Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Schwere Vorwürfe gegen den Rat

Bürgermeister Christian Meyer

Bürgermeister Christian Meyer widerspricht „Heimlichkeits“-Kritik wegen Derustit-Ansiedlung.

mum. Marxen. Landrat Rainer Rempe und Samtgemeinde-Bürgermeister Olaf Muus wussten um das extrem kontroverse Thema, dass die Marxener derzeit bewegt. Beide jedoch wollten während ihrer Reden während des Empfangs zur 777-Jahr-Feier nicht auf die geplante Ansiedlung des Stahlbetriebs Derustit eingehen. Dennoch war das Thema allgegenwärtig. „Wir konnten nicht ausschließen, dass die Ansiedlungsgegner vor dem Festzelt demonstrieren“, sagt Bürgermeister Christian Meyer. Zwar blieb es während des Empfangs ruhig, doch ein im Ort verteilter Flyer, erstellt von einer Gruppe von Bürgern, sorgt für vergiftete Atmosphäre.
Wie berichtet, hat Derustit ein etwa 2.800 Quadratmeter großes Grundstück im Gewerbegebiet „Schünbusch Feld“ erworben. Dorthin will das Unternehmen, das in der Oberflächenbehandlung von Stahl und Edelstahl mithilfe von Chemikalien tätig ist, seine Hamburger Standorte in Wilhelmsburg und Stellingen verlagern. Ursprünglich wollte Derustit nach Stelle übersiedeln, hatte dort sogar schon eine entsprechende Fläche gekauft. Doch Steller Politiker hatten Bedenken angesichts der Umweltverträglichkeit. Das für das Genehmigungsverfahren zuständige Gewerbeaufsichtsamt in Lüneburg hielt es jedoch für genehmigungsfähig und ersetzte das Einvernehmen der Gemeinde. Weitere Klagen folgten; am Ende entschied sich das Unternehmen gegen die Ansiedlungspläne in Stelle.
Droht in Marxen jetzt ebenfalls ein juristischer Schlagabtausch? „Ich gehe davon aus, dass es nicht so weit kommt“, so Meyer. Der Gemeinderat habe sich einstimmig für die Ansiedlung ausgesprochen. In dem Flyer wird dem Gemeinderat unter anderem vorgeworfen, heimlich die Entscheidung getroffen zu haben. „Warum fand im Vorwege keinerlei Bürgerinformation statt? Bis heute wusste hiervon kaum jemand aus dem Ort. Solche Themen müssen in einer funktionierenden Gemeinschaft zwingend zur Diskussion gestellt werden“, ist in dem Flyer zu lesen.
„Mich ärgert an diesem Flyer, dass darin viele Unwahrheiten verbreitet werden“, so Meyer. So auch über das im Landkreis angesiedelte Unternehmen „Ankerkraut“ (bekannt aus der TV-Show „Höhle der Löwen“). Anders als dort behauptet, habe "Ankerkraut" von sich aus seine Ansiedlungspläne zurückgezogen. Das bestätigt auch Samtgemeinde-Bürgermeister Olaf Muus. „Der Gemeinderat wird die Vorwürfe nicht unkommentiert lassen“, so Christian Meyer. Eine Stellungnahme sei in Vorbereitung.
• Am Dienstag, 18. Oktober, findet im Dorfgemeinschaftshaus eine Informationsveranstaltung zum Thema Derustit-Ansiedlung statt. Los geht es um 19 Uhr.

Kommentar

Das ist schlechter Stil
Es liegt in der Natur der Sache, dass die Ansiedlung eines Chemie-Unternehmens schwierig ist. Kontroverse Diskussionen gehören dazu. Allerdings sollte allen Beteiligten klar sein, dass Derustit sicherlich nicht in einer baufälligen Scheune Stahl verarbeiten wird. Das für das Genehmigungsverfahren zuständige Gewerbeaufsichtsamt in Lüneburg hielt die Ansiedlung in Stelle für unbedenklich. Sollte man den Experten nicht vertrauen? Schlechter Still ist es auf jeden Fall, dem Gemeinderat Heimlichkeiten vorzuwerfen. Die Sitzungen des Rates waren öffentlich. Auch die jetzigen Kritiker hätten sich dort informieren können - wenn nicht sogar müssen. Man kann nur hoffen, dass einige wenige nicht das gute Miteinander in Marxen vergiften. Denn - so zeigt das Jubiläum - eigentlich ist die Welt in dem Dorf in Ordnung.
Sascha Mummenhoff


Lesen Sie auch:
Gemeinschaft als Stärke