Mehrere Skater-Generationen hinterließen ihre Sneaker der Nachwelt
Szene-Kunst aus Schuhen in Stade

Unzählige Schuhe der Skater hängen unter der Hansebrücke
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jab. Stade. Sie baumeln wenige Meter über den Köpfen der Jugendlichen im Skaterpark am Stader Bahnhof, doch kaum einer scheint sie zu bemerken - die zahlreichen Schuhe unterhalb der Hansebrücke. Dieses Bild, das der ein oder andere vielleicht schon einmal in einem amerikanischen Gangsterfilm gesehen hat, gibt es tatsächlich auch hier in der Hansestadt. Aber was hat es damit auf sich? Das WOCHENBLATT hat nachgeforscht.

Fragt man in Stade nach, wird über das Gerüchte gemunkelt, dass es sich bei den mit den Schuhen markierten Ort um einen Drogenumschlagplatz handele. Das sei absoluter Quatsch, sagt Lukasz Janowiak, einer der Initiatoren des Skateparks, der solche Legenden kennt. Die Wahrheit ist ganz anders. "Die Schuhe stammen von den Skatern, die hier auf der Anlage unterwegs sind", weiß Janowiak. Wenn die Turnschuhe alt und kaputt seien, würden sie über die Rohre unter der Brücke geworfen.

Offiziell werde das Ganze als Kunstprojekt gehandelt. Doch für die Skater sei es wesentlich mehr. "Es ist ein Generationssymbol", sagt Janowiak. So gut wie jeder, der auf der Anlage geskatet sei, habe sich mit seinen Schuhen hier verewigt. Sie erinnern an die schöne Zeit, die sie gemeinsam hier verbracht haben - auch wenn einige der Skater nicht einmal mehr hier wohnen. Sie wissen so aber, dass sie etwas an die nächste Skate-Generation hinterlassen haben.

Und es kommen immer wieder neue Sneaker dazu, so Janowiak. Wenn es aber zu viele werden, würde die Stadt schon mal einige entfernen. Auch die ausgelatschten Treter, die über dem Gehweg hängen, würde sie im Auge behalten. Schließlich soll niemand von herabfallenden Turnschuhen verletzt werden.

Zur Entstehung dieser Schuh-Kunst gibt es im Internet viele Erklärungsversuche. In Schottland beispielsweise soll es Brauch sein, dass junge Männer ihre Schuhe ins Fenster hängen, wenn sie ihre Unschuld verloren haben. In den USA dagegen geht ein weniger erfreuliches Ereignis voraus: Die Schuhe sollen Drogengebiete markieren bzw. werden dort aufgehängt, wo Mitglieder von Straßengangs getötet wurden.

Auch in deutschen Städten findet sich das Bild immer häufiger. In Flensburg sollen die baumelnden Schuhe von Kunden eines Skatershops stammen, die ihre alten Turnschuhe über eine Leine warfen. Inzwischen tauchen sie immer wieder im Stadtbild auf - an Stromkabeln, in Bäumen oder eben an Brücken wie in Stade.

Unzählige Schuhe der Skater hängen unter der Hansebrücke
Mehrere Meter müssen die Schuhe auf das Rohr hochgeworfen werden
Autor:

Jaana Bollmann aus Stade

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