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Einsatz gegen das Insektensterben

Setzen sich für Insekten ein: (v. li.) Hartmut Peters (Beratungsring Hohe Geest), Rudolf Meyer (Landvolk), Sybille Kahnenbley (Landfrauen), Ulrich Peper (Landwirtschaftskammer), Ralf-Peter Dieck (Maschinenring Harburg) und Kreislandwirt Willy Isermann
 
Solche Blühstreifen sollen im Landkreis Harburg vermehrt angelegt werden Fotos: os / Landwirtschaftskammer

Initiative des Vereins "Kuratorium für Wirtschaftsförderung": Landwirte wollen mehr Blühstreifen und Bienenweiden anlegen

os. Buchholz. Nachdem Ende 2017 die Ergebnisse einer über 27 Jahre hobbymäßig betriebenen Langzeitstudie veröffentlicht worden waren, ist das Thema "Insektensterben" in aller Munde. Demnach ist die Insekten-Population seit 1990 um 76 Prozent geschrumpft. "Auch wenn die Datenbasis im Einzelnen sicher kritisiert werden kann, stellen die Ergebnisse einen Trend dar, der uns Sorgen macht", erklärte Ulrich Peper von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Buchholz. Der Verein "Kuratorium für Wirtschaftsförderung", zu dem neben der Landwirtschaftskammer noch die Landberatung, der Beratungsring Hohe Geest, der Kreis-Landfrauenverein, das Kreis-Landvolk und der Maschinenring Harburg e.v. gehören, will dem Insektensterben entgegen treten. Er ruft die Landwirte im Landkreis Harburg dazu auf, noch mehr als bisher die Anlage von Blühflächen und Bienenweiden in ihrer Anbauplanung zu berücksichtigen. Davon sollen u.a. nektarsuchende Insekten wie Honigbiene, Hummel und Schmetterling profitieren.
Im vergangenen Jahr gab es im Landkreis Harburg bereits mehr als 800 Hektar Blühstreifen und -flächen. Die Grundstückseigentümer werden bei der Anlage durch ein Förderprogramm des Landes unterstützt. Bis zu 800 Euro pro Hektar sind an Förderung möglich. Nach Abzug der Anschaffungskosten für die Blühmischungen und die Pflege der Flächen bleibt für die Landwirte allerdings oft nur wenig Geld übrig. "Uns geht es nicht um den Profit, wir wollen einen Beitrag für mehr Lebensraum für Insekten, Vögel und Kleinsäuger leisten", betont Kreislandwirt Willy Isermann. Das Interesse bei Landwirten, Blühstreifen zu planen, sei sehr groß, erklärt Hartmut Peters vom Beratungsring Hohe Geest.
Neben Blühstreifen, die an Rändern von Ackerflächen entstehen und eine Breite zwischen sechs und 30 Metern haben, besteht seit diesem Jahr die Möglichkeit, Brachflächen als Bienenweide für Insekten herzurichten. Im Landkreis Harburg gibt es derzeit rund 1.500 Hektar Brachflächen. Das Problem: Das Förderprogramm greift nur bei einem Aussaatermin bis zum 15. April. "Aus landwirtschaftlicher Sicht ist das viel zu früh", kritisiert Isermann. Er hofft, dass diese Regelung in Zukunft angepasst wird.
In Kürze soll feststehen, welche Blühmischungen für die Blühstreifen und Bienenweiden verwendet werden dürfen. Bislang gibt es lediglich eine Empfehlungsliste, auf der u.a. Dill, Kornblume, Klatschmohn, Sonnenblumen, Klee und Schafgarbe stehen.
Moralische Unterstützung erhalten die Landwirte vor Ort von Bundes-Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU): „Mir sind Bienen wichtig, ohne Bienen stirbt das Leben. 80 Prozent der Pflanzen müssen bestäubt werden. Hier sehe ich alle europäischen Staaten in der gemeinsamen Verantwortung. Bienen kennen keine Ländergrenzen. Die Bedrohung des Bienensterbens müssen wir europäisch denken und eine Lösung auf europäischer Ebene gemeinsam finden. Ich treibe das gern an", sagte sie am Donnerstag.
Der Verein Kuratorium für Wirtschaftsberatung im Landkreis Harburg ruft Kommunen und Privatpersonen auf, ihrem Beispiel zur Rettung der Insekten zu folgen. Jeder könne sich im örtlichen Landhandel ebenfalls Blühmischungen besorgen und im heimischen Garten oder auf Ausgleichflächen Blühstreifen schaffen, erklärt Ulrich Peper.
Einige Kommunen haben das Thema "Insektensterben" bereits auf die Agenda gehoben. So haben die Politiker der Gemeinde Tostedt beschlossen, öffentliche Randstreifen wieder in blühende Randstreifen zu verwandeln, um dem Rückgang der Insektenpopulation entgegenzuwirken. Als Pilotprojekt sollen im Frühjahr erste Rand- und Grünstreifen im Gemeindebereich in ihrer ursprünglichen Breite wiederhergestellt werden.
Hintergrund: Die Bundesfreiwilligendienstleistenden im Natur- und Umweltschutz, Madeleine Meyer und Sebastian Mohrmann, hatten zwischen November 2016 und März 2017 im Außenbereich 88 gemeindeeigene Wege vermessen und die von ihnen ermittelten Werte mit den Parzellen-Daten des Geoportals des Landkreises Harburg verglichen. Bei acht Wegen hatten die Bufdis einen Flächenverlust von insgesamt rund 5.200 Quadratmetern ermittelt.