannenbaumkugeln.
Siegfried Roelcke hat Verständnis für die Trauernden. „Aber wo ist die Grenze?“ Wenn jemand ein Herz aus Tannenzapfen formt, dann sei das vertretbar. „Doch es gibt auch Leute, die Blumenzwiebeln heimlich pflanzen“, so der Forstamtsrat. „Dann blühen hier im Frühjahr auf einmal Narzissen und Tulpen.“
Seit der Eröffnung des RuheForstes im Juni 2012 hat es etwa 800 Bestattungen gegeben (durchschnittlich 15 im Monat). Die Toten stammen aus den Landkreisen Harburg und Stade sowie aus Hamburg. Waldbestattungen sind im Trend - viele Kommunen haben auf ihren Friedhöfen inzwischen spezielle Flächen geschaffen. „Aber wenn jeder Hinterbliebene die Grabstelle individuell schmückt, dann führt das die Idee einer Waldbestattung ad absurdum“, sagt Roelcke. Durch das Wachstum der Pflanzen und den Wechsel der Jahreszeiten schmückt sich das Grab von allein.
„Wir müssen nicht eingreifen, denn der Lebensraum Wald sorgt für sich selbst“, so der Forstwirt.
Und für diejenigen, die doch unbedingt Blumen mitbringen müssen, gibt es einen speziell hergerichteten Platz am Eingang des RuheForsts.
• Mehr Informationen zum RuheForst gibt es im Internet unter www.ruheforst-jesteburg.de. Außerdem führt Siegfried Roelcke Interessenten durch den Wald - zum Beispiel am Samstag, 26. November, um 14 Uhr.

Autor:

Sascha Mummenhoff aus Jesteburg

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