SPD-Frauen fordern mehr Gerechtigkeit
Altersarmut hat ein Geschlecht
- Besonders Frauen sind von Altersarmut betroffen
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Frauen in Deutschland erhalten im Ruhestand im Schnitt deutlich weniger Rente als Männer. Darauf macht jedes Jahr der sogenannte Equal Pension Day, angelehnt an den bekannteren Equal Pay Day, aufmerksam. Er wurde erstmals 2014 vom Verband berufstätiger Mütter e.V. (VBM) ausgerufen. In diesem Jahr markiert der 4. August den Tag, an dem Männer bereits so viel Rente bezogen haben, wie Frauen durchschnittlich erst bis Jahresende erhalten.
Auch die SPD Neu Wulmstorf nahm das Thema zum Anlass für ein Gespräch über Altersarmut. „Ist die Frage ‚Altersarmut oder reich heiraten?‘ für Frauen heute noch erlaubt?“, fragte SPD-Ortsvereinsvorsitzender Tony Gugenheimer und erhielt eine klare Antwort von Birgit Eckhoff, Vorsitzende der SPD-Frauen im Landkreis Harburg: „Eigenständige Altersvorsorge ist besser.“ Doch genau daran scheitere es in vielen Fällen, vor allem im Westen Deutschlands. „Dort war das sogenannte Hausfrauenmodell lange Standard“, so Eckhoff. Und weil die Kinderbetreuung bis heute nicht zufriedenstellend sei, würden viele Frauen gar nicht erst ins Berufsleben einsteigen oder nur in Teilzeit arbeiten. Die Care-Arbeit, die Frauen leisten, summiere sich pro Woche durchschnittlich auf acht Stunden mehr als die Care-Arbeit der Männer. "Das ist immerhin ein voller Arbeitstag extra. Da muss man sich doch nicht wundern, dass für die sozialversicherte Erwerbsarbeit weniger Zeit und Kraft bleibt", sagt Birgit Eckhoff.
Die Folge seien weniger Erwerbsjahre, geringere Beiträge, deutlich niedrigere Renten. Im bundesweiten Schnitt liegt die gesetzliche Altersrente von Frauen bei 936 Euro – in Westdeutschland sogar noch rund 200 Euro darunter. „Das reicht in der Metropolregion Hamburg definitiv nicht zum Leben“, sagt Birgit Eckhoff. Tony Gugenheimer zeigt sich überrascht: „Als Mann aus Ostdeutschland hat mich das sehr verwundert. Da sind die neuen Bundesländer ja eindeutig moderner.“ Allerdings, ergänzt er, nehme auch dort die Teilzeitarbeit für Frauen zu.
Verheiratete Frauen haben das Nachsehen
Gleichzeitig verdienen Frauen für gleiche oder gleichwertige Arbeit häufig immer noch weniger: Der sogenannte Gender Pay Gap liegt in Deutschland bei etwa 16 Prozent. „Wir fordern seit Jahren gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit“, betont Eckhoff. Doch solange sich am Erwerbsleben wenig ändere, bleibe die gesetzliche Rente für viele Frauen unzureichend. Besonders betroffen seien verheiratete Frauen. „Gerade sie haben oft die niedrigsten eigenen Renten“, so Eckhoff. Der Ehemann sei zwar unterhaltspflichtig, aber das nütze nichts, wenn dadurch beide armutsgefährdet würden. "Die Ironie des Schicksals zeigt, dass geschiedene Frauen durch den Versorgungsausgleich im Alter sogar bessergestellt sind als verheiratete", erklärt Birgit Eckhoff weiter. "Jedenfalls, wenn man ihre eigenständige Rente betrachtet. Und alleinlebende Frauen sowieso, weil sie ohne Familienarbeit nicht von der Erwerbsarbeit abgehalten werden."
Im Rahmen eines Vortrags- und Diskussionsabends wollen die SPD-Frauen über Altersarmut und politische Lösungen sprechen. Die Veranstaltung findet am Donnerstag, 18. September, um 20 Uhr im Courage Familienzentrum in Neu Wulmstorf statt. Als Referentin kommt Dr. Judith Kerschbaumer aus Berlin, eine ausgewiesene Rentenexpertin. „Ich bin gespannt auf die Diskussion“, sagt Tony Gugenheimer abschließend und stellt klar: „Da bleibt wirklich noch viel zu tun.“
Redakteur:Pauline Meyer aus Neu Wulmstorf |
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