Hochwasserschutz in Winsen
„Wir brauchen einen Deichturbo!“

Von links: Bürgermeister André Wiese, Bundestagsabgeordnete Cornell Babendererde und Verbandsvorsteher Christoph Sander | Foto: Niklas Hintze
  • Von links: Bürgermeister André Wiese, Bundestagsabgeordnete Cornell Babendererde und Verbandsvorsteher Christoph Sander
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Sicherheit für Mensch und Natur muss Vorrang haben: Bei einem Gesprächsabend des CDU-Ortsverbandes Winsen diskutierten Experten und Lokalpolitiker jüngst in Hoopte über die drängende Zukunft unserer Deiche. Die einhellige Botschaft des Abends: Der Hochwasserschutz in der Region braucht auf allen politischen Ebenen eine deutlich höhere Priorität und vor allem viel mehr Tempo.

Christoph Sander, Verbandsvorsteher der Vogtei Neuland, konnte den Anwohnern zunächst eine Sorge nehmen: Der Elbdeich sei dank massiver Investitionen von Bund und Land aktuell in einem guten Zustand. „Der derzeitige Zustand bietet keinen Anlass zur Sorge“, so Sander. Deutlich kritischer sieht der Deichvorsteher jedoch die Lage bei den Schutzdeichen in der Region, wie etwa beim Achterdeich und beim Stöckter Deich. Diese entsprächen schlicht nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik und böten nur noch eine eingeschränkte Schutzwirkung.

Umso mehr ärgern Sander die endlosen Planungszeiten in Deutschland. Der technische Deichbau mache inzwischen nur noch einen Bruchteil des Aufwands aus – die meiste Zeit fressen naturschutzrechtliche Prüfungen und Abwägungen. „In Roydorf haben wir 2012 die Bevölkerung über die Notwendigkeit des Luhedeichs informiert, nun starten wir den Bau“, kritisierte Sander das Schneckentempo. Sein klares Fazit: „Das können wir uns zukünftig nicht mehr leisten, wenn wir sicher am Wasser leben wollen.“ Er forderte verlässlichere Finanzierungszusagen und ein Baurecht, das den Schutz von Menschenleben höher gewichtet.

Volle Rückendeckung gab es von Winsens Bürgermeister André Wiese. Auch er forderte ein sofortiges Umdenken in den Verfahren: „Wir brauchen einen Deichturbo, der endlich das Thema Sicherheit für Mensch und Natur hinter den Deichen klar priorisiert gegenüber anderen Rechtsbelangen.“

Mittelfristig kommt auf Orte wie Hoopte zudem eine gewaltige bauliche Herausforderung zu: Die Deiche an der Elbe müssen weiter erhöht werden. Das Problem: Ein Meter mehr Deichhöhe bedeutet an der Basis rund sechs Meter mehr Breite. Weil der Platz zwischen Wasser und Bebauung in den Elbdörfern enorm knapp ist, werde man hier „kluge Lösungen“ brauchen, so Sander, schließlich wolle man den ortsbildprägenden „grünen Deich“ behalten.

Für die tagtägliche Pflege dieser Anlagen bat der Deichvorsteher die Bürger um angemessenes Verhalten beim Spaziergang. Zudem brach er eine Lanze für die Schafe, die als „unverzichtbare Mitarbeiter“ die Grasnarbe festtreten.

Die CDU-Bundestagsabgeordnete Cornell Babendererde nahm dies zum Anlass, einen besseren Schutz der Weidetiere vor dem Wolf zu fordern. Angesichts schwerer Vorfälle in anderen Küstenregionen sei ein entschlossenes Handeln der rot-grünen Landesregierung längst überfällig. Abschließend betonte Bürgermeister Wiese, wie unverzichtbar die gute Zusammenarbeit der verschiedenen Deichverbände für die Sicherheit in Winsen ist: „Alle Menschen in unserer Stadt können dankbar sein, dass sich hier so viele Menschen tagtäglich mit Herzblut und Sachverstand engagieren.“

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Redakteur:

Jan Filter aus Winsen

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