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Historisches bewahren, Neues schaffes

Joachim Matz (Genossenschaftlichem Archiv, li.) freut sich, dass Investor Steffen Lücking die Granittafeln bewahrt und sogar um eine weitere ergänzt hat
 
Das 1908 fertiggestellte Doktorhaus der Spar- und Darlehnskasse Egestorf. Erster Mieter war Dr. Schild

Steffen Lücking rettet Granittafeln des historischen Doktorahauses in Egestorf.



mum. Egestorf.
Investoren wird gern vorgeworfen, wenig Rücksicht auf historische Gebäude zu nehmen, wenn sie gewinnbringende Neubauten errichten können. Für Steffen Lücking (Langenrehm) gilt das nicht. Zwar kam er nicht um den Abriss des historischen Doktorhauses in Egestorfs herum, um ein modernes Mehrfamilienhaus zu errichten, doch mit einer bemerkenswerten Geste will Lücking auch weiterhin an die Bedeutung des Hauses erinnern. Lücking hat an der Fassade drei Tafeln anbringen lassen, die Auskunft über den geschichtsträchtigen Ort geben.
Dass Lücking das Gebäude abreißen musste, zweifelt niemand an, denn bereits das ursprüngliche Aussehen des Doktorhauses kannten nur noch alteingesessene Egestorfer. 1972 wurde die "Felldiele" daraus. Der damalige Eigentümer hatte um das kleine Backsteinhaus neue Geschäftsräumlichkeiten mit großen Schaufenstern herumgebaut. Nur der Giebel behielt sein ursprüngliches Aussehen. "Das Doktorhaus war ein Symbol für das beispielhafte soziale Handeln der damaligen Spar- und Darlehnskasse in Egestorf, die der legendäre Pastor Wilhelm Bode gegründet hatte", bestätigt Joachim Matz vom Genossenschaftlichem Archiv (GenoArchiv) in Hanstedt. "Um einen Arzt nach Egestorf zu holen, baute die Sparkasse im Jahr 1908 für 9.000 Mark das Doktorhaus. Der Mediziner sollte darin nicht nur umsonst wohnen, er erhielt auch einen Barzuschuss." Doch es dauerte noch ein Jahr, bis der Arzt Dr. Otto Schild den Vertrag unterschrieb. Darin wurde ihm ein Jahreszuschuss von 720 Mark zugesagt. Der Arzt praktizierte bis 1919 in Egestorf, dann kamen mehrere Nachfolger. Weil zeitweilig Mediziner ausblieben, waren in dem Gebäude vorübergehend auch ein Fotograf und ein Papiergeschäft untergebracht. In den 1960er Jahren wurde das Haus verkauft. Anfang der 1970er Jahre eröffnete der neue Eigentümer Heinz Trampe in dem Haus sein Fellgeschaft - die Bezeichnung "Felldiele" entstand.
Nach dem Tod von Trampe stand das Geschäft jahrelang leer, 2013 verkauften die Erben es an Steffen Lücking. "Der Leerstand hat sehr an er Bausubstanz genagt", sagt der Investor. So sehr, dass das Gebäude immer mehr zu einem Schandfleck für Egestorf wurde. Lücking sei anfangs nicht bewusst gewesen, dass sich unter den vielen Umbau- und Anbauten ein besonderes Gebäude befand. Im letzten Moment rettete er zwei Granittafeln vor der Abrissbirne.
Lücking investiert zwei Millionen Euro in den Neubau, der schon spätestens im November bezogen werden kann. Insgesamt sind zwölf hochwertige Wohnungen mit Grundflächen zwischen 67 und 85 Quadratmetern entstanden. Beide Häuser sind mit Fahrstuhl ausgestattet, so dass der zugehörige Kellerraum und Gemeinschaftsflächen barrierefrei erreicht werden können. Sechs Wohnungen will Lücking verkaufen, sechs möchte er selbst behalten und vermieten. "Die Nachfrage ist groß, aber noch ist nicht alles vergeben", so Lücking. Interessenten können sich an Olaf Gippner wenden. Er ist unter der Rufnummer 04131 - 7899575 oder via E-Mail info@major-estates.com zu erreichen.