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Eltern fordern Familienfreundlichkeit statt höherer Kita Gebühren

Fordern stellvertretend für alle Eltern(vertreter) der Kita in Klecken eine familiengerechte Politik: (v. li.) Julia Münchow, Salka Koldewei, Deergne Behrens, Nicole Röttmer und Melanie Pahl
 
Kündigte ihre Stelle als Koordinatorin des "Bündnis für Familie" (Foto: archiv)
mi. Rosengarten Das „Bündnis für Familie“ sollte die Gemeinde Rosengarten familienfreundlicher machen. Doch ein halbes Jahr nach der Gründung hagelt es Kritik aus der Elternschaft. Dazu passend hat die Koordinatorin des Bündnisses, Sozialpädagogin Katja Lieber (Foto), ihre Stelle bei der Gemeinde überraschend gekündigt. Hinter den Kulissen heißt es, Katja Lieber sei mit dem Kurs der Gemeinde nicht einverstanden gewesen.
Demnach fehle Verwaltung und Politik der Wille, für eine familienfreundlichere Gemeinde auch das notwendige Geld in die Hand zu nehmen. Bisher hat Rosengarten kaum etwas getan, um Ankündigungen auch Taten folgen zu lassen. Im Gegenteil: Derzeit plant die Gemeinde sogar eine Erhöhung der Kita-Beiträge. Das
WOCHENBLATT betitelte das Bündnis deshalb als „Marketingtrick“. Das sehen Kita-Elternvertreter ähnlich: Sie erklärten eine gemeinsame AG mit Politik und Verwaltung für gescheitert.

Kita-Gebührenerhöhung auf der Agenda

Es dürfte spannend werden, wenn sich am kommenden Montag, 2. November, um 19 Uhr der Kinderbetreuungsausschuss der Gemeinde Rosengarten trifft (Rathaussitzungssaal). Dort stehen verschiedene Modelle zur Neugestaltung der Kita-Gebühren zur Diskussion. Fakt ist dabei allerdings schon jetzt: Es wird wohl für viele Eltern teurer.
Wollte die Gemeinde nicht familienfreundlicher werden? Dafür wurde sogar ein Bündnis für Familie gegründet. Haben sich nicht auch alle Parteien in Rosengarten „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ auf die Fahnen geschrieben? Wie geht das zusammen? Wohl zurecht sind Elternvertreter jetzt enttäuscht. Denn außer einer Gebührenerhöhung fällt der Politik dazu offenbar wenig ein.

Mehr Familienfreundlichkeit gefordert

Dabei hatte alles sehr gut angefangen. Anstatt einfach zu entscheiden, wurde auf Initiative von Bürgermeister Dirk Seidler eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen. Im kleinen Kreis - so die Hoffnung der Elternvertreter - wollte man gemeinsam Konzepte erarbeiten und konstruktive Lösungen für die Probleme finden. Wer das Positionspapier der Elternvertreter liest, erkennt: Es geht nicht nur um Gebühren, sondern um eine familienfreundlichere und kindgerechtere Kita-Politik. Kritik gibt es zum Beispiel daran, dass ohne die Buchung von kostenpflichtigen Zusatzzeiten vielfach eine Vereinbarkeit von Kita- und Arbeitszeit nicht gegeben ist. Ähnlich sehe es mit den langen Schließzeiten in den Sommerferien aus. Außerdem regt das Papier eine bewegungsfreundlichere Kita-Gestaltung an und fordert einen besseren Betreuungsschlüssel, um nur einige Punkte zu nennen.

AG aus Sicht der Elternvertreter gescheitert

Nach zwei AG-Sitzungen macht sich jetzt allerdings Ernüchterung breit. Die Gemeinde habe versäumt, die Elternvertreter in konstruktiver Weise einzubinden, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme der Elternvertreter, die dem WOCHENBLATT vorliegt. Es habe kein gemeinsames Erarbeiten von Lösungen gegeben. Weiter vermisse man konkrete Vorschläge aus Politik und Verwaltung.
„Im Prinzip stand die Agenda von vornherein fest. Im Nachhinein wirkt diese AG wie ein Alibitreffen. Man hatte offenbar nie wirklich vor, sich tiefer mit unseren Forderungen auseinanderzusetzen“, erklärt dazu Tino Rath, der für die Elternvertreter an der AG teilnahm. Rath und seine Mitstreiter ärgert besonders, dass sich die Gemeinde programmatisch für Familienfreundlichkeit ausspricht, aber offenbar nur solange das kein Geld koste.
„Wir fragen uns, ob es hinter den Slogans ‚Bildungsgemeinde‘ und ‚Vereinbarkeit von Beruf und Familie‘ eine Strategie oder ein Vision gibt, wo die Gemeinde hin will. Falls nicht, sollte man das zumindest den Eltern und dem Wähler mitteilen“, heißt es dazu in der Stellungnahme.

Bürgermeister spricht von konstruktiven Dialog

Bürgermeister Dirk Seidler sieht das anders: „Wir haben konstruktiv zusammengearbeitet. Die Politik konnte viele hilfreiche Informationen mitnehmen“, so Seidler. Um mehr könne es allerdings auch nicht gehen. Entscheidungen müssten jetzt durch die Politik getroffen werden. Eine Diskrepanz zwischen den Zielen „Familienfreundlichkeit“ und der derzeitigen Kindergartenpolitik sieht der Bürgermeister nicht. „Das Bündnis für Familie ist mehr als Kita-Politik“, so Seidler. Er stellte außerdem infrage, ob die Forderungen des Positionspapiers bei Kita-Eltern über Klecken hinaus wirklich mehrheitsfähig seien.

Aufruf der Elternvertreter

Für die Elternvertreter steht das außer Frage. Sie rufen alle Eltern dazu auf, am kommenden Montag zur Ausschusssitzung ins Rathaus zu kommen. Tino Rath: „Es geht um nicht weniger als die Frage, wie familienfreundlich unsere Gemeinde sein soll.“

Kommentar:

Nur die Gebühren zu erhöhen, ist keine Lösung
Auf den ersten Blick liest sich das Postionspapier wie eine riesiger Wunschzettel, bezahlen soll es der Steuerzahler. Doch wäre das wirklich so falsch? Wer sich für Kinder entscheidet, leistet schließlich auch einen großen gesellschaftlichen Beitrag. Müssen wir in einer Gesellschaft, die zumindest bei normalem Einkommen voraussetzt, dass beide Eltern arbeiten, nicht umdenken? Natürlich muss nicht jede Forderung erfüllt werden, aber eine Politik, die außer an der Gebührenhöhe kaum etwas ändert, ist einfach nicht mehr zeitgemäß. Zurecht fordern Eltern hier auch auf Gemeindeebene mehr „Kreativität“.

Mitja Schrader