Tatkräftiger Zuwachs auf Zeit
Steinkirchen: Ein Sommer als Dorfpolizist
- Torben Kubik (li) und Thorsten Fetz sind seit dem Frühjahr gemeinsam in Steinkirchen auf Streife
- Foto: pau
- hochgeladen von Pauline Bellmann
Wenn Thorsten Fetz morgens die Tür der kleinen Polizeiwache in Steinkirchen aufschließt, ist das für ihn alles andere als Routine. Der Kontaktbeamte ist eigentlich in Buxtehude zu Hause. Doch in diesem Sommer ist alles anders: Fetz ist für ein paar Monate Landpolizist.
„Es ist eine schöne Möglichkeit, um mal rauszukommen“, sagt der erfahrene Beamte. Seit 1990 ist er im Dienst, hat verschiedene Stationen in Buxtehude durchlaufen – aber die Arbeit als Dorfpolizist erlebt Fetz nun hautnah. Und sein Einstieg hatte es gleich in sich: Kaum angekommen, landete er bei einem Verkehrsunfall mit zwei LKWs und einem PKW – der Ausnahmefall wurde zur Feuertaufe.
Ein-Mann-Station mit Sommerverstärkung
Der Grund für Fetz' Ausflug aufs Dorf ist einfach erklärt: personelle Entlastung in der Saison. Wenn die Obsthöfe öffnen und die Elbseiten zu Radrouten werden, steigt auch der Einsatzbedarf. Touristen, Ausflügler, Verkehr – für einen allein kann das schon mal viel werden. Also wurde aufgestockt. Und mit Fetz kommt nicht nur Erfahrung ins Spiel, sondern auch frischer Blick auf den ländlichen Dienst.
Wer sonst in der Samtgemeinde Lühe die Polizei ruft, landet meist bei einem Mann: Torben Kubik. Seit drei Jahren ist er die einzige feste Kraft der kleinen Polizeistation Steinkirchen – einer Ein-Mann-Zentrale zwischen Kirche und Lühe. Dienstbesprechung? Gibt’s mit sich selbst. Mittagspause? Nur, wenn nichts anliegt. Für rund 10.000 Menschen ist er als Freund und Helfer unterwegs.
Wenn zwei auf Streife gehen
Für die beiden Kollegen ist die neue Teamarbeit ein echter Gewinn. In Einsätzen können sie sich absichern, im Büro die Arbeit aufteilen – oder sich einfach mal eine echte Pause gönnen. „Alleine kann alles nur nacheinander abgearbeitet werden. Manchmal passiert alles auf einmal und man weiß gar nicht, wo man anfangen soll“, beschreibt Kubik den Alltag als Dorfsheriff. Mit Fetz ändert sich das nun. Und es ist mehr als nur organisatorisch hilfreich: Die gemeinsame Arbeit bringt auch mehr Freude.
Vom Streifenwagen zum Seelsorger
Was beide Beamten erleben: Dorfpolizei funktioniert anders. Näher dran, vielfältiger, persönlicher. „Man ist Teil des Dorfes und muss offen sein“, sagt Kubik. Die Menschen kommen mit ihren Sorgen nicht zur Polizei – sie kommen zu ihrem Polizisten. „Auf dem Dorf ist man auch mal Kummerkasten oder Sozialarbeiter.“
Fetz, dessen Vater ebenfalls Polizist war, kennt die Bandbreite des Berufs. Für die Arbeit seines Kollegen Kubik hat er Respekt und unterstützt ihn gern. „Stationsarbeit ist die Königsklasse“, sagt er. „Hier geht alles über einen Tisch.“ Keine Abteilungen, keine Umleitungen – sondern direkter Draht zur Bevölkerung. Und der scheint in Steinkirchen gut zu funktionieren: „Ich bin mit offenen Armen empfangen worden“, berichtet Fetz.
Bleibender Eindruck trotz Ablaufdatum
Klar ist: Fetz bleibt nicht für immer. Voraussichtlich im Herbst wird er wieder zurück nach Buxtehude versetzt. Doch der Eindruck, den er in Steinkirchen hinterlässt, dürfte bleiben – nicht nur bei den Bürgerinnen und Bürgern, sondern auch bei seinem Kollegen.
Redakteur:Pauline Bellmann aus Buxtehude |
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