Jahresrückblick von Landrat Rainer Rempe
Trotz Corona zahlreiche Weichen gestellt

Landrat Rainer Rempe blickt auf das Jahr 2020
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bim. Winsen. Kontaktbeschränkungen, Abstandsgebote, Maskenpflicht, Lockdown, Einreiseverbote - auch der Jahresrückblick von Landrat Rainer Rempe ist geprägt von den Begriffen, die das Jahr 2020 aufgrund der Corona-Pandemie geprägt haben. Seinen Rückblick veröffentlicht das WOCHENBLATT in Auszügen.
"Wir alle mussten uns in diesem Jahr immer wieder auf neue Gegebenheiten einstellen und Flexibilität beweisen. Es galt, Risiken abzuwägen, Rücksicht zu nehmen und mit Einschränkungen zu leben. Auch in wirtschaftlicher Hinsicht ist die Pandemie für viele ein harter Einschnitt. Besonders schwer trifft es all jene, die Freunde oder Angehörige durch eine Corona-Infektion verloren haben oder selbst mit den gesundheitlichen Folgen der Erkrankung kämpfen.
Pandemie-Auswirkungen
Seit März beschäftigt sich ein großer Teil unserer Mitarbeitenden in der Kreisverwaltung mit den Auswirkungen der Pandemie. Bei der Kontaktermittlung und -nachverfolgung konnten wir dankenswerter Weise auf die Unterstützung der Bundeswehr und der Finanzämter zurückgreifen. Neu eingerichtet wurde im Herbst die Stabsstelle Pandemie, die in enger Abstimmung mit der Gesundheitsabteilung die vielfältigen Aufgaben bei der Pandemiebekämpfung koordiniert.
Ende November wurden in Kooperation mit dem Deutschen Roten Kreuz und der Johanniter Unfallhilfe sowie mit der Unterstützung durch die Städte Buchholz und Winsen die Schützenhalle in Buchholz und die Stadthalle in Winsen zu Impfzentren ausgebaut. Für die hervorragende Zusammenarbeit mit den Städten und Gemeinden, den Hilfsorganisationen, unseren Krankenhäusern in Winsen und Buchholz sowie der Waldklinik Jesteburg über die gesamte Zeit der Pandemie kann ich mich an dieser Stelle nur bedanken.
Bezahlbarer Wohnraum
Mit der Kommunalen Wohnungsbaugesellschaft (KWG) bringt sich der Landkreis mit einem Großteil seiner Kommunen sowie der Sparkasse Harburg-Buxtehude aktiv in diesem Bereich ein. 2020 wurden knapp 50 KWG-Wohnungen bezugsfertig, weitere Bauvorhaben befinden sich in der Umsetzung. Der symbolische erste Spatenstich für ein großes Projekt fiel im Winsener Neubaugebiet Norderbülte. Dort errichtet das kommunale Unternehmen 54 Wohneinheiten - in Reihen- und Mehrfamilienhäusern.
KMU-Förderung
Eine echte Erfolgsgeschichte ist unser Förderprogramm für kleine und mittelständische Firmen - KMU: In 2020 wurde der 100. Förderbescheid an ein Unternehmen im Landkreis übergeben, bis zum Jahresende haben rund 110 Firmen von der KMU-Förderung profitiert. Rund 3,1 Millionen Euro Fördermittel hat der Landkreis seit 2015 für die verschiedensten Branchen vergeben. Dadurch wurden 861 Arbeitsplätze langfristig gesichert und 440 Jobs neu geschaffen. Umso erfreulicher, dass die KMU-Förderung nach einem Beschluss des Kreistages bis zum Jahr 2027 fortgeführt wird. Die Fördergelder gibt es für Betriebserweiterungen und -verlagerungen, Existenzgründungen und Unternehmensübernahmen.
Innovative Technologien
Mit Investitionen in die digitale wie analoge Infrastruktur sorgen wir dafür, dass Unternehmen im Landkreis Harburg attraktive, zukunftssichere Standortbedingungen finden. Ein herausragendes Beispiel dafür ist sicher der TIP Innovationspark Nordheide in Buchholz, den die WLH aktuell erschließt. Der TIP gehört zu den ersten Wirtschafts- und Gewerbegebieten im Großraum Hamburg, das Unternehmen durch eine eigene 5G-Campuslizenz den hochleistungsfähigen Funkstandard zur Verfügung stellt.
Hausärztliche Versorgung
Um die hausärztliche Versorgung im Landkreis Harburg langfristig zusichern, wirbt die Initiative „stadtlandpraxis“ seit 2012 erfolgreich um medizinischen Nachwuchs. Mit diesem Jahr sind neben Praxisgründungen oder Neu-Anstellung von Ärzten auch Studierende der Humanmedizin in den Fokus gerückt. Diese können ein Stipendium beantragen, als Gegenleistung verpflichten sich die Studierenden zu einer fünfjährigen hausärztlichen Tätigkeit im Landkreis Harburg. Mitte 2020 haben die beiden ersten Medizinstudenten die Fördervereinbarung mit einer Unterschrift besiegelt. Durch die Initiative „stadtlandpraxis“ konnten in den vergangenen Jahren bereits 71 niedergelassene bzw. angestellte Ärzte und Weiterbildungsassistenten gewonnen werden.
Rettungswachen
Im Mai 2020 wurde die Interims-Rettungswache in Eichholz in Betrieb genommen, damit verbessert der Landkreis Harburg die rettungsdienstliche Versorgung der Samtgemeinde Elbmarsch durch verkürzte Eintreffzeiten. Eine weitere Interimswache entsteht in Garlstorf im Zuge der Verlagerung der Rettungswache Salzhausen.
Um den immer komplexer werdenden Aufgaben im Bereich des Rettungsdienstes, des Brand- und Katastrophenschutzes zu begegnen, hat der Landkreis Harburg diese Aufgaben 2020 in einer eigenen, neuen Abteilung zusammengefasst. Zum breiten Aufgabenspektrum gehört auch die Rettungsleitstelle, die die rund 40.000 jährlichen Einsätze von Feuerwehr und Rettungsdienst koordiniert.
Deichsicherheit
Für erhebliche Arbeitserleichterung bei Einsätzen aufgrund von Hochwasser sorgen die beiden Sandsackfüllanlagen, die der Landkreis dem Deichverband Vogtei Neuland und dem Harburger Deichverband übergeben hat. Die beiden Anlagen erhöhen die Einsatzfähigkeit der Feuerwehren, aber auch die Schlagkraft der Deichverbände im Sturmflutgebiet elementar. Bislang mussten die Sandsäcke per Hand gefüllt werden. Die neuen Anlagen können jeweils bis zu 3.800 Sandsäcke in der Stunde über fünf Abfüllstutzen befüllen.
Umwelt- und Naturschutz
Das von der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) in 2019 entwickelte Schutzprogramm für Wiesenvögel feierte erste Erfolge. Das Schutzprogramm setzt auf die Zusammenarbeit mit der regionalen Landwirtschaft. Den damit verbundenen Mehraufwand können sich die Landwirte von der UNB finanziell honorieren lassen. Auf diese Weise wurden auf rund 22 Hektar Fläche in der Elbmarsch die Eier und Jungvögel von 14 Kiebitzbrutpaaren gerettet.
Es gibt viele weitere Beispiele für die große Bedeutung und die Vielfältigkeit von Umwelt- und Naturschutz im Landkreis: Dazu gehört die Renaturierung der Este bei Welle, die dem in diesem Bereich schnurgerade verlaufenden Fluss wieder ein geschwungenes Flussbett zurückgegeben hat.
Schulen und Sportstätten
Die Investitionen in unsere Schulen und Sportstätten wurden weitergeführt. Die Schulbaumaßnahmen, die im zurückliegenden Jahr abgeschlossen oder begonnen wurden, umfassen ein Volumen von insgesamt rund 34 Millionen Euro.
Digitalisierung
2020 wurde an zahlreichen Schulen damit begonnen, Maßnahmen im Rahmen des Digitalpaktes umzusetzen. Unterstützung gibt es dafür vom Land: Die im Rahmen des Digitalpaktes Schule genehmigten Anträge umfassen ein Gesamtvolumen von über acht Millionen Euro. Außerdem wurden über das Sofortausstattungsprogramm des Bundes 929 Notebooks sowie 343 iPads für die Schulen in Trägerschaft des Landkreises beschafft.
Ich bin sicher, dass wir gemeinsam mit unseren Städten und Gemeinden vieles zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger auf den Weg bringen werden. Ich wünsche Ihnen allen viel Glück und Erfolg für das neue Jahr. Und egal was 2021 für uns bereithält - wir werden auch diese Herausforderungen gemeinsam meistern."

Autor:

Bianca Marquardt aus Tostedt

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