"Ernährungsberatung ist hanebüchener Blödsinn!"

"Jeder soll das essen, was er mag", sagt Udo Pollmer
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Der Wissenschaftsjournalist Udo Pollmer möchte mit "Ernährungs-Mythen" aufräumen

as. Nenndorf. Tschüss Gemüsesticks und Vollwertkost, willkommen Pommes und Pizza: Geht es nach Udo Pollmer, Lebensmittelchemiker und Wissenschaftsjournalist, können Diät-Geplagte aufatmen. "Es gibt keine allgemein gültigen Ernährungsregeln", ist Pollmer überzeugt. Kein Mensch sei genetisch gleich, die Wahrscheinlichkeit, die Wirkung von Nahrungsmitteln richtig vorherzusagen, sei "geringer als ein Sechser im Lotto", so Pollmer. "Ernährungsberatung ist hanebüchener Blödsinn!"
Auf der Mitgliederversammlung des Maschinenring Harburg referierte der für seine von gängigen Lehren abweichenden Aussagen umstrittene Ernährungsexperte im Gasthaus Böttcher in Nenndorf in einem launigen Vortrag über "Ernährung als Ersatzreligion: Wahn statt Wissen" und räumte mit "Mythen" zur gesunden Ernährung auf. Pollmer, der u.a. in den 1990er Jahren Diplom-Ökotrophologen ausgebildet hat, hält wenig von Vollkorn, salzarmer und pflanzenreicher Kost - Regeln, wie sie z.B. die Deutsche Gesellschaft für Ernährung herausgibt. "Angesichts der ständig wechselnden Empfehlungen, Warnungen und Diäten für und gegen alles und jedes und eingedenk der Tatsache, dass bisher nichts zufriedenstellend funktioniert hat – sonst bräuchte man ja nicht ständig was Neues – ist unschwer erkennbar, dass die Heerscharen von Experten stark überfordert sind. Die drehen die Ratschläge über die Jahrzehnte je nach Zeitgeist wie die Fähnchen im Wind. Wer will denen noch etwas glauben?"
Die Stoffwechselunterschiede von Mensch zu Mensch sind, so Pollmer, enorm - nicht alle können alles gleich gut verwerten und vertragen. Zur Verdeutlichung führt er als Beispiel den Typen des Nomaden an, der viel Fleisch benötigt, Obst, Gemüse und Kohlehydrate jedoch nicht so gut verträgt. Der "Sammler und Jäger" hingegen könne Pflanzenstoffe gut verwerten. Der Lebensmittel-Experte warnt aber vor Verallgemeinerungen: "Computer sind kompliziert, ihre Technik nicht mit wenigen Worten erklärbar. Aber sie funktionieren. Die Physiologie des Menschen ist ungleich komplizierter. Deshalb sind die plausibel klingenden, simplen Erklärungen, mit denen die Öffentlichkeit medial beregnet wird, zum Scheitern verurteilt."
Was den Erfolg von Diättrends und Ernährungskonzepten wie "Dinner Canceling" oder "Clean Eating" angeht, ist der 64-Jährige nicht überzeugt. "Unfug wird nicht gesünder wenn man ihn in Englisch kleidet. Nicht mal Chinesisch würde helfen..."
Gibt es denn überhaupt gesundes Essen? Das beantwortet der Experte mit einem klaren "Ja". "'Gesundes Essen', das ist für jeden Menschen etwas anders. Deshalb mag ja auch jeder etwas anderes. Niemand kann seinen Körper durch eine spezielle Ernährung neu designen. Aber er kann ihm dienen, wenn er auf seine Wünsche hört und den gesunden Menschenverstand nicht außen vor lässt. Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen!"

Die fünf größten Mythen

Das sind laut Udo Pollmer die fünf größten Mythen zum Thema "gesunde Ernährung":

  • „'Mehr Wasser trinken & weniger Salz essen.' Das führt zur Hyponaträmie – nicht selten tödlich. Ohne ausreichend Salz kann der Mensch das zugeführte Wasser nicht ausscheiden. Es kommt über kurz oder lang zum Lungen- oder Hirnödem."
  • „'Durch Kalorienzählen oder –sparen wird man schlank.' Der Körper kann über seinen Temperaturhaushalt auch bei Kalorienverzicht zunehmen. Denn wir brauchen die Energie zum Heizen unseres Innenlebens. Manche haben bereits perfekte Energiesparkörper – immer kalte Hände und Füße."
  • „'Das Cholesterin im Essen erhöht den Cholesterinspiegel im Blut.' Die Amerikaner haben das vor wenigen Jahren aus ihren Empfehlungen gestrichen, weil es keinerlei Zusammenhang gibt zwischen dem Cholesterin im Essen und dem im Blut."
  • „'Nitrat im Trinkwasser oder im gepökelten Schinken ist gesundheitlich riskant.' Wäre es so, dann wären viele Gemüse, vor allem Rucola und Kopfsalat, wahre Todesfallen. Deren Nitratgehalte liegen bis um das 1000fache höher!"
  • „'Zucker macht Kinder dick.' Es sind die schlanken Kinder, die hinter dem Zucker her sind. Sie haben wenig Unterhautfettgewebe und sind damit schlecht isoliert. Deshalb suchen sie nach einem schnellen Energieträger, vor allem wenn‘s kalt ist. Pummelige Kinder sind da viel besser isoliert."

• Liebe Leser, was bedeutet gesunde Ernährung für Sie? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Schildern Sie uns Ihre Meinung und Ansichten zum Thema per E-Mail an anke.settekorn@kreiszeitung.net, Betreff: Ernährung.


Zur PersonUdo Pollmer:

Udo Pollmer ist studierter Lebensmittelchemiker und arbeitet als Wissenschaftsjournalist, Unternehmensberater und Dozent im In- und Ausland. Seit 1995 leitet er das Europäische Institut für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften e.V..
2008 wurde Pollmer, der maßgeblich am Aufbau des Deutschen Zusatzstoffmuseums in Hamburg beteiltigt war, vom Magazin Cicero zu „Deutschlands wichtigste Vordenkern" gezählt. Als Autor hat Pollmer zahlreiche Sachbücher zum Thema Lebensmittel und Ernährung veröffentlicht. Auch in Funk und Fernsehen sowie bei Youtube ist Udo Pollmer vertreten. Seit 1998 gibt es seine Kolumne "Mahlzeit" bei Deutschlandradio Kultur. 

Autor:

Anke Settekorn aus Rosengarten

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