Autohaus-Chefin Kerstin Witte legt alle politischen Ämter aus persönlichen Gründen nieder

Kerstin Witte vertrat die CDU seit 2001 im Gemeinderat. Jetzt hat sie alle Ämter niedergelegt - und will sich mehr der Familie und ihrem Betrieb widmen | Foto: Kuhn + Witte
  • Kerstin Witte vertrat die CDU seit 2001 im Gemeinderat. Jetzt hat sie alle Ämter niedergelegt - und will sich mehr der Familie und ihrem Betrieb widmen
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"Die Familie und der Betrieb besitzen Priorität"

WOCHENBLATT: Was hat Sie dazu bewogen, Ihre Ämter niederzulegen?
Kerstin Witte: Es waren ganz private Gründe. Mein Vater war gut fünf Monate im Krankenhaus und da auch meine Mutter gesundheitlich nicht wirklich fit ist, habe ich mich gemeinsam mit meiner Schwester um sie und ihren Haushalt gekümmert. Das hat - gerade auch neben den Aufgaben in der Firma - sehr viel Zeit in Anspruch genommen. Ich habe in dieser Zeit gemerkt, dass die Familie und auch der Familienbetrieb absolute Priorität haben und es zeitlich nicht mehr möglich ist, alles zufriedenstellend unter einen Hut zu bekommen.

WOCHENBLATT:
Was werden Sie vermissen?
Witte: Mir wird die Zusammenarbeit mit der CDU-Fraktion auf Samtgemeinde- und Gemeindeebene fehlen. Sowie auch der gute Austausch im Vorstand und die Nähe zu den Bürgern der Samtgemeinde. Wobei ich ja weiterhin Mitglied der CDU bleibe. Außerdem sind im Laufe der Jahre aus vielen Fraktionskollegen Freunde geworden, mit denen ich mich weiterhin privat treffen werde.

WOCHENBLATT:
Und gibt es etwas, das Ihnen nicht fehlen wird?
Witte: Endlos lange Sitzungen mit unendlich vielen Tagesordnungspunkten! Es gab Tage, an denen es um 23 Uhr immer noch zu keinem Ergebnis kam und wir am nächsten Tag neu starten mussten.

WOCHENBLATT:
Erfolgreiche Geschäftsfrau und Kommunalpolitikerin - wie kann man das unter einen Hut bringen?
Witte: Ich habe meinen Einsatz in der Kommunalpolitik nie als Arbeit gesehen, sondern als Hobby. Und wenn man Freude an einem Hobby hat, ist es keine Belastung, es macht Spaß. Außerdem habe ich immer viel Verständnis und Unterstützung von meinen Geschäftsführer-Kollegen für diese Aufgaben bekommen.

WOCHENBLATT:
Sie schauen auf knapp 20 Jahre in der Jesteburger Kommunalpolitik zurück. Gibt es Themen, die Ihnen besonders wichtig waren?
Witte: Es gab viele Themen, die mich in dieser Zeit begleitet haben - etwa das Thema Schützenplatz und -haus. Der Erhalt des Freibades, was sicher bei vielen gar nicht mehr so präsent ist, worüber aber sehr lange diskutiert wurde. In dieser Zeit ist der Förderverein entstanden, der eine wirklich gute Arbeit leistet. Ich kann mit ruhigem Gewissen sagen, dass mir die Themen immer am Herzen lagen, da ich die Ratsarbeit für alle Jesteburger Bürger gemacht habe und nicht für meine eigenen Interessen.

WOCHENBLATT:
Und welches Projekt würden Sie heute anders entscheiden?
Witte: Eine schwierige Frage. Aber rückblickend hätte ich bei keinem Projekt anders entschieden. Es gab sicher mal die ein oder andere Situation, in der ich anders als die Fraktion gestimmt habe und meine Meinung nicht durchsetzen konnte. Aber das ist eben Demokratie und gehört dazu.

WOCHENBLATT:
Gewerbegebietserweiterung und neue Wohngebiete - Jesteburg steht vor wichtigen Entscheidungen. Was raten Sie Ihrer Partei?
Witte: Die Gewerbegebietserweiterung benötigen wir dringend und ich halte es zum jetzigen Zeitpunkt auch für richtig, dass es an das heutige Gebiet anschließt. Wir benötigen das Gewerbegebiet für Jesteburger Unternehmer, die sich hier im Ort erweitern möchten, und wenn Jesteburg keine Flächen anbieten kann, werden diese Unternehmen die Gemeinde verlassen. Was das zur Folge hat, können wir uns alle denken: Es werden Gewerbesteuer-Einnahmen fehlen, die die Gemeinde dringend für die freiwilligen Leistungen im Ort benötigt. Ich halte es für gut, hier den Bürger- und Gewerbekreis mit einzubeziehen und es ist wichtig, dass sich die Politik Gedanken macht, wie die Bebauung auszusehen hat. Genauso wichtig ist aber auch, die Unternehmen selbst in die Entscheidungen einzubeziehen, sonst besteht die Gefahr, dass am Bedarf vorbei geplant wird. Auch der Wohnungsbau ist für Jesteburg notwendig. Die Gemeinde benötigt dringend Wohnungen für Mitarbeiter von Jesteburger Unternehmen, denn diese Firmen bekommen teilweise kein neues Personal, weil es keinen Wohnraum gibt.

WOCHENBLATT:
Die Mitglieder des Jesteburger Rates sind bis auf wenige Ausnahmen recht alt. Haben Sie eine Idee, wie man jüngere Jesteburger dazu bewegen kann, sich zu engagieren?
Witte: Das ist sicher eine generelle Schwierigkeit. Die Menschen mögen sich nicht mehr lange und fest an eine Sache binden, nur noch projektbezogen oder weil sie direkt betroffen sind. Ich kann nur sagen, dass es sehr viel Spaß bringt, sich mit Themen zu beschäftigen und sich in Fragestellungen einzuarbeiten, die im ersten Moment gar nicht interessant erscheinen. Daher würde ich jedem Jesteburger empfehlen, sich für den Ort und für die Allgemeinheit zu engagieren oder es zumindest einmal auszuprobieren.

WOCHENBLATT:
Danke für das Gespräch.

Gut vernetzt in Politik und Wirtschaft
Über Langweile dürfte sich Kerstin Witte nicht beklagen. Die Jesteburgerin ist Mitglied in zahlreichen Vereinen und Verbänden - unter anderem: Arbeitgeberverband (Präsidium), IHK-Vollversammlung, Rotary Club Buchholz, Innung des Kfz-Handwerks, Wirtschaftsverein Harburg, Buchholzer Wirtschaftsrunde, Bürger- und Gewerbeverein der Samtgemeinde Jesteburg, Zukunftswerkstatt (Stiftungsrat), Förderverein der Kunststätte Bossard und Mitglied des Händlerverbands von Volkswagen Nutzfahrzeuge.
Innerhalb der Jesteburger Politik war sie Fraktionsmitglied in verschiedenen Ausschüssen (unter anderem Bauen, Finanzen und Umwelt. Auf Samtgemeindeebene vertrat sie die CDU im Solzialausschuss. Außerdem war Kerstin Witte stellvertretende Bürgermeisterin.

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Redakteur:

Sascha Mummenhoff aus Jesteburg

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