Moses im Glück
Wie ein rumänischer Herdenhund aus Rumänien in Estorf ein neues Leben fand

Miriam Scheer-Gerowski mit Moses | Foto: Scheer-Gerowski
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Schwer krank und auf drei Beinen kam Moses aus Rumänien in einem Transporter nach Deutschland. Heute ist der imposante Herdenschutzhund aus dem Leben von Miriam Scheer-Gerowski und ihrer Familie in Estorf nicht mehr wegzudenken. Am Dienstag, 18. August, feiern sie einen ganz besonderen Jahrestag: Seit genau acht Jahren gehört Moses zu ihrer Familie.

Ein Blick in bernsteinfarbene Augen veränderte alles

Manchmal reicht ein einziges Foto, um ein Leben zu verändern. Bei Miriam Scheer-Gerowski waren es vor allem zwei bernsteinfarbene Augen. In einer Kleinanzeige einer Tierschutzorganisation entdeckte sie im Sommer 2018 das Bild eines Hundes, über den sie nichts weiter wusste. Nur dass er nur ein neues Zuhause brauchte. „Ich wusste allerdings auch sofort: Das ist meiner“, erinnert sie sich.

Eigentlich hatte die vierköpfige Familie mit zwei kleinen Kindern überhaupt nicht geplant, noch einen Hund aufzunehmen. Doch das Schicksal des Tieres ließ Miriam Scheer-Gerowski nicht mehr los. Zunächst glaubte sie, Moses befinde sich bereits in Deutschland. Tatsächlich war er noch in Rumänien und sollte getötet werden. Die Entscheidung musste also schnell fallen. Für Miriam Scheer-Gerowski und ihre Familie stand schließlich fest: Moses sollte eine Chance bekommen. Am 18. August 2018 begann sein neues Leben.

„Guck mal, die haben auch ein Pony mitgebracht“

Mitten in der Nacht traf der große Tiertransporter in Hamburg-Heimfeld ein. Als Miriam Scheer-Gerowski den gewaltigen Hund zum ersten Mal sah, erkannte sie ihn nicht. „Guck mal, die haben auch ein Pony mitgebracht“, sagte sie damals zu ihrem Mann. 

Doch hinter der imposanten Erscheinung steckte ein Hund, dessen Körper von einem schweren Leben gezeichnet war. Er war stark abgemagert und brachte bei einer Schulterhöhe von 75 Zentimetern gerade 37 Kilogramm auf die Waage, hatte diverse kahle Stellen, Wunden und stank entsetzlich. Darüber hinaus hatte man hatte ihm  erst vier Tage zuvor sein linkes Vorderbein amputiert. "Er konnte nicht laufen und musste getragen werden", erinnert sich Miriram Scheer-Gerowsiki.  Und sie auch erkannte auch gleich die weitere Herausforderung neben den enormen gesundheitlichen Problemen ihres neuen Familienmitgliedes. Denn Moses ist ein Herdenschutzhund – und damit ein Tier mit ganz besonderen Eigenschaften.

„Das ist kein Familienhund fürs Sofa, der braucht eine Aufgabe“, sagt Miriam Scheer-Gerowski. Herdenschutzhunde seien sehr selbstständig. „Das ist ein autarker Hund, der seine eigenen Entscheidungen trifft.“ Trotz seiner körperlichen Einschränkungen war Moses ein junger Hund mit großem Bewegungsdrang. Daher musste seine neue Besitzerin einen Weg finden, ihn geistig und körperlich zu beschäftigen, ohne ihn zu überfordern.

Sein Futter bekam Moses beispielsweise nicht einfach aus dem Napf. Er musste es suchen und durfte seine ausgeprägten Fähigkeiten einsetzen.

Auch im Alltag entwickelte Miriam Scheer-Gerowski klare Regeln. Mit einem Augenzwinkern beschreibt sie es als eine Art Vereinbarung zwischen Mensch und Hund: „Im Wald darf er mich beschützen, auf der Straße habe ich das Sagen.“ Bis das funktionierte, war viel Geduld nötig. Moses musste vieles lernen, unter anderem, dass Kinder zu seinem Leben dazugehören und dass Motorradfahrer nicht gejagt werden dürfen.

Viel Fürsorge für einen besonderen Hund

Gesundheitlich ist Moses bis heute auf besondere Unterstützung angewiesen. Seine Familie ließ ihn tierärztlich behandeln, setzte auf Physiotherapie und Muskelaufbau, Massagen und ein sorgfältig abgestimmtes Bewegungsprogramm zu seinem Alltag.

Die intensive Betreuung, viel Geduld und die enge Bindung zu seiner Familie halfen Moses, sich zu einem lebensfrohen, ausgeglichenem und stabilen Hund zu entwickeln, der seine Aufgabe -  gemeinsam mit Miriam Scheer-Gerowski - in der tiergestützten Therapie gefunden hat. „Meine Klienten lieben ihn“, erzählt Scheer-Gerowski.

Seine ruhige Präsenz, seine Freundlichkeit und vielleicht auch seine ganz eigene Geschichte machen ihn zu einem besonderen Begleiter. Moses muss dabei gar nichts beweisen. Er ist einfach da.

Miriam Scheer-Gerowski mit Moses | Foto: Scheer-Gerowski
Moses ganz enspannt | Foto: Scheer-Gerowski
Auch mit 3 Beinen ist Moses flott unterwegs | Foto: Scheer-Gerowski
Moses vor acht Jahren in Rumänien vor der Amputation | Foto: Scheer-Gerowski
Moses | Foto: Scheer-Gerowski
Redakteur:

Nicola Dultz aus Buxtehude

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