Radbruch investiert in die Zukunft
Bürger- und Sportpark als Dorfprojekt mit Strahlkraft
- In der Nähe des Radbrucher Bahnhofs ist ein Bürger- und Sportpark entstanden
- Foto: Dr. Verena Corsini
- hochgeladen von Anika Werner
Ein Kleinkind auf dem Laufrad kämpft sich lachend den kleinen Hügel hoch, rollt auf der anderen Seite wieder hinab und saust weiter zur nächsten Station. Eine ältere Frau sitzt auf einer Bank und tritt langsam die Pedale eines Fitnessgeräts. Auf den Wegen sind Spaziergänger unterwegs, Jugendliche schauen sich neugierig um. Es ist einer dieser Tage, an denen der neue Bürger- und Sportpark in Radbruch zeigt, wofür er gebaut wurde: für alle.
Ein Ort für Begegnung und Bewegung
Mit einer kleinen Zeremonie wurde der Bürger- und Sportpark offiziell eröffnet. Die Anlage liegt am Peerort, am südlichen Rand von Radbruch im Landkreis Lüneburg. Bürgermeister Rolf Semrok war der erste, der das Wort ergriff. „Ich freue mich, dass wir pünktlich fertig geworden sind. Der Förderzeitraum endet morgen – wir eröffnen heute.“ Der Park sei nicht nur gebaut, sondern bereits belebt, sagte er später. Und fügte hinzu: „Wenn ich an mein persönliches Lieblingsprojekt denke, dann sind es die beiden Teiche. Gespeist mit Regen- und Grauwasser vom Vereinsheim, versorgen sie den Park. Nachhaltiger geht’s kaum.“
Ein Projekt mit Geschichte
Horst Karjoth, Vorsitzender des TSV Radbruch, erinnerte an die Anfänge: „2015 entstand die Idee. Damals war Hans-Ulrich Ruhnau noch Vorsitzender, ich sein Stellvertreter. Heute stehen wir hier und sehen, dass aus dieser Idee ein echtes Herzensprojekt geworden ist.“ Die Vision: ein Ort für Begegnung, Bewegung und Begeisterung. Offen für alle, ohne Zaun, ohne Schwellen.
Doch der Weg war nicht einfach. Zwei große Förderanträge wurden abgelehnt. „Wir waren enttäuscht und wütend. Andere, mit deutlich besseren Finanzen, bekamen den Zuschlag“, sagte Semrok. Trotzdem blieb das Team dran, vertiefte die Planung, suchte neue Wege und wurde belohnt. 975.600 Euro kamen aus dem Bundesprogramm „Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel“. Die Gesamtkosten des Parks belaufen sich auf rund 1,1 Millionen Euro. Der Eigenanteil der Gemeinde: 108.400 Euro. Hinzu kamen zahlreiche Förderungen von Landkreis, LandesSportBund, Sparkasse und Samtgemeinde, sowie ein sechsstelliger Kredit.
„Unser besonderer Dank gilt Torsten Deppe von der Bundesanstalt für Bau-, Stadt- und Raumforschung sowie Alexander Wacker von Projektträger Jülich für die tolle Unterstützung des Projektes in allen Phasen“, betonte der Bürgermeister.
Ein Dorf zieht mit
Neben der öffentlichen Förderung war vor allem eines entscheidend: die Unterstützung aus dem Ort. „Die Radbrucher stehen voll dahinter“, sagte Otto Köhler, zweiter Vorsitzender des Fördervereins Sportpark. Immer wieder organisiert der Verein Spendenaktionen. So auch ein Spendenlauf der Grundschule, bei dem 120 Kinder 6.200 Euro erlaufen haben. „Gerade versuchen wir, die 100-Meter-Laufbahn zu finanzieren. 18.000 Euro kostet sie und mehr als die Hälfte ist schon geschafft.“
Mehr als Sportflächen
Was hier entsteht, ist mehr als ein Sportplatz. Zwei neue Fußballfelder, eine Calisthenics-Anlage, barrierefreie Wege, Fitnessgeräte, Sitzbänke, ein Veranstaltungsbereich. Der Jugendclub zieht mit in den Park, ein Vereinsheim mit Bewegungshalle ist in Planung. Die Ausschreibung ist fertig, der Baustart soll zum Jahreswechsel erfolgen. Auch eine Trendsport-Arena mit 3x3-Basketballfeld und Beachvolleyballplatz sind in der Mache. Eine Fläche für eine mögliche Sporthalle bleibt reserviert.
Lob für die Hartnäckigkeit
Samtgemeindebürgermeister Heiner Luhmann sprach von einem „Vorzeigeprojekt für die Region“. In seiner Rede zitierte er aus einem Brief, den er bereits 2020 an die Gemeinde geschrieben hatte. Darin heißt es: „Es ist zu begrüßen, dass bei der Entwicklung von generationsverbindenden Sport- und Freizeiteingeboten ein Schwerpunkt auf die naturbezogene Ausgestaltung gelegt wird.“ Die positiven Wirkungen von Grünanlagen reichten von Schadstoffsenkung bis zum Wohlfühleffekt, schrieb Luhmann. Und weiter: „Es ist zu erwarten, dass sich die Bevölkerung aufgrund der positiven Wirkungen häufig in diesem Bereich aufhält, sich mit dem Park identifiziert und eine starke Ortsverbundenheit entwickelt.“ Ein Satz, der beim Gang durch den Park plötzlich ganz greifbar wird. Denn genau das scheint hier zu passieren.
Horst Karjoth sagte zum Schluss: „Es war ein langer, steiniger Weg. Mit jeder Menge Bürokratie, die manchmal absurd war. Aber wir haben durchgehalten. Das zeigt, was den TSV Radbruch ausmacht.“
Der Park ist offen. Und Radbruch ist stolz.
Redakteur:Anika Werner aus Winsen |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.