Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

FriedWald-Projekt als Totengräber der kommunalen Friedhöfe

In Buxtehude-Neukloster im Landkreis Stade gibt es schon einen FriedWald. Jetzt soll auch im Kleckerwald eine solche Begräbnisstätte entstehen (Foto: archiv)
 
Auf den dunkelgrünen Feldern ist der „FriedWald“ zunächst geplant, eine Erweiterung ist möglich
mi. Rosengarten.

In den Augen von Bürgermeister Dirk Seidler ist der in der Gemeinde Rosengarten im Kleckerwald (Bendestorfer Straße) rund um das Hünengrab angedachte „FriedWald“ ein Leuchtturmprojekt. Doch was bedeutet die Schaffung einer Urnenbegräbnisanlage diesen Ausmaßes und an solch exponierter Stelle für die Friedhöfe angrenzender Kommunen?

Urnenbegräbnisanlage auf bis zu 70 Hektar

Wie berichtet, ist in Rosengarten angedacht, im Kleckerwald eine bis zu 70 Hektar große Urnenbegräbnisanlage des hessischen Unternehmens FriedWald GmbH anzulegen. Das Konzept: Der Wald befindet sich im Besitz der Landesforsten, die arbeiten mit der FriedWald GmbH zusammen, die Marketing und einen großen Teil der Verwaltungsarbeit übernimmt. Die Gemeinde wird eigentlich nur benötigt, um den Wald zum Friedhof „umzuwidmen“. Mit dem „FriedWald“ will man in Rosengarten auf die immer größere Nachfrage nach alternativen Begräbnisformen reagieren.

Immer weniger Körperbestattungen

Die klassische Körperbestattung auf Friedhöfen wird immer seltener. In Bremen ist seit 2014 unter strengen Bedingungen sogar die Ascheverstreuung auf privatem Boden erlaubt. Die Gründe für den Wandel sind vielfältig: Eine individualisierte Trauerkultur, aber auch die Tatsache, dass vielen Angehörigen für Grabpflege die Zeit oder der Wille fehlt. Die Alternative sind vielfach „pflegeleichte“ Urnengräber, am liebsten in Wäldern. Diese neue Bestattungskultur ist nicht nur trendy, sondern auch ein lukratives Geschäft. Den Markt teilen sich in Deutschland zwei private Anbieter: die FriedWald GmbH, die auch in Rosengarten tätig werden will, und die RuheForst GmbH, die zum Beispiel am Lohof in Jesteburg einen „RuheForst“ betreibt.

Friedhöfe öffnen sich dem neuen Trend

Für kommunale und kirchliche Friedhofsträger werden die vielen Waldbestattungen zunehmend zum Problem. Sind Friedhöfe nicht mehr ausgelastet, brechen die Einnahmen weg. Die Folge sind drastische Gebührenerhöhungen für Gräber. In Rosengarten und Buchholz wurden 2014 die Gebühren nahezu verdoppelt (das WOCHENBLATT berichtete).
Viele kommunale und kirchliche Träger sind deswegen dazu übergegangen, neue Arten der Bestattung auf ihren Friedhöfen zu ermöglichen. Die Buchholzer St. Paulus Gemeinde bietet einen Urnenwald, ebenso die Kirchengemeinde der Gemeinde Welle (Samtgemeinde Tostedt). In Seevetal gibt es auf Friedhöfen spezielle Urnenbäume.
Wie wirkt sich da ein großer kommerzieller „FriedWald“, noch dazu in einem der schönsten Buchenbestände im Landkreis Harburg angelegt, aus?

Kommunale und kirchliche Friedhöfe als Verlierer

„Die Region ist durch unseren „RuheForst“ und die Friedwälder in Buxtehude-Neukloster und im Raum Lüneburg eigentlich ausreichend versorgt, sagt dazu Karl Konrad vom „RuheForst“ im Jesteburger Lohof. Für den Lohof sehe er keine größeren Probleme, wohl aber für die vielen kleinen Projekte zur Baumbestattung und nicht zuletzt für die kommunalen Friedhöfe. Sinnvoller wäre es, Rosengarten würde seine eigenen Friedhöfe attraktiver gestalten und dort Wald- oder Baumbestattungen anbieten, so Konrad
„Wir sehen das entspannt. Ich glaube nicht, dass der ‘FriedWald‘ eine direkte Konkurrenz für unseren Urnenwald darstellt“, sagt dagegen Pastor Andreas Kern von der Kirchengemeinde St. Paulus in Buchholz.
In Seevetal hat man sich schon 2013 dagegen entschieden, ein 80-Hektar-Areal im Waldgebiet Höpen einem kommerziellen Bestattungsanbieter zu überlassen. Der Grund seien befürchtete Nutzungskonflikte in dem als Naherholungsgebiet stark frequentierten Waldgebiet gewesen, so Baumamtsleiter Gerd Rexrodt. Die Entwicklung in Rosengarten will er nicht kommentieren.
Deutlich äußert sich Kleckens Ortsbürgermeister Grützmacher, der kritisiert: „Kaum etwas von dem Geld, das die FriedWald GmbH und Landesforsten erwirtschaften, bleibt bei der Kommune. Auch ihre Steuern zahlen die Unternehmen nicht bei uns. Grützmachers Fazit: „Die Verlierer bei dem Projekt sind die Gemeinde und unsere Friedhöfe.“