Reaktionen auf Pläne zur Neugestaltung
Lühe-Anleger: Leser-Mehrheit will Erhalt statt radikalen Umbau

Die Diskussion um die Zukunft des Lühe-Anlegers bewegt die Menschen im Landkreis Stade. Auf den WOCHENBLATT-Artikel über die geplante Neugestaltung im Zuge der Deicherhöhung gab es zahlreiche Leserreaktionen. Die Redaktion präsentiert an dieser Stelle eine Auswahl der Zuschriften. Darum geht es: Die Planungen sehen vor, dass durch die notwendige Erhöhung des Elbdeiches große Teile der heutigen Infrastruktur – von Parkplätzen über Gastronomie bis hin zu Freizeitflächen – wegfallen oder neu konzipiert werden müssen. Genau um diesen Punkt dreht sich die Debatte.

Kritik am Begriff "Rummelplatz"
Viele Leserinnen und Leser betonen in ihren Zuschriften den besonderen Charakter des Lühe-Anlegers – und sprechen sich deutlich gegen tiefgreifende Veränderungen aus. Einige stoßen sich an dem Begriff "Rummelplatz", den WOCHENBLATT-Redaktionsleiter Jörg Dammann in seinem Kommentar verwendet hat. So spricht Klaus Anderson von einer abwertenden Formulierung und stellt die Frage: "Wo findet man im Landkreis Stade eine vergleichbare Attraktion wie den Lühe-Anleger?" Der Ort lebe von seiner Vielfalt. "Die Wohnmobilisten lieben die Stellplätze mit Blick auf die Elbe, die Motorradfahrer haben einen einmaligen Treffpunkt, die Fahrradfahrer haben auf dem Elberadweg ein Ziel." Anderson erinnert daran, dass am Lühe-Anleger früher "überhaupt nichts los" gewesen sei. Es habe nur einen einzigen Verkaufsstand gegeben. Erst durch das Engagement der Gemeinde sei daraus eine "maritime touristische Attraktion" entstanden. "Ich fürchte, dass davon nach dem Umbau nicht mehr viel übrig bleibt", so Anderson.

Komplette Neugestaltung: Lühe-Anleger wird in seiner jetzigen Form verschwinden

"Idyll" muss erhalten bleiben
Diese Sorge treibt auch Inka Schneider um. Sie bezeichnet den Lühe-Anleger als “Idyll”, das erhalten bleiben muss. Der Trubel dort stört sie nicht. Im Gegenteil: "Der Platz war voller Autos, Motorräder, Wohnmobile, Fahrräder und natürlich Menschen, die diesen Platz so sehr lieben und ihn immer wieder besuchen", berichtet Schneider über den vergangenen Sonntag. "Es gab so viele glückliche Gesichter." Ihre Familie – von Enkel (5) bis Uroma (92) – wäre so dankbar, "wenn wir diesen Platz noch sehr, sehr viele Jahre besuchen könnten".

Bürgerbefragung zum Lühe-Anleger
Kai Martens wünscht sich ebenfalls, dass der Lühe-Anleger als “ein Treffpunkt der verschiedensten Ausflügler" erhalten bleibt. Gleichzeitig kritisiert er die politische Entscheidungsfindung und fordert: „Wie wär’s denn mal mit einer Bürgerbefragung zur Gestaltung des Lühe-Anlegers?“ Eine Befragung hat das WOCHENBLATT schon mal vorgenommen: Bei einer Online-Umfrage auf Instagram sprachen sich 61 Prozent der Teilnehmer für den Erhalt des Lühe-Anlegers in seiner jetzigen Form aus, 20 Prozent votierten für eine Neugestaltung und 19 Prozent war das Thema egal.

Auch etliche Biker hatten sich auf den Weg zum Lühe-Anleger gemacht | Foto: jd
  • Auch etliche Biker hatten sich auf den Weg zum Lühe-Anleger gemacht
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Bedeutender Ausflugs-Hotspot
Auch wenn sich viele am Reizwort "Rummel" reiben: Am verlängerten ersten Mai-Wochenende wurde vor Ort deutlich, was damit gemeint ist. Der Parkplatz war rappelvoll, Menschenscharen waren zu Fuß, mit Fahrrädern, Autos oder Motorrädern unterwegs. Als nüchterne und objektive Bestandsaufnahme der Situation vor Ort ist festzuhalten: Ruhig ging es an diesen Tagen am Lühe-Anleger nicht zu. Unbestritten ist aber auch, dass der Lühe-Anleger als einer der wichtigsten, wenn nicht sogar der wichtigste Ausflugs-Hotspot im Landkreis Stade gilt - auf der niedersächsischen Elbseite ist damit allenfalls noch die "Alte Liebe" in Cuxhaven zu vergleichen.  

Ohne Imbissbuden kein Ausflugsziel
Mehrere Leser machten deutlich, dass der Reiz des Lühe-Anlegers untrennbar mit der bestehenden Budenmeile verbunden ist. Wolfgang Suhr fragt augenzwinkernd: "Ein Ausflugsziel ohne gastronomisches Angebot? Vielleicht noch ohne Parkplätze? An meinem Ausflugsziel möchte ich eine Tasse Kaffee trinken, eine Bratwurst oder ein Fischbrötchen essen." Für ihn ist klar: „Das, was Sie beschreiben, ist kein Ausflugsziel!“ Uwe Irmler warnt davor, dass der Lühe-Anleger seinen einzigartigen Charakter verliert: "Das, was geplant ist, kann man zwischen Hamburg und Cuxhaven fast überall haben."

Deichverband startet Vorarbeiten für höheren Elbdeich zwischen Schwinge und Lühe

"Elitäre Veränderung" wird nicht gebraucht
Einige stoßen sich auch an dem geplanten Konzept, das mit der Neugestaltung des Lühe-Anlegers verbunden ist. In dem Projektsteckbrief ist von einer “Aufwertung und Inwertsetzung des gesamten Areals” die Rede. Werner Schild bezeichnet dieses Vorhaben als eine „elitäre Veränderung“, die nicht gebraucht werde. Und auch Stephen Goodchild ist von solchen Umgestaltungsplänen alles andere als angetan. Er kritisiert insbesondere die laut Konzept geplante "Etablierung eines außerschulischen Lernorts zu den Themen maritimes Erbe und Obstbau". Sollten "die Entscheidungsträger die Massen ignorieren" und das Areal nach ihren Ideen umgestalten, "werden wir wohl eine weitere Variante des Konzepts ‚Sta­der Ankerplatz' erhalten – ein Ort, den niemand wegen übermäßiger Menschenmassen oder einer Fülle begeisterter Besucher kritisieren kann", kommentiert Goodchild mit einem gehörigen Schuss Sarkasmus.

Sein ironischer Tipp für diejenigen, die ihr Verlangen nach Ruhe stillen wollen: "Besuchen Sie den ‚Stader Ankerplatz' zu jeder Zeit unter der Woche oder am Wochenende – und überlassen Sie den Lühe-Anleger den vielen, die genießen, was er zu bieten hat." Für Goodchild steht jedenfalls fest: Große Menschenmengen und ein überfüllter Parkplatz seien ein Zeichen für die Beliebtheit dieses Ausflugsziels.

Besonders an sonnigen Tagen ist der Lühe-Anleger ein beliebtes Ausflugsziel | Foto: jd
  • Besonders an sonnigen Tagen ist der Lühe-Anleger ein beliebtes Ausflugsziel
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Ausflugsziel nicht zu einem Lernort machen
Ute Claus spricht sich ebenfalls dagegen aus, den Lühe-Anleger "mit einem pädagogischen oder ‚erzieherischen' Konzept zu überformen". Ein Lernort zum maritimen Erbe oder zum Obstanbau könne grundsätzlich sinnvoll sein – "jedoch nicht auf Kosten eines gewachsenen, funktionierenden und beliebten Freiraums". Die Menschen würden die Themen „Elbe“ und „Obstbau“ vor Ort bereits unmittelbar und authentisch erleben, so Claus.

Sie verfolge daher mit großem Unverständnis die Überlegungen, den Lühe-Anleger grundlegend zu verändern, so Claus weiter. “Es würde nicht nur ein touristisches Highlight beseitigt werden, sondern ein lebendiger, sozialer Treffpunkt für die gesamte Region.” Denn der Anleger sei mehr als ein Ausflugsziel. “Er ist ein Ort der Begegnung für Menschen aller Altersgruppen und gesellschaftlichen Hintergründe.” Der Anleger sei auch nie „überfüllt“, meint Claus. “Er ist gut besucht, aber genau das ist Ausdruck seiner Attraktivität."

Erhöhung der Elbdeiche: Offenbar Durchbruch beim Streitthema Ausgleichsflächen

• Die Redaktion haben noch weitere Diskussionsbeiträge in Sachen Lühe-Anleger erreicht. Es werden in einem weiteren Artikel noch Biker zu Wort kommen. Außerdem werden konstruktive Vorschläge für eine “behutsame” Neugestaltung des Areals präsentiert. Und schließlich äußert sich eine Leserin, die lange in der Nähe des Lühe-Anlegers gewohnt hat und wegen des besagten “Rummels” weggezogen ist.

Hinweis der Redaktion: Dieser Artikel wurde nach seiner ersten Veröffentlichung noch redaktionell überarbeitet und inhaltlich an den Text der Print-Ausgabe angepasst.

Der Parkplatz des Lühe-Anlgers am vergangenen Sonntag. Es gab keine freien Plätze mehr | Foto: jd
Besonders an sonnigen Tagen ist der Lühe-Anleger ein beliebtes Ausflugsziel | Foto: jd
Auch etliche Biker hatten sich auf den Weg zum Lühe-Anleger gemacht | Foto: jd
Redakteur:

Jörg Dammann aus Stade

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