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Helfer fordern Hilfe ein: Junger Flüchtling bereitet massive Probleme / Ahlerstedter Arbeitskreis Asyl hielt Krisentreffen ab

Der junge Syrer hat bei der Polizei angegeben, die brennende Zigarette sei ihm aus der Hand gefallen und habe die Matratze in Brand gesetzt. Hinter vorgehaltener Hand wird diese Version von einigen angezweifelt (Foto: jd (Fotomontage))
jd. Ahlerstedt. Es ist fast wie ein Hilfeschrei der Helfer: Der Ahlerstedter Arbeitskreis Asyl kam in dieser Woche zu einer Krisensitzung zusammen. Es ging um massive Probleme mit einem jungen Flüchtling. Der 21-jährige Syrer Mahmud B.*, der vor einem Jahr nach Deutschland kam, ist psychisch labil, konsumiert Drogen und fällt immer wieder durch gewalttätiges Verhalten auf. Der Vorsitzende des AK Asyl, Ingo Cohrs, machte auf dem Treffen deutlich, dass die freiwilligen Flüchtlingsbetreuer keine Verantwortung für B. übernehmen können. Er forderte den Landkreis auf, schnell eine Lösung zu finden.

Laut Cohrs ist nicht auszuschließen, dass von dem Asylbewerber eine Gefährdung für sich und andere ausgeht. Dem jungen Mann müsse zwar "bestmöglich geholfen" werden, doch der Schutz der ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer habe Priorität. B.s Verhalten deute auf eine psychische Erkrankung aufgrund traumatischer Erlebnisse hin, heißt es von denjenigen, die mit ihm zu tun haben. Zudem werde er unter Drogeneinfluss aggressiv. Nach Angaben von Huda Aslam, die in der Samtgemeinde Harsefeld die Flüchtlings-Unterbringung koordiniert, ist B. von Anfang an ein Problemfall: "Drohungen, Schlägereien, Diebstähle." Samtgemeinde-Bürgermeister Rainer Schlichtmann erklärte auf WOCHENBLATT-Nachfrage, B. habe Mobiliar zerstört, Scheiben eingeschlagen und Türen eingetreten: "Im Rathaus hat er Hausverbot."

Deutliche Worte findet Ahlerstedts Bürgermeister Uwe Arndt: "Wir hier im Dorf sind mit der Situation überfordert. Diese Person ist eine tickende Zeitbombe." Arndt spielt auf die jüngsten Ereignisse an: In der vergangenen Woche brannte es in der Asylunterkunft, in der der junge Syrer derzeit allein lebt. Als die Retter eintrafen, hielt sich der Flüchtling in seinem verqualmten Zimmer neben einer brennenden Matratze auf. Bei der Polizei gab B. an, die Matratze habe wegen einer brennenden Zigarette Feuer gefangen.

Doch diese Version wird von manchen bezweifelt, denn B. soll bereits damit gedroht haben, ein Feuer zu legen. Die Sache ging zwar glimpflich aus. Die Feuerwehr konnte den Brand schnell löschen. Aber Arndt ist in Sorge um die Familie, die in demselben Haus wohnt: "Es kann nicht sein, dass eine Familie mit vier kleinen Kindern jetzt permanent in Angst leben muss, dass womöglich etwas Schlimmeres passiert." Der Schutz dieser Familie habe Vorrang.

"Ich habe Landrat Roesberg direkt angesprochen", so der Bürgermeister: Der Landrat habe ihm zugesichert, Möglichkeiten auszuloten, wie B. geholfen werden kann. Der Landkreis will zum Thema B. allerdings nichts Näheres sagen: Es gebe Kontakt mit der Samtgemeinde und verschiedenen Behörden, doch über Details zum konkreten Fall werde man sich nicht äußern, so die zuständige Dezernentin Nicole Streitz gegenüber dem WOCHENBLATT.

Ein erster wichtiger Schritt ist bereits getan: B. hat jetzt einen amtlich bestellten Betreuer an seiner Seite, der sich vorrangig darum kümmern will, dass sein Schützling in fachärztliche Behandlung kommt. "Ich verstehe nicht, warum ein psychisch kranker Mensch in diesem abseits gelegenen Haus wohnt", wundert sich der Betreuer. Eine Teilnehmerin der Runde sprach am Schluss aus, was alle denken: "Wir Ehrenamtlichen sind in diesem Fall einfach hilflos."

* Name von der Red. geändert


Eingeschränkte Möglichkeiten

Die Möglichkeiten des Kreises Stade, in ähnlichen Fällen wie dem von B. zu intervenieren, sind eher beschränkt. Laut Dezernentin Nicole Streitz erfolgt die Zuweisung des Wohnsitzes durch die Landesaufnahmebehörde. Bei psychischen Problemen stünden Asylsuchenden die gleichen Hilfsangebote wie allen Bürgern zur Verfügung. Das Thema Ausweisung nach Straftaten ist äußerst komplex: Nur schwerwiegende Verurteilungen könnten negative Auswirkungen auf die Bleibeperspektiven eines Täters haben, so Streitz.
Auch der Polizei sind die Hände gebunden: "Wir können am wenigsten machen", so Harsefelds Dienststellenleiter Holger Heins: Man könne zwar jemanden kurzfristig in Gewahrsam nehmen, doch "der ist am nächsten Tag wieder draußen."