Nach Gewalttat in Stade
Therapeutin kritisiert Versorgungslücke / Therapie wird durch Spenden ermöglicht

Traumatherapeutin Miriam Scheer-Gerowski
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  • hochgeladen von Nicola Dultz

Ein Einsatzwagen mit Blaulicht löst einen unkontrollierten Weinkrampf aus, ein bestimmtes Geräusch erschreckt so sehr, dass man bewegungslos wird, oder die Anwesenheit an einem Ort löst starkes Unwohlsein aus - das sind nur einige der möglichen Reaktionen, die ein traumatisches Erlebnis nach sich ziehen kann. Nach dem Sechsfachmord in Stade leiden Menschen, die erschütternde Szenen miterlebt haben, unter den Folgen. Jan Rinck (49) fand Hilfe bei der  pragmatischen Traumatherapeutin Miriam Scheer-Gerowski – und berichtet, wie ihm EMDR bereits nach zwei Sitzungen geholfen hat.

Jan Rinck findet Hilfe durch EMDR-Therapie

 Der Versicherungsexperte arbeitet in einem Büro in der gleichen Straße, in der vor Kurzem ein Sechsfachmord in einer Einrichtung stattgefunden hat (das WOCHENBLATT berichtete), und hat - wie  weitere Kolleginnen und Kollegen - erschütternde Bilder, unter anderem Reanimationsversuche, gesehen.
"Diese Bilder im Kopf wurden wir nicht los. Wir konnten uns zum Teil nur schwer überwinden, wieder ins Büro zu gehen. Der Ort löste Angstgefühle aus", berichtet Rinck von den Folgen.

Hilfe fand er schließlich bei Miriam Scheer-Gerowski vom Tiergestützten Wolkenmobil in Estorf. Die  pragmatische Traumatherapeutin hat eine Qualifizierung als EMDR-Coach, eine Methode, die bei der Behandlung von Traumata als sehr effektiv gilt. "Bereits nach zwei Sitzungen ging es mir besser", sagt Jan Rinck und empfahl die Therapie auch seinen Kollegen - ebenfalls mit schnellem und erfolgreichem Ergebnis, wie er sagt.
"Als wir bei der Berufsgenossenschaft anfragten, ob die Behandlung übernommen wird, bekamen wir ein nein als Antwort", so Rinck. Denn Miriam Scheer-Gerowski ist weder studierte Psychologin noch Fachärztin und hat daher keine Kassenzulassung. Rinck wurde an andere Therapeuten verwiesen, die jedoch nicht nur weit entfernt in Bremerhaven praktizierten, sondern auch nicht als EMDR-Therapeuten tätig waren.

So funktioniert EMDR bei traumatischen Erinnerungen

EMDR sei jedoch in der Traumatherapie sehr wirksam, so Scheer-Gerowski. Das wird auch von einer Fachärztin für Psychiatrie aus der Region bestätigt, die namentlich nicht genannt werden möchte - u.a., um keine Werbung für die eigene Praxis zu machen.
Um Werbung für sich selbst geht es allerdings auch Scheer-Gerowski nicht. Sie will vielmehr grundsätzlich auf die Behandlungsmethode aufmerksam machen, damit Betroffenen schnell und effektiv geholfen werden kann. Selbst die Weltgesundheitsorganisation (WHO) führe EMDR ausdrücklich als evidenzbasierte psychologische Intervention zur Behandlung einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) auf. "Das Problem bei einem Trauma ist, dass das Gehirn nicht mehr auf Ressourcen zurückgreifen kann", erklärt die Traumatherapeutin mit einfachen Worten die Herangehensweise bei dieser Methode. Die Bilder von dem belastenden Ereignis überlagen die früheren Erfahrungen, dass z.B. ein Polizeifahrzeug mit Blaulicht keine fürchterliche Bedeutung für die betroffene Person selbst hatte. Diese Erfahrung könne nicht mehr abgerufen werden.

Die Bilder bleiben, aber sie verlieren ihre Macht

Im Rahmen der Behandlung erinnert sich die traumatisierte Person unter therapeutischer Anleitung  an das Erlebte, während ihre Aufmerksamkeit gleichzeitig zum Beispiel durch Klänge oder geführte Augenbewegungen abwechselnd nach links und rechts gelenkt wird. Damit wird das Gehirn stimuliert, die Augenbewegungen oder Klänge beanspruchen während der Erinnerung gleichzeitig das Arbeitsgedächtnis. Die Folge: Die traumatischen Bilder können wieder mit früheren Erfahrungen - Ressourcen - verknüpft und richtig eingeordnet werden und verlieren damit ihre Macht. "Die Bilder bleiben schrecklich, aber sie übernehmen nicht mehr die Kontrolle über die Person", bringt es Miriam Scheer-Gerowski auf den Punkt. 

Spenden ermöglichen weitere Hilfe für Betroffene

Nachdem es sich herumgesprochen hatte, dass Miriam Scheer-Gerowski EMDR anbietet, häuften sich die Anfragen von traumatisierten Personen. Weil sich nicht jeder die Therapie leisten konnte, half sie zunächst kostenlos weiter. „Der Sechsfachmord in Stade ist eine stadtweite Tragödie, die uns alle etwas angeht. Ich war erschüttert, dass es nach einem so schrecklichen Ereignis viel zu wenig schnelle Hilfen für Betroffene gibt und hatte das Gefühl, etwas tun zu müssen." Bei der sechsten Anfrage stieß sie allerdings an ihre wirtschaftlichen Grenzen. Nachdem alle Bemühungen um eine finanzielle Unterstützung für die Behandlung erfolglos blieben, startete sie über die eigenen Kontakte einen Spendenaufruf für die Betroffenen. Innerhalb kurzer Zeit kamen 4.100 Euro zusammen, zum Teil von namhaften Unternehmen aus der Region.
„Dass für die Behandlung Spenden gesammelt werden mussten, macht die Versorgungslücke besonders deutlich", sagt Scheer-Gerowksi. "Aber somit konnte ich weiteren Personen Hilfe anbieten, ohne meine Existenz zu gefährden." Der Spendentopf sei noch nicht leer. Ihr Angebot gilt deshalb weiterhin: „Wer Hilfe braucht, soll sich melden. Wer spenden möchte, auch. Der Topf sei noch nicht leer. "Wer Hilfe braucht, soll sich melden. Wer spenden möchte, auch", sagt Miriam Scheer-Gerowski.

https://www.wolkenmobil.de/

Was ist EMDR und wie kann die Methode nach einem Trauma helfen?

EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) ist eine therapeutische Methode zur Behandlung von Traumata. Dabei erinnert sich die betroffene Person unter therapeutischer Anleitung an das belastende Ereignis, während Augenbewegungen oder Klänge das Arbeitsgedächtnis stimulieren. Dadurch können traumatische Erinnerungen besser verarbeitet werden und verlieren nach und nach ihre belastende Wirkung.

Warum suchten Betroffene nach dem Sechsfachmord in Stade Hilfe bei einer EMDR-Therapeutin?

Nach dem Sechsfachmord in Stade litten mehrere Menschen unter belastenden Erinnerungen und Angstreaktionen. Der Versicherungsexperte Jan Rinck berichtet, dass ihn die Bilder des Einsatzes nicht mehr losließen und bereits zwei Sitzungen bei EMDR-Coach Miriam Scheer-Gerowski aus Estorf eine deutliche Besserung brachten. Auch weitere Betroffene hätten von der Behandlung profitiert.

Warum übernimmt die Berufsgenossenschaft die Behandlung bei Miriam Scheer-Gerowski nicht?

Nach Angaben des Artikels verfügt Miriam Scheer-Gerowski zwar über eine Qualifizierung als EMDR-Coach, ist jedoch weder approbierte Psychologin noch Fachärztin und besitzt deshalb keine Kassenzulassung. Aus diesem Grund lehnte die Berufsgenossenschaft die Kostenübernahme für ihre Behandlung ab.

Welche Bedeutung hat EMDR bei der Behandlung einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS)?

Nach Angaben von Miriam Scheer-Gerowski wird EMDR von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als evidenzbasierte psychologische Intervention zur Behandlung einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) aufgeführt. Auch eine Fachärztin für Psychiatrie aus der Region bezeichnet EMDR im Artikel als Mittel der Wahl in der Traumatherapie.

Wie hilft der Spendenaufruf traumatisierten Menschen nach dem Sechsfachmord in Stade?

Nachdem die Anfragen nach EMDR-Behandlungen stark zunahmen und viele Betroffene die Kosten nicht selbst tragen konnten, startete Miriam Scheer-Gerowski einen Spendenaufruf. Innerhalb kurzer Zeit kamen 4.100 Euro zusammen. Dadurch kann sie weiteren traumatisierten Menschen Hilfe anbieten, ohne die Kosten allein tragen zu müssen.

Welche Beschwerden können nach einem traumatischen Erlebnis auftreten?

Nach einem Trauma können unter anderem unkontrollierte Weinkrämpfe, starke Schreckreaktionen, Angstgefühle, belastende Bilder im Kopf oder das Vermeiden bestimmter Orte auftreten. Im Fall des Sechsfachmords in Stade berichteten Betroffene, dass sie sich nur schwer überwinden konnten, an ihren Arbeitsplatz zurückzukehren, weil der Ort starke Angst auslöste.

Was ist EMDR und wie hilft die Methode nach einem Trauma?

EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) ist eine Methode zur Traumaverarbeitung. Dabei erinnert sich die betroffene Person unter therapeutischer Begleitung an das belastende Ereignis, während Augenbewegungen oder Klänge das Arbeitsgedächtnis beanspruchen. So können traumatische Erinnerungen neu verarbeitet werden und verlieren ihre belastende Wirkung, auch wenn sie nicht vergessen werden.

Wie half EMDR Jan Rinck nach dem Sechsfachmord in Stade?

Jan Rinck, der in der Nähe des Tatortes arbeitet und belastende Szenen miterlebt hatte, berichtet, dass ihn die Erinnerungen und Angstgefühle lange beschäftigten. Nach zwei Sitzungen bei der Traumatherapeutin und EMDR-Coach Miriam Scheer-Gerowski aus Estorf habe sich sein Zustand deutlich verbessert. Auch mehrere seiner Kollegen hätten nach seiner Empfehlung positive Erfahrungen mit der Methode gemacht.

Warum wurden die Kosten für die EMDR-Behandlung nicht übernommen?

Nach Angaben von Jan Rinck lehnte die Berufsgenossenschaft eine Kostenübernahme ab, weil Miriam Scheer-Gerowski keine approbierte Psychologin oder Fachärztin ist und deshalb keine Kassenzulassung besitzt. Alternative Therapeuten waren zwar verfügbar, arbeiteten jedoch nicht mit der EMDR-Methode und praktizierten zudem weit entfernt.

Welche Bedeutung hat EMDR bei der Behandlung einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS)?

Nach Angaben von Miriam Scheer-Gerowski führt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) EMDR als evidenzbasierte psychologische Intervention zur Behandlung einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Auch eine Fachärztin für Psychiatrie aus der Region bezeichnet die Methode im Artikel als sehr wirksam bei der Traumatherapie.

Warum startete Miriam Scheer-Gerowski einen Spendenaufruf für Traumabetroffene?

Nach dem Sechsfachmord in Stade erhielt Miriam Scheer-Gerowski zahlreiche Anfragen von traumatisierten Menschen. Weil viele Betroffene die Behandlung nicht bezahlen konnten und andere Finanzierungswege scheiterten, initiierte sie einen Spendenaufruf. Innerhalb kurzer Zeit kamen 4.100 Euro zusammen, sodass weitere Betroffene unterstützt werden können.

An wen können sich Betroffene nach dem Spendenaufruf wenden?

Nach Angaben von Miriam Scheer-Gerowski ist der Spendentopf noch nicht ausgeschöpft. Menschen, die nach dem Sechsfachmord in Stade traumatische Belastungen erleben und Hilfe benötigen, können sich ebenso an sie wenden wie Personen oder Unternehmen, die den Hilfsfonds mit einer Spende unterstützen möchten.

Redakteur:

Nicola Dultz aus Buxtehude

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