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Jork: Neues Zuhause für "aussortierte" Hühner

Julia Stemmer mit ihrem Lieblingshuhn, Hybridhenne "Hilde"
 
Im Gehege von Julia Stemmer tummeln sich 15 Hennen und fünf Hähne. Außerdem steht ihnen eine große Wiese zur Verfügung

Julia Stemmer vermittelt ausgediente Legehennen / "Hühner sind tolle Tiere" / Neues Zuhause wird noch gesucht

ab. Jork.
Wenn Julia Stemmer das Gehege betritt, kommen sie angeflitzt: 20 Hühner und Hähne tummeln sich im Gehege, fünf von ihnen sind Legehennen, die Stemmer vor dem Schlachtertod bewahrt hat. "Hühner sind tolle Tiere", sagt die Sozialpädagogin. Julia Stemmer ist Ansprechpartnerin im Verein "Rettet das Huhn" für den Bereich Hamburg und Norddeutschland. Der Verein befreit mittlerweile jährlich rund 10.000 Hennen aus der Massentierhaltung, seit seiner Gründung 2007 sind es ca. 55.500 Tiere. 

Früher wohnte Julia Stemmer in Neugraben. Dort gelangte die Tierschützerin zufällig in den Besitz ihrer ersten zwei Hühner. "Zwei sind eigentlich problematisch", sagt sie. "Denn stirbt eins, bleibt das andere alleine, was für Hühner nicht gut ist. Das ist bei mir prompt passiert."
Also kamen weitere Hühner hinzu und vor zehn Jahren der Umzug nach Jork - und auch ein sehr großes Gehege mit viel Freilauf. Auf Facebook hatte Julia Stemmer gesehen, dass es Hühner gab, die gerettet werden mussten. "Ich hatte anfänglich Bedenken, denn ich dachte, das Huhn würde so aussehen, wie man es aus dem Fernsehen kennt: total zerrupft und lädiert."

Trotz ihrer Befürchtungen entschied sie sich für ein aussortiertes Huhn und kam so zum ersten Mal in Kontakt mit dem Verein "Rettet das Huhn". Das Tier sei dann doch nicht so lädiert gewesen. "Es stammt von einem Betrieb mit rund 800 Legehennen aus der Freilandhaltung, mit dem unser Verein zusammenarbeitet." Drei Mal pro Jahr fahren Mitglieder des Vereins hin und holen Legehennen ab. "Die sehen alle ganz gut aus", meint Stemmer. Aber es gebe auch andere Geschöpfe, aus der Bodenhaltung beispielsweise, in desolatem Zustand, die nie das Tageslicht sehen. Auch Käfighaltung sei in einem entsprechend ausgestatteten Käfig noch immer erlaubt. "Da ist dann eine Stange drin und das Huhn hat so viel Platz wie auf einem DIN A4-Blatt."

Hühner in Gruppen mit mehr als 30 bis 40 Tieren zu halten, sei ebenfalls nicht artgerecht. "Wird die Gruppe zu groß, wird es unübersichtlich. Bei so vielen Tieren gibt es ein großes Konkurrenzdenken, was Aggressionen fördert: Die Hühner sehen sich gegenseitig als Feinde an und gehen aufeinander los."

Zu den aussortierten Legehennen sagt sie: "Mit einem Alter von 18 Monaten sind sie zu alt zum produktiven Eierlegen. Sie werden zu einem Schlachtpreis von wenigen Cent pro Huhn entsorgt. Da das Ausstallen und der Transport die Kosten des Schlachtpreises übersteigen, werden die Hennen dementsprechend schlecht behandelt." Julia Stemmer hofft, dass sich noch weitere Geflügelbetriebe bereit erklären, mit "Rettet das Huhn" zu kooperieren.

• Wer ein Herz für Hühner hat und einer Legehenne ein neues Zuhause geben möchte, kann sich an Janina Stemmer wenden und über die Internetseite www.rettet-das-huhn.de mit ihr Kontakt aufnehmen. Sie teilt Interessenten dann die nächste Rettung mit. Voraussetzung ist eine artgerechte Haltung mit ausreichend Platz in Gehege und Freilauf sowie Schutz vor Greifvögeln. Eine Übergabe findet immer im Tierheim Süderstraße in Hamburg statt. Derzeit steht ein Hahn zur Vermittlung bereit. Er befindet sich auf einer Pflegestelle in Drochtersen.