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Gefahr durch alte Müllkippe in Rahmstorf (Hollenstedt) ? Landkreis sperrt Spielplatz

Der Eingang zum Spielplatz ist seit Montag gesperrt
 
Unter diesem Bolzplatz könnte sich die Altlast befinden. Das sich der Boden zur Mitte hin absenkt, ist sogar auf dem Foto eindeutig zu erkennen
mi. Regesbostel. Was liegt hier unter der Erde? Eine Fläche in Rahmstorf, einem Ortsteil der Gemeinde Regesbostel (Samtgemeinde Hollenstedt), sorgt derzeit für Aufregung. Im Untergrund des Areals, das heute als Bolz- und Spielplatz genutzt wird, lagert offenbar diverser Müll. Im Dorf ist die „Altlast“ ein offenes Geheimnis. Jetzt wirft die ehemalige Deponie allerdings beim Landkreis Harburg Fragen auf: Offenbar wurde dem Kreis, der für die Überwachung von Altlasten zuständig ist, die Müllkippe in Rahmstorf bisher verschwiegen. Erst eine Nachfrage des WOCHENBLATT brachte den Landkreis auf die Spur der mutmaßlichen Altlast.
„Achtung! Spielende Kinder!“, steht auf dem Schild in der Straße „Zum Sand“ in Rahmstorf, dahinter befindet sich eine schöne Grünfläche mit zwei Fußballtoren. Kurzentschlossen hat die Samtgemeinde vergangenen Montag das Areal mit Flatterband abgesperrt, auch die Rutsche und die Fußballtore sind mit dem rot-weißen Absperrband umwickelt. Der Grund: Vieles deutet darauf hin, dass unter dem Platz eine sogenannte „Altlast“ schlummert. Bis in die 1960er Jahre soll hier die örtliche Müllkippe gewesen sein. In der Vergangenheit ist es auf dem Areal immer wieder zu Senkungen des Bodens gekommen.
Gemeindebürgermeister Kay Wichmann sagt auf WOCHENBLATT-Nachfrage: Es sei richtig, dass unter dem Spielplatz eine ehemalige Ortsmüllkippe liege, allerdings sehe die Gemeinde keine Anhaltspunkte für irgendeine Gefahr. Die Setzungen des Bodens seien normal. Einziges Problem sei, dass durch das Absacken des Bodens der Bolzplatz zum Kicken unattraktiv werde. Mehrmals schon habe die Gemeinde deswegen Ausbesserungsarbeiten durchgeführt und Erde aufgebracht. Kay Wichmann: „Es handelt sich hier um nichts Besonderes. Einen solchen Ort zur Müllablagerung gab es früher in jedem Dorf.“
Eine Anwohnerin, die sich nach eigenen Angaben noch gut an die Dorf-Deponie erinnert, ist jedoch beunruhigt über das, was in ihrer Nachbarschaft im Boden schlummern könnte. Sie erzählt: „Bis in die 1960er Jahre war hier ein großes Loch, darin ist alles mögliche verschwunden: Autobatterien, Wracks, kaputte Elektrogeräte wie Kühlschränke, aber auch Gewerbeabfall, Hausmüll, Essensreste und Grünabfall.“ Später, als das angrenzende Wohngebiet entstand, sei die Kippe dann zugeschoben worden.
Beim Landkreis Harburg, dem die Erfassung und gegebenenfalls Überwachung und Sanierung so- genannter Altlasten obliegt, hat man deswegen jetzt Ermittlungen aufgenommen.
Dazu sagte Kreissprecher Johannes Freudewald: „Um die ehemaligen Kleindeponien im Kreisgebiet aufzuspüren und zu erfassen, hat der Kreis seinerzeit in allen Kommunen Befragungen durchgeführt.“ Warum die Müllkippe in Rahmstorf nicht gemeldet wurde, dem werde jetzt nachgegangen. Der Kreis stehe derzeit mit der Gemeinde Regesbostel im Gespräch. Gegebenenfalls werde die zuständige Abteilung Boden, Wasser, Luft Proben vor Ort entnehmen, um zu klären, ob von der ehemaligen Müllkippe eine Gefahr ausgehe. Es bestehe aber kein Grund, jetzt in Panik zu verfallen. Die Sperrung des Spielplatzes sei eine reine Vorsichtsmaßnahme.

Rund 250 Altlasten im Kreisgebiet


Im Landkreis Harburg schlummern rund 250 sogenannte Altlasten im Boden. Dazu kommen die großen Deponien in Dibbersen, Drage, Ohlendorf und Tostedt. Eine der gefährlichsten Altlasten des Kreises liegt in der Gemeinde Rosengarten (Tötensen). Vor über 40 Jahren wurden hier Gewerbemüll und teilweise Chemieabfälle, u.a. aus Hamburg, entsorgt und das Gebiet später verfüllt. Auf der ehemaligen Müllkippe entstanden Häuser und ein Sportplatz.
Aus der Deponie traten jedoch bald Methangase und Giftstoffe aus. Die Folge: Die Häuser mussten aufgegeben werden. Ihre Besitzer sind aus der Staatskasse entschädigt worden. Der Sportplatz wurde durch Bodensenkungen stark in Mitleidenschaft gezogen. Bis 2013 wurde der Untergrund aufwendig saniert.