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Buchholz wagt Zukunft

Ob die Streuobstwiese, wie von den Grünen gewünscht, nach der Fertigstellung des TIP bestehen bleibt, müssen die weiteren Planungen zeigen

Stadtrat gibt grünes Licht für Technologie- und Innovationspark / "Wir sind Bestandteil eines innovativen Wirtschaftsraums"

os. Buchholz. Der Weg für die Realisierung eines Technologie- und Innovationsparks (TIP) in Buchholz ist frei. Der Stadtrat billigte jetzt den Grundsatzbeschluss mehrheitlich. CDU, FDP, AfD und der fraktionslose Hans-Wilhelm Stehnken votierten für den Antrag, gemeinsam mit der Wirtschaftsförderungsgesellschaft im Landkreis Harburg (WLH) ein konkretes städtebauliches Konzept für eine Erweiterung des Gewerbegebiets Vaenser Heide II (GE) in Richtung Dibbersen zu erarbeiten. SPD, Grüne und Linke enthielten sich der Stimme, die Buchholzer Liste votierte gegen das Vorhaben.
Wie berichtet, plant die WLH auf einem rund 18 Hektar großen Areal die Ansiedlung hochinnovativer Unternehmen, zudem klassisches Gewerbe sowie einen TIP-Campus.
Vor der Abstimmung über die Ursprungsdrucksache hatten SPD, Grüne, Linke und Buchholzer Liste mit einem Ergänzungsantrag vergeblich versucht, den TIP auf eine andere Fläche zu versetzen, z.B. auf das Areal am Lokschuppen in Sichtweite des Buchholzer Bahnhofs. Allein das klassische Gewerbe sollte im GE II auf einer wesentlich kleineren, im Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) empfohlenen Fläche umgesetzt werden. Der Antrag wurde letztlich mehrheitlich abgelehnt. Auch der Antrag der Grünen, zumindest die Streuobstwiese zwingend zu erhalten, die bei der ersten Erweiterung des GE II als Ausgleichsfläche angelegt worden war, fand keine Mehrheit.
„Der TIP ist eine große Chance für Buchholz“, betonte SPD-Ratsfrau Gudrun Eschment-Reichert. Ihre Fraktion kritisiere aber das Vorgehen der Verwaltung, die Fläche ohne Beteiligung von Politik und Bürgern verplant zu haben. Das sei Stadtentwicklung von gestern, sagte Eschment-Reichert. Ähnlich argumentierte Christoph Selke (Buchholzer Liste): „Der Informationsfluss zwischen Verwaltung und Politik hat nicht stattgefunden. Jetzt wird der zweite vor dem ersten Schritt gemacht und Tatsachen geschaffen. Wir wollen eine erneute Diskussion.“
„Lassen Sie uns Zukunft wagen“, erklärte dagegen Michael Kittlitz (CDU). Das Konzept sei dazu geeignet, die hohe Zahl von Auspendlern aus Buchholz - rund 11.000 pro Tag - zu reduzieren. Zudem würden mehr Gewerbesteuereinnahmen die Handlungsfähigkeit des Rates erhöhen. Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse betonte, dass man die weiteren Planungsschritte „mit notwendiger Sensibilität“ gehen und Bürger sowie den Ortsrat Dibbersen umfangreich beteiligen werde. Mit dem TIP schaffe man Voraussetzungen, innovative Firmen in Buchholz zu halten und neue anzulocken. „Das ist doch genau das, was wir möchten“, sagte Röhse. Als Beispiel nannte er die Firma RMM, die weltweit das Patent für Kupplungssysteme für Lkw hält. „Solche Firmen möchte ich sehr gerne in Buchholz halten“, so Röhse.
„Wir werden uns jetzt intensiv mit der Planung beschäftigen, ich fühle mich durch den Ratsbeschluss deutlich gestärkt“, sagte WLH-Geschäftsführer Wilfried Seyer dem WOCHENBLATT. Er habe sich gefreut, dass die ablehende Haltung von SPD, Grünen und Linken letztlich eine Enthaltung gewesen sei. Als nächste Schritte wolle die WLH die potenziellen Flächen für den TIP ermitteln. „Dann werden wir am Ende zu einem Verkaufspreis kommen“, erklärte Seyer. Parallel würden die Gespräche der WLH-Planer sowie der Stadtverwaltung intensiviert. Später stünden Verträge mit der Stadt, durch die es eine „gewisse Verbindlichkeit“ in der Planung gebe. Letztlich schließe sich ein klassisches Bebauungsplan-Verfahren mit öffentlicher Beteiligung an. Seyer betonte, dass der TIP nicht nur für Buchholz, sondern für den gesamten Landkreis Harburg Strahlkraft habe: „Wir sind Bestandteil eines innovativen Wirtschaftsraums.“ Wenn alles glattläuft, könnte der B-Plan im Herbst 2018 fertig sein und im Jahr 2019 mit der Umsetzung begonnen werden.