"Jesteburger Hof"-Inhaber Claus Röder wird sein Hotel nicht an die Gemeinde verkaufen

Claus Röder möchte seinen "Jesteburger Hof" verkaufen
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mum. Jesteburg. Claus Röder (66) sieht müde aus. Die Corona-Krise hat Spuren hinterlassen. "Wir hatten sieben Wochen lang komplett geschlossen", sagt der Inhaber des "Jesteburger Hofs". Seit 1963 sind Hotel und Restaurant (42 Betten, mehr als 160 Plätze) im Besitz der Familie. Erst führte Röders Mutter Franziska den Betrieb, seit 1990 stehen er und seine Frau Helga am Steuerrad. Er beschäftigt 16 Mitarbeiter. "Ich werde das Haus definitiv verkaufen", betont Claus Röder. Grund sind nicht die Folgen der Corona-Pandemie: "Meine Frau ist schwer erkrankt. Wir möchte einfach Zeit für uns haben", so Röder offen. Sein Sohn Jan Martin habe sich bereits vor Jahren entschieden, den Betrieb nicht übernehmen zu wollen.
Eigentlich wähnte sich Röder bereits auf einem guten Weg, denn seit 2017 besitzt die May-Gruppe ein Vorkaufsrecht. Das Hotel-Grundstück spielt eine wesentlichen Rolle bei der möglichen Entwicklung des Sandbarg-Areals. Die dringend notwendige Erschließungsstraße könnte darüber geführt werden. "Obwohl die Gemeinde den Plänen anfangs eine Absage erteilt hat, stand die May-Gruppe weiterhin zu ihrem Angebot", sagt Röder. Dann erfuhr er, dass das Areal doch erschlossen werden soll (das WOCHENBLATT berichtete). Röder nahm diese Entscheidung mit Erleichterung zur Kenntnis, um bereits wenig später wieder enttäuscht zu werden.

"Die Politik kommt zu spät"

Wie berichtet, will Jesteburg den Sandbarg ohne die May-Gruppe entwickeln. Die Verwaltung wurde dafür beauftragt, mit Röder die Konditionen für einen Verkauf des Hotels auszuloten. "Diese Mühe kann sich die Verwaltung sparen", so Röder. "Ich stehe zu meinem Wort gegenüber der May-Gruppe." Und selbst wenn dieser Vorvertrag scheitern sollte, würde es drei weitere Interessenten für den Jesteburger Hof geben. "An die Gemeinde verkaufe ich nicht", verdeutlicht Röder. Aus verständlichen Gründen, denn Cornelia Ziegert (SPD) hatte bereits im Ausschuss für Wirtschaft deutlich gemacht, nur den Verkehrswert zahlen zu wollen. Das dürfte deutlich weniger sein, als die Summe, die Röder von einem Investor erhalten könnte.
"Ich wundere mich über die Politik", sagt Röder. Er habe mit so vielen Politikern über seine Situation gesprochen. "Alle wissen, worum es mir geht. Daher verstehe ich nicht, warum sich die Gemeinde erst jetzt ernsthaft mit einem Kauf beschäftigt."
Ganz gleich wie die Jesteburger Dorf-Politiker in den nächsten Wochen entscheiden werden, für Claus Röder steht vor allem eines fest: "Meine Mitarbeiter und ich werden bis zum letzten Tag für die Gäste alles geben. Jeder soll sich wohlfühlen und den Besuch genießen." Der Gastronom wünscht sich, seine Gäste nochmals wie vor Corona bewirten zu können. Vielleicht mit dem legendären Bratkartoffel-Büfett. "Das kam immer sehr gut an."

Auf ein Wort
Das ist für Jesteburgs Politik eine Nummer zu groß
Wenn die Jesteburger Politik in den vergangenen Jahren etwas eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat, dann, dass sie nicht mit Immobilien umgehen kann und davon besser die Finger lassen sollte. Die Liste ist lang: Die Lisa-Kate (350.000 Euro) - einst ein beliebter Kiosk, dann Tourist-Info - steht seit geraumer Zeit leer, beim Kunsthaus (365.000 Euro) ist der Sanierungsstau inzwischen so groß, dass selbst in der Verwaltung niemand mehr einen Überblick hat. Auch bei Grundstücken läuft es nicht besser: Gerade erst ist mit Adler SPR ein Investor für das ehemalige Grundstück des Reitvereins abgesprungen. Die Verantwortlichen sollen das Gefühl gehabt haben, von der Politik hingehalten zu werden. Der Deal mit Jürgen Meyer wegen des Kreisel-Grundstücks klappte nach 15 Jahren nur deswegen, weil Steffen Lücking Meyer finanziell entschädigte. Im Gegenzug bekommt Lücking allerdings grünes Licht für das Mega-Quartier "Schierhorner Weg", das die Politik vor einem Jahr noch geschlossen abgelehnt hatte.
Ganz ehrlich: Vor diesem Hintergrund ist Jesteburg gut beraten, ein Projekt wie den Sandbarg dringend von Profis wie etwa der May-Gruppe entwickeln zu lassen. Ich bin mir sicher, dieses Thema geht sonst krachend schief. Zumal hier auch noch eventuell die Deutsche Bahn wegen des Bahnhofs zu beteiligen ist. Das alles ist für Jesteburg einfach eine Nummer zu groß.
Also: Finger weg vom "Jesteburger Hof"! Denn hier geht es um echte Menschen mit echten Sorgen. Und keine Jesteburger Monopoly-Variante.
Sascha Mummenhoff

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Autor:

Sascha Mummenhoff aus Jesteburg

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