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Neu Wulmstorf beschließt Doppelhaushalt

Bürgermeister Tobias Handtke (von links), Erste Gemeinderätin Miriam Rathmann und Fachdienstleiter Finanzen Ingo Woltering präsentieren den Haushaltsentwurf der Gemeinde Neu Wulmstorf für die Jahre 2026 und 2027 | Foto: Gemeinde Neu Wulmstorf
  • Bürgermeister Tobias Handtke (von links), Erste Gemeinderätin Miriam Rathmann und Fachdienstleiter Finanzen Ingo Woltering präsentieren den Haushaltsentwurf der Gemeinde Neu Wulmstorf für die Jahre 2026 und 2027
  • Foto: Gemeinde Neu Wulmstorf
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Der Rat der Gemeinde hat den Doppelhaushalt für 2026 und 2027 mit großer Mehrheit verabschiedet. Trotz steigender Belastungen durch Kreisumlage, Ganztagsbetreuung und Kita-Finanzierung kommt die Gemeinde ohne neue Kredite aus. Größtes Investitionsprojekt ist der Neubau der Grundschule „An der Heide“ mit mehr als 26 Millionen Euro. Auch weitere Mittel fließen in die Schulinfrastruktur, den Friedhof sowie kommunale Angebote wie Bäder, Bücherei, Feuerwehr, Spielplätze und Klimaschutz.
Positive Impulse erwartet die Gemeinde durch höhere Schlüsselzuweisungen infolge gestiegener Einwohnerzahlen sowie stabile Gewerbesteuereinnahmen.

Haushalt durch die Kommunalaufsicht genehmigt
Der Rat der Gemeinde Neu Wulmstorf hat in seiner Sitzung am 26. Februar 2026 den Doppelhaushalt für die Jahre 2026 und 2027 einstimmig mit einer Enthaltung verabschiedet. Dies unterstreicht die breite Zustimmung aller politischen Kräfte und Parteien in Neu Wulmstorf zu den geplanten Maßnahmen und der finanziellen Ausrichtung. Trotz eines insgesamt schwierigen finanziellen Umfelds setzt die Gemeinde damit ein deutliches Zeichen für Stabilität, Planungssicherheit und gezielte Investitionen in zentrale Zukunftsbereiche.

Herausforderndes Umfeld für die kommunalen Finanzen
Die Haushaltsaufstellung erfolgte unter spürbarem Druck. Mehrere strukturelle Faktoren belasten die kommunale Finanzlage: Die Finanzierung des Ganztags durch das Land bleibt unzureichend. Für Neu Wulmstorf ergeben sich 2026 Mehrausgaben in Höhe von 793.000 Euro.
Die Kreisumlage steigt nach Ankündigung des Landkreises Harburg um fünf Prozentpunkte auf 53,5 Prozent. Für die Gemeinde bedeutet dies Mehrkosten von 1.844.300 Euro. Damit wird aller Voraussicht nach ab dem Haushalt 2029 die 20-Millionen-Euro-Marke bei der Kreisumlage durchbrochen.
Auch die Finanzierung der Kitas durch das Land ist weiterhin nicht auskömmlich. Positiv wirkt jedoch der neue Vertrag mit dem Landkreis, der die Kostenaufteilung verbessert und die Mehrausgaben der Gemeinde 2026 auf 4.056.400 Euro reduziert (2025: 6.045.000 Euro).
Trotz dieser Belastungen kommt die Gemeinde ohne neue Kreditaufnahmen in den Jahren 2026 und 2027 aus. Lediglich zinsfreie Darlehen der Kreisschulbaukasse werden genutzt.

Schwerpunkt: Investitionen in die Schulinfrastruktur
Der größte Investitionsposten im Jahr 2026 ist der Neubau der Grundschule „An der Heide“ mit einem Gesamtvolumen von über 26 Millionen Euro. Das Projekt stellt eine bedeutende Bildungsinvestition der Gemeinde dar. Auch darüber hinaus bleibt der Bildungsbereich im Fokus: Die Grundschule Elstorf wird für die Umstellung auf den Ganztagsschulbetrieb derzeit überplant.

Weitere Investitionen: Friedhof und Straßeninfrastruktur
Ein weiteres wichtiges Vorhaben ist der Neubau eines Wirtschaftsgebäudes auf dem Friedhofsgelände. Das bisherige Gebäude ist abbruchreif; die Kosten für den Neubau liegen bei rund 1,1 Millionen Euro.

Im Bereich der Straßeninfrastruktur sind im Doppelhaushalt 2026/2027 keine neuen Investitionen für den Ausbau vorgesehen, jedoch wird die laufende Straßenunterhaltung seit 2024 jährlich mit einer Million Euro zusätzlich finanziert. Da Straßeninvestitionsmaßnahmen aktuell vollständig kreditfinanziert wären, sollen diese erst ab 2029 schrittweise angegangen werden. Die Grunderneuerung der Liliencronstraße ist ab 2029 vorgesehen, was eine mehrmonatige Teilsperrung zur Folge haben wird. Diese Maßnahme kann verantwortungsbewusst aber erst durchgeführt werden, wenn Ende 2028 die A26 an die A7 angeschlossen ist und die Pendlerverkehre im Kernort sich reduziert haben. Zudem werden bereits seit mehreren Jahren verstärkt Mittel in neue Fahrbahndecken investiert, ein Kurs, der beibehalten wird.

Grunderneuerung oder Sanierung - Doch was ist der Unterschied?
Bei einer Grunderneuerung wird der gesamte Straßenkörper inklusive des Unterbaus, Bordsteine, Gehwege und Entwässerungseinrichtungen vollständig ausgebaut und neu hergestellt. Zusätzlich werden bei dieser Maßnahme auch die unterirdischen Versorgungsleitungen (Wasser, Strom, Gas, Telekommunikation) überprüft und ggf. erneuert. Starkregen-Staukanäle, barrierefreie Übergänge, neue Radwegeführungen und verbesserte Parkmöglichkeiten fließen in die Planungen mit ein. Das Ergebnis: ein technisch vollständiger Neubau.

Eine Sanierung hingegen ist eine eher oberflächliche Maßnahme: Der Asphaltbelag wird abgefräst und neu aufgetragen, kleinere Schäden an Gehwegen und Entwässerungsanlagen werden ausgebessert. Solche Sanierungen lohnen sich nur bei noch gut erhaltenen Straßen.

Ergebnishaushalt 2026: Belastung durch Kreisumlage – aber positive Trends
Der Gesamtergebnishaushalt 2026 umfasst ein Volumen von über 60 Millionen Euro. Das geplante Defizit liegt bei rund 1 Million Euro. Haupttreiber ist die stark gestiegene Kreisumlage.

Neben diesen Großprojekten sichert der Haushalt auch die vielfältigen Leistungen der Gemeinde im Alltag der Bürgerinnen und Bürger. Hierfür sind unter anderem folgende Mittel eingeplant:

Bäder: Für den laufenden Betrieb des Hallen- und Freibades ist im Ergebnishaushalt 2026 ein Zuschuss von 917.700 € geplant.
Bücherei: Der Betrieb der Gemeindebücherei wird 2026 mit einem geplanten Zuschuss von 320.000 € unterstützt.
Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV): Im Bereich des ÖPNV sind für den Rufbus in 2026 Kosten von 55.000 € eingeplant, denen ein Zuschuss von 17.500 € gegenübersteht. Insgesamt ist für den ÖPNV ein Zuschuss von 141.500 € vorgesehen.
Baubetriebshof: Der Baubetriebshof, als zentrale Säule der kommunalen Infrastruktur, verfügt 2026 über ein Jahresbudget von 3.325.400 €. Dieser Etat ermöglicht die Wahrnehmung vielfältiger Aufgaben wie den Winterdienst, die Pflege von Spielplätzen und Grünflächen, das Friedhofs- und Bestattungswesen sowie die Unterhaltung von Gemeindestraßen, einschließlich der Reinigung von Sinkkästen und Wassereinläufen.
Feuerwehr: Die Freiwillige Feuerwehr wird 2026 mit einem geplanten Zuschuss von 769.000 € für ihren laufenden Betrieb finanziert, um die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger zu gewährleisten.
Unterstützung Vereine und Ehrenamt: Die Gemeinde legt großen Wert auf die Unterstützung von Vereinen und Ehrenamt. Eine neue Mitarbeiterin der Gemeinde kümmert sich nun mit größerem Zeitumfang um die Belange dieses wichtigen Bereichs. Für Veranstaltungen ist im Ergebnishaushalt 2026 ein Zuschuss von 62.500 € geplant. Darüber hinaus bleibt die Seniorenausfahrt und die Seniorenweihnachtsfeier für die Gemeinde weiterhin ein wichtiges Anliegen. Zusätzlich wird das neu gegründete Jugendparlament finanziell und personell unterstützt.
Spielplätze: Regelmäßige Instandhaltungen der Spielplätze werden durchgeführt und der Asphalt der Skateranlage wird in Teilen erneuert.
Klimaschutz und Klimafolgen: Als Teil der Umsetzung der kommunalen Wärmeplanung sind Gelder i. H. v. 30.000 € für eine Machbarkeitsstudie eingeplant. Des Weiteren stehen 20.000 € für unterschiedliche Klimaschutzprojekte zur Verfügung. Die Erstellung eines Klimaanpassungskonzeptes, mit entsprechender Personalstelle, wird bis zum Projektende 2027 fortgeführt. Sowohl Konzept als auch Personalstelle werden mit einem Fördersatz von 80% vom Bund gefördert.

Zusätzlich gibt es noch weitere positive Entwicklungen für den Gesamthaushalt
Der Zensus 2022 hat die Einwohnerzahl Neu Wulmstorfs deutlich nach oben korrigiert: 22.553 Einwohner zum Stichtag 15. Mai 2022 – ein Plus von 3,17 Prozent gegenüber dem Zensus 2011. Während Niedersachsen insgesamt Einwohner verloren hat, wächst Neu Wulmstorf entgegen dem Trend. Dies führt zu spürbar höheren Schlüsselzuweisungen: von 1.419,16 Euro je Einwohner (2025) auf 1.556,03 Euro (2026).
Die Gewerbesteuer zeigt über die vergangenen Jahre eine positive Entwicklung, wobei das Ergebnis im Jahr 2025 stagniert: 2022: 9.484.891 Euro; 2023: 11.175.485 Euro; 2024: 13.827.757 Euro; 2025: 13.534.055 Euro.
Die mittelfristige Finanzplanung verbessert sich: Für 2028 wird ein ausgeglichenes Ergebnis erwartet. Die Jahre 2029 und 2030 sind nach aktuellem Stand mit einem leichten Überschuss von 1,4 Millionen Euro geplant.

Redakteur:

Tina Lüecke aus Buchholz

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