Affront gegen den designierten Gemeindedirektor

Lässt Anstand vermissen: Britta Witte (CDU)
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Jesteburg: CDU, SPD und Grüne lassen Wahl von Henning Oertzen platzen.

(mum). Das politische Miteinander in Jesteburg hat einen neuen Tiefpunkt erreicht. Nachdem Gemeindedirektor Hans-Heinrich Höper seinen Job vor einem Monat vorzeitig an den Nagel gehängt hatte - unter anderem weil die Belastung für ihn zu groß geworden war - ließ der Rat nun die Wahl seines Nachfolgers überraschend platzen. Dabei wirft vor allem die Art und Weise Fragen auf.
CDU-Fraktionsvorsitzende Britta Witte stellte am Anfang der Sitzung den Antrag, die Wahl von der Tagesordnung zu nehmen. Ebenso wie die Wahl von Gudrun Behrens zur neuen stellvertretenden Gemeindedirektorin. Ein Affront gegen den einzigen Kandidaten Henning Oertzen. Seit dem Rücktritt von Höper führt dieser die Geschäfte in seiner Funktion als stellvertretender Gemeindedirektor und sollte nun offiziell aufrücken. Oertzen blieb nichts anderes übrig, als die Entscheidung, die von SPD und Grünen mitgetragen wurde, zu akzeptieren. "Ich hätte mir gewünscht, über diese Entwicklung vorab informiert zu werden", so Oertzen, der sich nun im Urlaub befindet. "Ich werde mir meine Gedanken machen."
Die Begründung für die Absetzung der Wahl klingt vorgeschoben. "Wir benötigen noch Zeit, um Herrn Oertzen kennen zu lernen", so Witte auf Nachfrage. Erstaunlich, denn Oertzen ist bereits seit 2003 in Jesteburg als Kämmerer für die Finanzen zuständig und vertritt die Verwaltung regelmäßig in Ausschüssen. Zudem fungiert der 49-Jährige seit Jahren als Stellvertreter für Höper.
Besonders pikant: Eine Woche vor der Ratssitzung hatte nichts darauf hingedeutet, dass es noch Gesprächsbedarf gibt. Die Mitglieder des nicht-öffentlichen Verwaltungsausschusses - zu denen auch Witte gehört - hatten sich einstimmig für Oertzen ausgesprochen. Was hat nun zu dem Meinungswechsel geführt?

Denkzettel für Henning Oertzen?

mum. Jesteburg. Was steckt hinter dem plötzlichen Sinneswandel von CDU, SPD und Grünen, die Wahl des langjährigen Kämmerers Henning Oertzen zum Gemeindedirektor von Jesteburg zu verschieben? Damit hatten die drei Parteien in der jüngsten Ratssitzung überrascht.
Die Argumentation von Britta Witte klingt zumindest vorgeschoben. "Wir befinden uns mitten in einer Organisationsuntersuchung und sollten deren Ergebnisse noch abwarten", hatte die CDU-Chefin zu Beginn der Sitzung zu Protokoll gegeben. Dabei stehe auch die Zusammenarbeit zwischen Gemeinde und Samtgemeinde im Fokus. "Wir kennen die Meinung von Herrn Oertzen noch nicht zu diesem Thema", argumentiert Witte. Ein Argument, das Oertzen selbst nicht nachvollziehen kann: "Ich nehme das zur Kenntnis." Er frage sich, warum es nicht schon früher einen Hinweis auf Gesprächsbedarf gegeben hat.
Hinter vorgehaltener Hand meint ein Ratsmitglied, dass Henning Oertzen manchen Politikern zu transparent im Umgang mit der Öffentlichkeit sei. So war es Oertzen, der die Medien darüber unterrichtet hatte, dass der Landkreis Harburg die Straßenkunst im Zuge des Kunstpfads verboten hat. Das wiederum nimmt vor allem Hans-Jürger Börner (SPD) Oertzen übel. Der ehemalige NDR-Mann und Fürsprecher von Kunstpfad-Kuratorin Isa Maschewski kritisierte, dass diese Information nur den Ratsmitgliedern hätte vorbehalten bleiben dürfen. Börner hatte außerdem im Zusammenhang mit dem Verbot um Akteneinsicht gebeten. Diese sei ihm von Oertzen nach Rücksprache mit Vorgänger Höper verwehrt worden. "Ihre Arbeit ist nicht auf Transparenz ausgelegt", warf Börner daraufhin dem designierten Kämmerer vor. Börner kündigte im Rat ein Nachspiel für Oertzen an.
Dass es zumindest nicht abwägig ist, dass zumindest Witte mit Oertzen noch eine Rechnung offen hat, zeigt ihre Reaktion auf die Frage, warum er nicht vorher informiert wurde. "Das ging irgendwie unter. Letztlich kann er es sich schon denken, warum wir Gesprächsbedarf haben..."

Auf ein Wort

Das ist ganz schlechter Stil

Das Verhalten der Ratsmehrheit gegenüber Henning Oertzen ist schlicht eine Frechheit. Selbst wenn es stimmen sollte, dass es noch Gesprächsbedarf gibt, hätte der designierte Gemeindedirektor vor der Sitzung informiert werden müssen. Dass dies nicht geschehen ist, spricht nicht gerade für Anstand und Niveau. Sehr wohl aber für eine gewisse Arroganz der Politik gegenüber den Mitarbeitern der Verwaltung.
Nahezu unglaublich wäre, wenn Oertzen mit der Aktion einen Denkzettel dafür verpasst bekommen sollte, dass er das Kunststraßen-Verbot des Landkreises öffentlich gemacht hat. Glauben Witte und Börner denn wirklich, dass Politik noch immer im Hinterzimmer gemacht wird?
Fast lächerlich wirkt das ganze Schauspiel, wenn man sich vor Augen führt, dass den Posten niemand haben will. Das zeigt das Ergebnis einer Ausschreibung: Zuerst suchte Jesteburg nach einem Fachbereichsleiter, der den Gemeindedirektor-Posten übernehmen sollte. Als der einzige in Frage kommende Kandidat absagte, folgte eine zweite Ausschreibung. Diesmal sollte es eine junge Kraft sein, die quasi an der Seite Höpers "reifen" sollte. Auch hier sagte der einzige Kandidat ab.
Was geschieht nun, wenn Oertzen nach seinem Urlaub auf den Posten verzichtet? Finanziell dürfte er es verschmerzen können. Als Gemeindedirektor bekäme er gerade einmal 150 Euro pro Monat mehr.
Sascha Mummenhoff

Morddrohung gegen Kuratorin

(mum). Über den Grund für den Rücktritt von Kunstpfad-Kuratorin Isa Maschewski war bislang nur bekannt, dass er aus persönlichen Gründen erfolgte. Während der Gemeinderatssitzung gab Hans-Jürgen Börner nun weitere Informationen preis. Demnach habe Maschewski eine Morddrohung erhalten. Obwohl sie diese bereits Ende Mai bekommen haben soll, brachte Maschewski sie erst fast vier Wochen später am Tag der Gemeinderatssitzung zur Anzeige. Das bestätigte Polizeisprecher Thorsten Adam auf WOCHENBLATT-Nachfrage.
In seiner Erklärung nahm Börner Maschewski in Schutz. "Es stellt sich die Frage, ob die heftige, einseitig-negative Kritik an der Kuratorin in der veröffentlichten Meinung, sei es im WOCHENBLATT oder in den sogenannten sozialen Medien, immer berechtigt war." Börner sprach von einer "veröffentlichten Kampagne" gegen die Kuratorin und kommt zu dem Schluss: "Isa Maschewski hat den Umständen entsprechend einen sehr guten Job gemacht. Dafür ist ihr zu danken. Machen wir mit dem Kunstpfad weiter, es wäre in ihrem Sinne." Eine Meinung, die er wohl lediglich mit einzelnen Politikern teilen dürfte, nicht jedoch mit einem Großteil der Jesteburger Bürger.

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Der Zoff um den Kunstpfad eskaliert: Keine Genehmigung für Straßenkunst

Autor:

Sascha Mummenhoff aus Jesteburg

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