Landkreis Harburg
Renaturierungsarbeiten auf Wiesenfläche an Oste bei Wistedt

Kraniche - hier auf einem Acker in Heidenau - sollen sich auch an der Oste wieder wohlfühlen | Foto: bim
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Er gilt als Vogel des Glücks und Symbol der Klugheit: Die majestätischen Kraniche und ihre spektakulären Balztänze haben die Menschen schon immer fasziniert. Bald kann sich der Vogel auch an der Oste bei Wistedt wohlfühlen: Hier erhält die Natur wieder eine Chance, hier entsteht ein Refugium für Kranich, Rohrammer, Fischotter, Libellen & Co. Dazu hat der Landkreis Harburg jetzt mit Restrukturierungsarbeiten begonnen. Der kleine Bachlauf erhält dann auf Flächen des landkreiseigenen Kompensationspools und des Arbeitskreises Naturschutz (AKN) einen geschwungenen, naturnahen Verlauf.

Bisher verläuft die Oste bei Wistedt schnurgerade durch die Wiesen und Felder. Denn dem Bach erging es vor Jahrzehnten wie vielen anderen Flüssen: Möglichst gerade, stromlinienförmig sollte er durch die Landschaft fließen. „Die Oste weist hier sehr monotone Strukturen auf“, erläutert Silke Hiller, die für den Kompensationspool des Landkreises verantwortlich ist. „Die Sohle ist tief eingeschnitten und sehr stark versandet, die Ufer teilweise sehr steil. Die ökologische Durchgängigkeit ist stark beeinträchtigt.“

Auf der rund vier Hektar großen Wiesenfläche – das entspricht fast sechs Fußballfeldern – ändert sich das. Der Landkreis verlängert den Flusslauf, der die Wiese in der Mitte durchfließt, und gestaltet ihn naturnah. Aus dem strukturarmen „Kanal“ wird so wieder ein geschwungener Fluss. Davon profitieren Pflanzen, Tiere und der Mensch. Dazu haben ab Montag die Bagger für etwa zwei Wochen das Sagen.

Vorgesehen ist, die Oste, angelehnt an den historischen Lauf des Gewässers, naturnah von etwa 250 auf 320 Metern zu verlängern. Dann fließt sie in Mäandern durch die Wiese. Durch die Strömung entstehen nach und nach abwechslungsreiche Prall- und Gleitufer. Seitliche Kiesschüttungen und Totholz engen künftig den neuen Verlauf ein und schaffen naturnahe Strukturen: Lesesteine, Totholz und Kies dienen als Rückzugsorte für Kleinstlebewesen und Fische wie die Bachforelle. Gleichzeitig werden ideale Bedingungen für Fischotter, Amphibien und Libellen wie die Blauflügel-Prachtlibelle oder Große Königslibelle geschaffen.

Zusätzlich werden flache, temporär wasserführende Senken abgeschoben. Wenn in den Senken dann Wasser steht, sind das die besten Voraussetzungen, dass sich hier dauerhaft Insekten, Amphibien und Wiesenvögel sowie der Fischotter wieder richtig heimisch fühlen. Zudem mildert das zukünftige Dürren und Trockenheit ab. „Ein breitgefächertes Angebot für Flora und Fauna entsteht“, fasst Silke Hiller zusammen.

Auf beiden Seiten des neu gestalteten Bach wird die landwirtschaftliche Nutzung erst nach rund zehn Metern beginnen. Notwendige Unterhaltungsarbeiten an dem Gewässer sollen nur einseitig erfolgen, so dass sich auf der anderen Bachseite sukzessive eine natürliche Vegetation und damit eine Gewässerbeschattung etablieren kann. Das hat gleich einen doppelten Effekt: Es minimiert den Nutzungsaufwand und steigert die Artenvielfalt.

Kompensationspool und ökologischer Ausgleich

Zum Hintergrund: Wenn durch ein Bauvorhaben in die Natur eingegriffen wird, muss eine Kompensationsmaßnahme als ökologischer Ausgleich geschaffen werden. Als Service für Kommunen sowie gewerbliche und private Investoren bietet der Landkreis Harburg seit 2009 einen eigenen Kompensationspool an. Alle Einnahmen fließen wieder in den Erwerb neuer Flächen sowie die Umsetzung von Maßnahmen – der Kompensationspool arbeitet rein kostendeckend. So können sinnvolle und zusammenhängende Kompensationsmaßnahmen auf eigenen Flächen in allen drei Naturräumen des Landkreises – Geest, Marsch und Moor – entwickelt werden. Der Kompensationspool verfügt inzwischen über gut 250 Hektar. Die Projekte sind aufgrund ihrer hohen naturschutzfachlichen Qualität auch über den Landkreis hinaus bekannt. Eine der ersten Maßnahmen war die Entwicklung der Este und ihrer Aue zwischen Podendorf und Emmen auf etwa 16 Hektar. Mit rund 55 Hektar stellen die Waldentwicklungsflächen zwischen dem Naturschutzgebiet Brunsberg und der Sprötzer Heide die größten zusammenhängenden Waldnaturschutzareale des Landkreises dar.

Kraniche - hier auf einem Acker in Heidenau - sollen sich auch an der Oste wieder wohlfühlen | Foto: bim
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Rastende Kraniche in Königsmoor | Foto: bim
Redakteur:

Bianca Marquardt aus Tostedt

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