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Ein sinnloser Schutz vor Rasern?

Die Anwohner sind genervt: Oft fahren die Lkw viel zu schnell durch Issendorf
 
Die Menschen fürchten, dass irgendwann ein Auto in ihren Gärten landet. Ihre Grundstücke grenzen direkt an die L 123 an
jd. Harsefeld. Wurden 100.000 Euro aus Steuermitteln sinnlos in den Sand gesetzt? Diese Summe wurde vom Flecken Harsefeld vor drei Jahren für den Bau eines Fahrbahnteilers an der vielbefahrenen L 123 in Issendorf ausgegeben. Diese Maßnahme sollte der Verkehrssicherheit dienen. Doch nach Ansicht der Anwohner ist das Gegenteil der Fall: Sie fühlen sich nicht mehr sicher und fürchten um Leib und Leben, seitdem es die Verkehrsinsel gibt.
"Dieser Fahrbahnteiler hat seinen Zweck verfehlt", sagt Jan Hennig. Der Hamburger wohnt mit Frau und Sohn seit zwei Jahren in Issendorf und bereut es mittlerweile, dorthin gezogen zu sein. Ihm gehe es nicht um den vielen Verkehr und den Straßenlärm - das sei er aus Hamburg gewohnt. "Aber so extrem wie hier wird nicht mal in der Großstadt gerast", sagt der Familienvater.
Jüngstes Beispiel: Vor zehn Tagen krachte ein Cabrio unmittelbar neben Hennigs Grundstück gegen einen Baum. Der Fahrer war nach Auskunft der Polizei viel zu schnell unterwegs. Hennig möchte sich gar nicht ausmalen, was alles hätte passieren können: Die Sandkiste seines kleinen Sohnes liegt nur vier Meter von der Unfallstelle entfernt. "Ich habe Angst um mein Kind", sagt Hennig.
Für ihn ist die Verkehrsinsel, die rasante Autofahrer aus Richtung Horneburg ausbremsen soll, eine glatte Fehlplanung: "Wenn kein Gegenverkehr kommt, wird die Insel links umfahren", ärgert sich Hennig. Diese riskante Fahrweise beobachte er auch bei vielen der rund 150 bis 200 Lkws, die täglich durch Issendorf brausen.

"Bäume sind unsere Lebensversicherung"

Doch richtig gefährlich wird es, wenn sich Autofahrer dem Fahrbahnteiler in zu hohem Tempo nähern: Der dort eingebaute Schlenker ist selbst mit dem vorgeschriebenen Tempo 50 kaum zu durchfahren. Wer nicht abrupt in die Eisen steigt, schießt über die "Schikane" hinaus und direkt auf die Häuser der Familie Hennig und ihrer Nachbarn zu. Die Grundstücke grenzen mit ihren Gärten direkt an die L 123, nur abgetrennt durch eine etwa 1,5 Meter breite Böschung.
"Bislang ist es für uns immer glimpflich ausgegangen", sagen Andrea und Uwe Carl, die im vordersten Haus leben. Die Unfallfahrer seien immer an einem der Straßenbäume gestrandet und hätten die Grundstücke knapp verfehlt. "Die Bäume sind unsere Lebensversicherung", meint Kathrin Gerdts, die neben der Familie Carl wohnt. Sie ist in Sorge um ihre zwei Kinder: "Ich mag die beiden gar nicht mehr zum Spielen in den Garten lassen", sagt die junge Mutter.
Sie will jetzt gemeinsam mit ihren Nachbarn bei den Behörden vorstellig werden. "Diese Verkehrsinsel muss weg oder zumindest entschärft werden", sind sich die Anwohner einig. Sie fordern zusätzliche Maßnahmen, um die Raser auszubremsen - wie etwa das Anbringen von Bodenschwellen oder die Installation eines festen Blitzers.
"Sobald eine Beschwerde vorliegt, werde ich aktiv und beraume einen Ortstermin an", verspricht Harald Polter, Sachgebietsleiter für das Ordnungswesen im Harsefelder Rathaus. Seine Dienststelle ist als Straßenverkehrsbehörde für die Beschilderung zuständig. Maßnahmen würden aber nur in Abstimmung mit der Landesbehörde für Straßenbau - ihr gehört sozusagen die Straße - und der Polizei getroffen. Holger Heins, Leiter des Harsefelder Wache, ist das Problem bekannt: "Die Verkehrssituation ist dort sehr unglücklich. Wir haben die Sache seit längerem im Blick", erklärt der Polizist.