Chancen und Risiken des Kapitalmarkts
"Hektik reduzieren, Trends erkennen": Finanzexperte Dr. Holger Bahr gibt in Jork Tipps zur Geldanlage
- Das Thema interessierte: Das Fährhaus Kirschenland war bei dem Vortrag gut gefüllt
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Gut besucht war der Kapitalmarktausblick 2026 der Sparkasse Stade-Altes Land am Mittwoch. Sparkassen-Vorstand Michael Senf begrüßte die Teilnehmer und Teilnehmerinnen des traditionellen Jahresauftaktes im Fährhaus Kirschenland in Jork.
Senf betonte, dass die Region wirtschaftlich stark und lebenswert sei, zukunftsorientiert und geprägt von "Apfel bis Airbus". Themen wie Künstliche Intelligenz in der Medizin sowie andere Innovationen würden dazu beitragen, die Produktivität zu steigern und den Herausforderungen des demografischen Wandels zu begegnen. Senf unterstrich beispielhaft, dass die Sparkasse sowohl auf moderne Technik als auch auf den persönlichen Kontakt setze. Ziel sei, Kunden umfassend zu begleiten – von technischen Lösungen bis hin zu individuellen Beratungen.
Gastreferent Dr. Holger Bahr, Leiter der Einheit Volkswirtschaft bei der Deka Bank- eröffnete seinen Vortrag mit der rhetorischen Frage "Wer hat etwas gegen ein viertes gutes Wertpapierjahr?". Er verwies auf das vierte Jahr positiver Entwicklungen am Aktienmarkt – trotz globaler Unsicherheiten wie den Aktivitäten von Donald Trump, Handelskonflikten, geopolitischen Spannungen und deren Auswirkungen auf Wechselkurse. Er betonte, dass schnelle politische Entscheidungen, insbesondere aus den USA, erhebliche Konsequenzen für die Weltwirtschaft haben können.
Bahr verwies auf weltweite Risiken und Umbrüche, z.B. den Angriffskrieg auf die Ukraine, Energiepreise, Zölle, Staatsschulden, Lieferketten, Arbeitskräftemangel, Wettbewerbsfähigkeit und Klimawandel. Seine Botschaft: Auch bei komplexer und belastender Nachrichtenlage sei es entscheidend, Hektik zu vermeiden, innezuhalten und die langfristigen Trends zu erkennen.
Um die nationale Sicherheit zu schützen, sind laut Bahr verschiedenste Handlungen gerechtfertigt, die sowohl politische als auch wirtschaftliche Maßnahmen umfassen können. Ökonomen und Anleger müssen lernen, mit diesen schnellen, teilweise unvorhersehbaren Maßnahmen umzugehen. Demokratische Systeme brauchen Konsensfindung und Kompromisse, was Entscheidungen zwar verzögert, aber langfristig Stabilität bietet. Diktaturen hingegen können schneller agieren. Sie benötigen nur "ein paar gewaltbereite Mitarbeiter", wie Bahr es bildhaft beschreibt. Die Folgen: Risiken und Instabilitäten in der Weltpolitik.
Eine weitere Herausforderung, nicht nur für Deutschland, sondern für ganz Europa, ist der demografische Wandel: So gehen in den nächsten zehn Jahren etwa 25 bis 33 Prozent der arbeitenden Bevölkerung in den Ruhestand, ohne dass gleichwertiger Nachwuchs nachkommt. Laut Bahr sind Produktivitätssteigerungen durch Digitalisierung und Künstliche Intelligenz notwendig, um Wachstum und Wertschöpfung zu sichern.
Auch in den Bereichen Klimawandel, Klimaschutz und grüne Transformation sind langfristige, gesellschaftliche und unternehmerische Maßnahmen erforderlich. Bahrs Hinweis: Veränderungen brauchen oft mehrere Legislaturperioden, um Wirkung zu entfalten.
Wichtig sei, zu entscheiden, mit wem man eine Partnerschaft eingehen möchte und wie man eigene wirtschaftliche Stärke weiterhin aufbaut. Deutschland müsse sich geopolitisch und wirtschaftlich positionieren.
"Insgesamt zeigen die Kapitalmärkte sowohl positive Entwicklungen in Form von Wachstum, Widerstandsfähigkeit und attraktiver Aktienbewertung als auch Risiken wie Deindustrialisierung, Inflationsschwankungen und geopolitische Spannungen", fasste Bahr zusammen. Sein Tipp: "Langfristige Planung und Diversifikation sind zentrale Strategien für Anleger, um Chancen zu nutzen und Risiken zu verringern."
Redakteur:Stefanie Schimanski aus Buxtehude |
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