Zwei Landkreise, zwei Geschichten, ein Gefühl
Beste Freunde gesucht – und gefunden

Zum Tag der Freundschaft suchte das WOCHENBLATT die besonderen Freundschaftsgeschichten  – und hat sie gefunden! | Foto: AdobeStock / Look!
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Anlässlich des Internationalen Tags der Freundschaft hat das WOCHENBLATT in diesem Sommer zur Aktion „Beste Freunde gesucht“ aufgerufen – und Leserinnen und Leser eingeladen, ihre schönsten Freundschaftsgeschichten mit uns zu teilen. Die Resonanz war überwältigend: Die Redaktion erreichten berührende, lustige und aufrichtige Erzählungen von jahrzehntelangen Wegbegleitern (teilweise bis ins Jahr 1949 zurückreichend), von Sandkastenfreunden, Schicksalsgemeinschaften und Seelenverwandten. Viele Geschichten zeugten von Menschen, die sich seit der Kindheit kennen, gemeinsam durch schwere Zeiten gingen, einander über Entfernungen hinweg Halt gaben und bis heute unzertrennlich sind. Zwei Geschichten hat die WOCHENBLATT-Redaktion stellvertretend ausgewählt: eine aus dem Landkreis Harburg, eine aus dem Landkreis Stade. Beide zeigen, wie wertvoll echte Freundschaft ist und feiern das, was im Leben zählt: Verlässlichkeit, Vertrauen und Zeit füreinander.


Landkreis Harburg: 50 Jahre Freundschaft – Elke & Gitte 


Wenn man über Elke Hedrich und Brigitte Landsiedel spricht, kommt man an einem Begriff nicht vorbei: lebenslang. Die beiden Frauen aus Brackel und Seevetal sind seit mittlerweile fünf Jahrzehnten beste Freundinnen und erzählen ihre Geschichte mit einem Augenzwinkern und der unerschütterlichen Gewissheit, dass sie sich immer aufeinander verlassen können. „Eine Freundin fürs Leben“ – für Elke und Gitte ist das kein Klischee.

 Elke Hedrich (li.) und Brigitte Landsiedel verbindet mehr als 50 Jahre Freundschaft | Foto: Landsiedel
  • Elke Hedrich (li.) und Brigitte Landsiedel verbindet mehr als 50 Jahre Freundschaft
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Kennengelernt haben sie sich mit zwölf und 13 Jahren in Salzhausen: Dorfkinder, wie sie sagen, „adrett und frech, spontan und immer lustig“. Was folgte, war ein gemeinsames Aufwachsen mit allen Freiheiten und Regeln, die man als Teenager eben austestet. Stubenarrest? Den saßen sie möglichst „bei der Freundin“ ab – um dann gemeinsam übers Wochenende heimlich nach Holland zu fahren. Partys, Pannen, Schabernack:  Geschichten, mit denen ganze Bücher vollgeschrieben werden könnten. „Was wir alles gemacht haben, wo wir überall waren, das würde eine Comedy-Soap füllen“, sagen sie. Ihre Lebenswege verliefen eng aneinander, führten mal voneinander weg und kamen in anderen Lebensabschnitten wieder zusammen. 

Wie eine Schwester

„Elke war einfach immer dabei“, sagt Gitte. Nachdem sie mit zwölf Jahren aus Hamburg nach Eyendorf gezogen war, wurde Elke schnell Teil ihrer Familie, unter dem Spitznamen „Popcorn“, angelehnt an den Mädchennamen Frischkorn. „Sie ist wie eine Schwester für mich.“ Und: Man kenne sie eigentlich nur im Doppelpack – auch die Kinder, die inzwischen selbst erwachsen sind, hätten die beiden Frauen nur gemeinsam erlebt.

Ihr gemeinsames 50-jähriges Freundinnen-Jubiläum feiern die beiden mit Dankbarkeit und mit einem Augenzwinkern. „Wir haben es noch immer faustdick hinter den Ohren“, sagt Gitte. Wie damals, als sie als Jugendliche bei einem Handballcamp in Konstanz kurzerhand in die Stadt verschwanden, um dort Schnaps zu trinken – und am nächsten Morgen per Streifenwagen zurückgebracht wurden.

Elke Hedrich (li.) und Brigitte Landsiedel verbindet mehr als 50 Jahre Freundschaft | Foto: Landsiedel
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Dass diese Freundschaft mehr ist als ein nostalgischer Rückblick, zeigen auch ihre heutigen Rollen: Beide sind selbstständig, beide inzwischen Großmütter (bzw. bald werdend), beide noch immer fest verbunden. „Wir können über die banalsten Dinge lachen“, sagt Gitte. „Und wir vertrauen blind. So eine Freundin zu haben, ist das größte.“ Diese Tiefe sei vor allem durch die gemeinsamen Höhen und Tiefen gewachsen, durch Tränen, Krisen und kleine Katastrophen, die nur eine echte Freundin auffangen kann. "An unserem Freundschaftsband knüpfen wir seit nunmehr 50 Jahren und es wird mit jedem Jahr stärker und kostbarer", erklären Gitte und Elke. Ihre Geschichte schreibt sich wie ein lebendiges Fotoalbum, voller Wärme, Witz und Zusammenhalt. Eine, die zeigt: Wahre Freundschaft überdauert alles – sogar die Jahrzehnte.

Landkreis Stade: Anu, Astrid und Nicola – Durch das Schicksal verbunden 

Freundschaften entstehen manchmal dort, wo das Leben einem besonders viel zumutet. Für Nicola Hartmann, Astrid Sellschopp und Anu Moldenhauer begann ihre Verbindung im Jahr 2020, auf einer Reha in St. Peter-Ording – verbunden durch eine gemeinsame Krankheit, aber getragen von etwas viel Größerem: gegenseitigem Vertrauen, Trost, Humor und der Entschlossenheit, wieder ins Leben zurückzukehren. Heute nennen sie sich selbst mit einem Lächeln „Busenfreundinnen“ – nicht nur wegen ihrer Diagnose Brustkrebs, sondern weil sie wissen, dass sie in jeder Lebenslage füreinander da sind.

Die Freundinnen in Dänemark: Astrid (li.) und Nicola (re.) haben Anu auf ihrem Campingplatz besucht und ein paar schöne Tage zusammen verbracht | Foto: Hartmann
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Dass sich die drei Frauen vor fünf Jahren kennenlernten, beschreiben sie als schicksalhaft: Astrid und Anu waren bereits eine Woche auf Reha, als Nicola ankam, erschöpft von der Bahnfahrt und wegen der damaligen Corona-Regeln allein am Tisch. Astrid habe sie direkt angesprochen, erzählt Nicola rückblickend, „denn Astrid ist sehr offen und spricht gerne Leute an.“ Man habe sich auf einen Tee verabredet und sei sofort auf einer Wellenlänge gewesen. Was folgte, waren vier intensive Wochen, geprägt von langen Gesprächen, viel Lachen, Spaziergängen, Sport und gegenseitiger Unterstützung. „Es war, als kannten wir uns schon ewig“, sagt Nicola.

Freundschaft überwindet jede Entfernung

Dass aus dieser Begegnung eine tiefe Freundschaft wurde, ist für alle drei ein Geschenk. Seit fünf Jahren treffen sie sich regelmäßig, obwohl sie in verschiedenen Bundesländern leben: Anu in Schleswig-Holstein, Astrid im Rheinland, Nicola in Apensen. Die Distanzen spielten keine Rolle mehr und ihre Männer hätten „gar keine andere Wahl“, sagt Nicola lachend, „als sich auch zu verstehen“. 

Anu (v. li.), Nicola und Astrid auf der Reha in St. Peter-Ording. Damals fingen Nicolas Haare gerade wieder an zu wachsen: "Dank meiner Mädels habe ich mich endlich getraut, meine Mütze abzusetzen", erzählt sie. | Foto: Hartmann
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Was sie verbindet, ist weit mehr als die gemeinsame Krankengeschichte. Es ist das Wissen, dass da Menschen sind, die verstehen, wie es einem wirklich geht, ohne viele Worte. „Es kann von außen niemand nachfühlen, wie es einem geht“, so Nicola. Umso wichtiger sei es, jemanden zu haben, der zuhört, ablenkt, stützt. Und das bis heute: Urlaube, gegenseitige Besuche, Spaziergänge am Strand, gemeinsame Läufe wie der Muddy Angel Run – ihr Band wurde immer stärker. Bei einem gemeinsamen Urlaub habe Astrid einmal gesagt: „Ihr seid die einzigen, mit denen ich mir ein Zimmer teilen würde.“ Eine ehrlichere Liebeserklärung an eine Freundschaft braucht es kaum. 

Vorsorge ein Lebensretter

Ein zweiter Reha-Aufenthalt im Jahr 2022 festigte die Verbindung von Anu, Astrid und Nicola. Den Verlust einer Freundin, die auch an Krebs erkrankt war und mit nur 34 Jahren verstarb, habe die drei tief getroffen, erzählen sie. Umso entschlossener setzen sie sich heute für das Thema Vorsorge ein. „Sie hat uns das Leben gerettet“, sagt Nicola. Wer wisse, was frühzeitige Diagnostik bedeute, sehe das Thema mit ganz anderen Augen.

Die Freundinnen in Dänemark: Astrid (li.) und Nicola (re.) haben Anu auf ihrem Campingplatz besucht und ein paar schöne Tage zusammen verbracht | Foto: Hartmann
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„Es ist wirklich unglaublich, dass wir durch so etwas Böses wie den Krebs etwas so Wundervolles wie unsere Freundschaft bekommen haben“, sagt Anu rückblickend. Für die drei Frauen wurde aus einem schweren Schicksal eine lebensbejahende Verbindung, die weit über den Klinikaufenthalt hinausreicht. Heute sind sie nicht nur gesund, sondern auch unzertrennlich als Freundinnen, die sich blind vertrauen, miteinander lachen und füreinander da sind.

Zum Tag der Freundschaft suchte das WOCHENBLATT die besonderen Freundschaftsgeschichten  – und hat sie gefunden! | Foto: AdobeStock / Look!
Elke Hedrich (li.) und Brigitte Landsiedel verbindet mehr als 50 Jahre Freundschaft | Foto: Landsiedel
 Elke Hedrich (li.) und Brigitte Landsiedel verbindet mehr als 50 Jahre Freundschaft | Foto: Landsiedel
Die Freundinnen in Dänemark: Astrid (li.) und Nicola (re.) haben Anu auf ihrem Campingplatz besucht und ein paar schöne Tage zusammen verbracht | Foto: Hartmann
Die Freundinnen in Dänemark: Astrid (li.) und Nicola (re.) haben Anu auf ihrem Campingplatz besucht und ein paar schöne Tage zusammen verbracht | Foto: Hartmann
Anu (v. li.), Nicola und Astrid auf der Reha in St. Peter-Ording. Damals fingen Nicolas Haare gerade wieder an zu wachsen: "Dank meiner Mädels habe ich mich endlich getraut, meine Mütze abzusetzen", erzählt sie. | Foto: Hartmann
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Pauline Meyer aus Neu Wulmstorf

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