Tierversuchslabor-Skandal:
LPT-Schließung wird geprüft

Ein Versuchsbeagle, der im Sterben liegt. Dieses erschütternde Bild machte der Undercover-Ermittler der "Soko Tierschutz" Foto: Soko Tierschutz/crueltyfree int
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bim. Mienenbüttel. Im Tierversuchslabor-Skandal um das "Laboratory of Pharmacology and Toxicology" (LPT) in Neu Wulmstorf-Mienenbüttel schließt der Landkreis Harburg inzwischen eine Betriebsuntersagung nicht mehr aus. Voraussetzung sei allerdings, dass die Unzuverlässigkeit des Betreibers festgestellt werde. Darüber informierten am Montagnachmittag Landrat Rainer Rempe und der neue Veterinäramtsleiter Thorsten Völker den Kreisausschuss des Landkreises Harburg. „Wir prüfen im Rahmen des ergebnisoffen laufenden Verfahrens alle Möglichkeiten“, betonte Thorsten Völker.
Wie mehrfach berichtet, war die Veterinärbehörde des Landkreises auf Missstände beim LPT erst durch eine Undercover-Recherche der "Soko Tierschutz" aufmerksam geworden. Die Behörde hatte sich daraufhin vielfache Kritik von Tierschützern eingehandelt bis hin zu der Frage, ob Geld fürs systematische Wegschauen geflossen sei.
Nach Bekanntwerden der Ermittlungen habe das Veterinäramt "unverzüglich und noch vor Sichtung des Videomaterials mit einer umfangreichen Kontrolle des Tierversuchslabors reagiert, inzwischen hat eine weitere umfängliche Kontrolle stattgefunden. Aufgrund der festgestellten Mängel bei der Haltung von Affen und Hunden hat der Landkreis Harburg, wie bereits berichtet, Strafanzeige gegen die Betreiber des LPT gestellt."
Als erste Konsequenz der festgestellten Verstöße will der Landkreis Harburg die Tierversuchsanstalt LPT in Mienenbüttel künftig deutlich engmaschiger kontrollieren und umfangreiche Auflagen an das Labor stellen. Angesichts der Gesamtsituation habe das Veterinäramt in der vergangenen Woche eine Verfügung an das LPT verschickt, die Behörde im Voraus über eventuelle Tötungen von Tieren zu informieren. Außerdem sei das LPT aufgefordert worden, das Veterinäramt darüber zu informieren, wenn ein Tier die Anstalt lebend verlasse (das WOCHENBLATT berichtete). Dabei seien die Fragen nach dem Empfänger, dessen Berechtigung, die Tiere zu halten, und nach dem tierschutzgerechten Transport zu beantworten.
Die von "Soko Tierschutz" und "Cruelty Free International" bei den Undercover-Recherchen im LPT Mienenbüttel gemachten, verstörenden Bilder gequälter Hunde, Affen und Katzen gingen um die Welt und sorgten inzwischen für Proteste gegen Tierversuche auch in Polen, Österreich und der Schweiz. Neben dem Landkreis und der "Soko Tierschutz" hat u.a. auch das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) Strafanzeige gegen das LPT wegen Verstoßes gegen den Tierschutz gestellt. Da einer der Versuchsaffen während einer Versuchsreihe durch einen anderen ausgetauscht, dies beim Laves aber nicht angezeigt worden sei, hat die "Soko" auch Anzeige wegen des Verdachts auf versuchten Betrug gestellt.
Die Landesregierung hatte kurz darauf darüber informiert, dass wegen der bei einer Kontrolle des Landkreises und des Laves am 15. Oktober festgestellten "Ungereimtheiten bei der Plausibilitätsprüfung" zurzeit alle 113 Verfahren geprüft und laufende Verfahren ausgesetzt würden.
Der Landtag sprach sich am Freitag parteiübergreifend für ein härteres Durchgreifen im Tierversuchslabor-Skandal aus. Die Grünen forderten, das Versuchslabor zu schließen und es bei derartigen Verstößen künftig nicht bei Bußgeldern zu belassen, sondern auch die Möglichkeiten der Gewinnabschöpfung zu nutzen. Eine Entscheidung fiel nicht. Der Grünen-Antrag wurde in den Umweltausschuss verwiesen.

Autor:

Bianca Marquardt aus Tostedt

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