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Diebe gefährden Menschenleben

Die Diebe hinterließen wie hier in Buxtehude nur ein leeres Gehäuse (Foto: ab)
 
Im Oktober 2013 weihten Andreas Klask (li.) vom DRK-Kreisverband Harburg-Land und Martin Prigge (Sparkasse Harburg-Buxtehude) in Buxtehude den ersten Defibrillator ein (Foto: archiv / tk)

Unverständnis und Wut über Diebstahl von zehn lebensrettenden Defibrillatoren aus Sparkassen-Filialen


(os).
Einen Defibrillator zu bedienen, ist heutzutage denkbar einfach. Dank der modernen Technik wird der Nutzer des Geräts, der einem anderen Menschen damit nach einem Herzinfarkt helfen möchte, genau angeleitet was er zu tun hat. Kurzum: Auch ohne medizinische Vorkenntnisse kann man Menschenleben retten. Wie man auf die Idee kommen kann, ausgerechnet solche Defibrillatoren zu stehlen, wird wohl das Geheimnis der Diebe bleiben, die in der Nacht vom 31. Dezember auf den 1. Januar aus zehn Filialen der Sparkasse Harburg-Buxtehude in den Landkreisen Harburg und Stade Defibrillatoren entwendeten. Es sei denn, die Polizei wird ihrer mit Hilfe der Videos aus den Überwachungskameras habhaft, die in den Filialen installiert sind.
„Die Diebe müssen ihre Tour genau geplant haben“, erklärt Wilfried Wiegel, Pressesprecher der Sparkasse Harburg-Buxtehude. Vom Örtchen Tespe (Samtgemeinde Elbmarsch) im Nordosten des Landkreises Harburg aus arbeiteten sich die Ganoven nach Westen vor, brauchten über die Stationen Marschacht, Stelle, Maschen, Hittfeld, Fleestedt, Klecken, Nenndorf und Elstorf bis zur Bahnhofstraße in Buxtehude etwas mehr als viereinhalb Stunden. Die Örtlichkeiten waren den Dieben offenbar vertraut. „Ein Einbruch hat nur sieben Sekunden gedauert“, berichtet Wilfried Wiegel. Er missbilligt den Diebstahl auf das Schärfste: „Das ist ein Ding der Unmöglichkeit und moralisch in höchstem Maße verwerflich!“
Die Sparkasse werde in Absprache mit dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) die fehlenden Geräte ersetzen, kündigt Wiegel an: „Wir lassen uns durch die unverantwortlichen Diebe nicht entmutigen.“ Mit einem Mehrjahres-Programm über vier Jahre hatte das Kreditinstitut sämtliche Filialen in ihrem Geschäftsgebiet in Zusammenarbeit mit den DRK-Kreisverbänden Harburg-Land und Stade mit Defibrillatoren ausgestattet - frei zugänglich, damit die Geräte im Notfall schnell einsatzbereit sind.
Bis die neuen Geräte installiert sind, können nach Angabe von Roger Grewe, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Harburg-Land, bis zu acht Wochen vergehen: „Sechs Wochen müssen wir für die Lieferung einplanen und dann müssen wir die Defibrillatoren noch kalibrieren.“ Jeder Tag, an dem die Geräte fehlen, sei ein schlechter Tag. Den wirtschaftlichen Schaden beziffert Grewe mit 15.000 bis 20.000 Euro. „Das wird ein Fall für die Versicherung“, sagt er.
Der DRK-Geschäftsführer mutmaßt, dass die Defibrillatoren ins Ausland geschafft wurden. „Dort erhält man auf dem Schwarzmarkt bis zu 1.000 Euro pro Gerät“, erklärt er. Die Bauserie der entwendeten Lebensretter sei in Deutschland weit verbreitet - im Gegensatz zu dem Modell, das die Diebe abschließend in einer Filiale der Kreissparkasse Stade in Apensen entwendeten und dann vor einer Bäckerei-Filiale wegwarfen.
Roger Grewe hofft, dass es in den kommenden Wochen in der Nähe der betroffenen Sparkassen-Filialen nicht zu einem Notfall kommt - und denkt dabei auch die zahlreichen Nutzer der Defi-App für Smartphones, über die der nächstgelegene Defibrillator-Standort angezeigt wird: „Ich mag mir gar nicht ausmalen, was geschieht, wenn ein Helfer über die App den Defibrillator findet und dann vor dem leeren Gehäuse steht. Das kann ganz übel ausgehen!“
• Zeugen, die die Überfälle beobachtet haben, werden gebeten, sich bei der Polizei Seevetal unter Tel. 04105-6200 zu melden.

Stichwort Defibrillator

„Das Einzige, was man bei plötzlichem Herzversagen falsch machen kann, ist nichts zu tun“, erklärt das DRK im Internet. Deshalb sind an vielen öffentlichen Stellen, so auch in den Filialen der Sparkasse Harburg-Buxtehude, sogenannte „Automatische externe Defibrillatoren“ (AED) angebracht. Das medizinische Gerät zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen durch die Abgabe von Stromstößen ist - im Gegensatz zu den Defibrillatoren im Rettungsdienst oder in den Krankenhäusern - von Laien zu bedienen. Das Gerät kommuniziert mit dem Helfer und gibt genaue Anweisungen, welche Schritte dieser anwenden muss.

Auf ein Wort

Dieser Diebstahl ist hochkriminell

Diebstahl ist verwerflich, der Klau von lebensrettenden Geräten ist doppelt schlimm. Die Diebe und ihre Auftraggeber spielen fahrlässig mit dem Leben von Menschen, die im Notfall schnelle Hilfe benötigen. Ich hoffe, dass die Diebe schnell dingfest gemacht werden und dann die volle Härte der Justiz erfahren. Der Diebstahl von Defibrillatoren ist kein Kavaliersdelikt, sondern hochkriminell und muss entsprechend geahndet werden. Oliver Sander