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Er ist stolz auf seine Kunst - Filigranes Blattwerk für das Schaufenster: Flüchtling darf sein Können präsentieren

Ein paar geschickt angesetzte Schnitte mit dem Cutter-Messer - und Mohamad Molhem hat aus der Fenster-Folie ein Blatt herausgeschnitten.
jd. Harsefeld. Für viele Flüchtlinge ist es das Schlimmste, zum Nichtstun verdammt zu sein. Auch Mohamad Molhem, der vor dem Bürgerkrieg in Syrien geflohen ist und seit Dezember 2015 in Harsefeld lebt, möchte gern etwas leisten und zeigen, was er kann. Doch die Situation für den 33-Jährigen aus der syrischen Hauptstadt Damaskus ist noch schwieriger als bei anderen Flüchtlingen: Mohamad ist Künstler - und in seinem geliebten Beruf hierzulande Fuß zu fassen, ist nicht gerade einfach. So nutzt er vor Ort jede Gelegenheit, sein Können unter Beweis zu stellen - wie jetzt beim Harsefelder Mode-Geschäft "Geli's Boutique": Dort verziert er derzeit die Schaufenster mit kunstvollem "Blattwerk".

Der Kontakt zu dem Inhaber-Ehepaar Silvana und Bastian Renck kam per Zufall zustande: Mohamads Mentorin Bettina Weingärtner, die in Harsefeld eine Kunstschule leitet, sucht für den Syrer eine Unterkunft, die Platz für Künstlerutensilien wie Staffelei, Leinwände usw. bietet. Sie klapperte die Läden ab, um dort Flyer zu deponieren. Die Rencks interessierten sich für Mohamads Geschichte und boten ihm an, sich an den Schaufenstern künstlerisch "auszutoben". Jetzt ist Mohamad dabei, die Fenster mit Blattmotiven aus sogenannter Frost-Folie zu versehen.

"Die floralen Ornamente passen perfekt zum herbstlichen Ambiente in unseren Schaufenstern", schwärmt Bastian Renck, während er zusieht, wie der Künstler mit dem Cutter-Messer feinsäuberlich die einzelnen Blätter aus der Folie schneidet. "Die Situation ist gerade für die stolzen arabischen Männer schwierig: Sie haben kaum eine Gelegenheit, ihre Fähigkeiten zu präsentieren", meint Renck. Dabei gebe es bestimmt viele Flüchtlinge wie Mohamad, die sehr talentiert seien, aber Ihr Können nicht zeigen dürfen.

Nach Ansicht von Renck und Weingärtner sind solche Aktionen wichtig, um junge Flüchtlinge zu motivieren, auf die eigene Leistung zu vertrauen. Auch wenn sie wie bei der Schaufenster-Dekoration unentgeltlich tätig seien, trage das dazu dabei, das Selbstwertgefühl zu stärken. "Auch das ist wertvolle Integrationsarbeit", meint Renck. Mit Bettina Weingärtners Hilfe möchte sich Mohamad nun in künstlerischem Bereich weiter fortbilden. Bei Geli's hat er schon ein weiteres Projekt ins Auge gefasst. In der Vorweihnachtszeit will er die Schaufenster mit Märchenmotiven dekorieren.