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Wetterkapriolen mit Folgen

Viele Felder in der Region stehen schon seit Wochen unter Wasser. Schlechte Bedingungen für Wintergetreide, dessen Wurzeln ohne Sauerstoffzufuhr absterben (Foto: as)
Zu viel Regen macht Landwirten das Leben nachhaltig schwer / Klimaforscher prophezeien regenreiche Winter

(kb).
Nicht wenige Äcker in der Region gleichen schon seit Wochen Seenlandschaften: Der nasse Herbst, gefolgt von einem regenreichen Winteranfang samt Sturmtief „Burglind“, haben dafür gesorgt, dass die Böden viel zu nass sind. Nachdem den Landwirten schon die Herbstaussaat erschwert wurde, steht nun das Wintergetreide unter Wasser. „Man kann hier in der Region nicht von einem Totalverlust sprechen, aber viele Pflanzen sterben, weil den Wurzeln der Sauerstoff fehlt“, sagt der Harburger Kreislandwirt Willy Isermann. Die Zahlen sprechen eine deutliche Spache: „Wir hatten im vergangenen Jahr 50 Prozent mehr Niederschläge“, so Isermann.

Derzeit von zu viel Nässe betroffen seien Winterweizen, -roggen und -gerste, aber auch Raps. Laut Statistischem Bundesamt hat sich die Anbaufläche für Winterweizen in Niedersachsen witterungsbedingt um zwölf Prozent verringert. Hinzu kommt: Die aufgeweichten Äcker haben bei der Herbsternte erhebliche Schäden erlitten - tiefe Fahrspuren und verdichteter Boden vergrößern das aktuelle Nässe-Problem. Tun können die Landwirte wenig. „Es ist wichtig, dass die Drainagen funktionieren, aber ansonsten können wir nur auf trockeneres Wetter hoffen“, sagt Willy Isermann. Das wäre auch wichtig, damit in Kürze Gülle auf die Äcker gebracht werden kann. „Das hat schon im Herbst wegen der Nässe nicht funktioniert“, so Isermann. Viele Güllelager seien schon lange voll - ein weiteres Problem für die Landwirte.

Ulrich Peper, von der Niedersächsischen Landwirtschaftskammer in Buchholz, macht vor allem die Bestellung der Felder im Frühjahr Sorgen. „Viele Wintersaaten sind nicht unter die Erde gekommen, die Fruchtfolge ist völlig durcheinander geraten“, so Peper. Für viele Landwirte sei es schwierig, jetzt die richtige Sommerfrucht zu finden. „Der Umstieg von Winter- auf Sommergetreide birgt zudem das Risiko unsichererer Erträge“, sagt Peper.

Auch den Obstbauern im Alten Land trieb das Wetter zuletzt Sorgenfalten auf die Stirn, einige mussten bereits das Wasser von den Plantagen abpumpen. Vor allem um die frisch gepflanzten Bäume macht sich Joerg Hilbers vom Obstbauzentrum Esteburg Sorgen. Das Wasser stehe in den Pflanzlöchern, es drohe eine Schädigung der Feinwurzeln, was letztlich dazu führe, dass die Bäume im Frühjahr weniger Wasser und Nährstoffe aufnehmen können. „Die Folgen sind derzeit noch schwer einzuschätzen, weil wir eine derart feuchte Witterung bislang nicht hatten“, so Hilbers. Jede Saison werden ca. 1,5 Mio. Bäume im Alten Land gepflanzt, vor Weihnachten waren es diesmal schon ungefähr 150.000.

Für die Elbdeiche ist das Wasser von oben glücklicherweise ein geringeres Problem, „aber eine Rolle spielt es schon“, sagt Wilhelm Ulferts, Oberdeichrichter der II. Meile Alten Landes. „Wir müssen natürlich die Drainagen im Auge behalten, aber wenn die einwandfrei funktionieren, ist der Regen technisch kein Problem.“ Mehr Sorgen bereiten ihm und seinen Kollegen von den Deichverbänden uneinsichtige Spaziergänger. „Wir können immer wieder nur appellieren, dass Spaziergänger auf den befestigten Wegen bleiben“, so Ulferts. Das schützt nicht nur vor Stürzen auf den rutschigen Deichen. „Wenn ständig Fußgänger querfeldein über die Deiche klettern, beschädigen sie auch die Grasnarbe“, so Ulferts. Auch Ansgar Dettmer, Geschäftsführer des u.a. für die Elbmarsch und den Bereich Hoopte zuständigen Artlenburger Deichverbandes, sieht hier ein Problem: „Die Grasnarbe und der oberflächennahe Unterbau auf unseren Deichen und den Seitenräumen sind stark durchgeweicht, und bei der Unterhaltung besteht die Gefahr, mit den Maschinen ins Rutschen zu kommen.“ Dettmer betont aber: „Wehrhaft sind unsere Deiche dennoch.“

Folgt man Klimaexperten, dann werden sich regenreiche Winter künftig häufen. Schuld daran ist der Klimawandel. Simulationen des Max-Planck-Instituts für Meteorologie in Hamburg zeigen, dass große Teile Europas in der Zukunft im Herbst und Winter mit erhöhten Niederschlägen rechnen müssen, auch die Starkregenereignisse werden zunehmen. Das bestätigt auch Dr. Insa Meinke, Leiterin des Norddeutschen Küsten- und Klimabüros. „Die winterliche Niederschlagsentwicklung schwankt zwar stark, trotzdem können wir langfristig eine Zunahme des Winterniederschlags erkennen“, so Meinke. In einem klimatologisch typischen Winter im Hamburger Raum würden heute knapp zehn Prozent mehr Niederschlag fallen, als noch vor einigen Jahrzehnten. Meinke: „Dieser Trend setzt sich in den regionalen Klimaszenarien künftig weiter fort. Je nachdem wie viel Treibhausgas künftig ausgestoßen wird, kann der Winterniederschlag in der Metropolregion Hamburg bis Mitte dieses Jahrhunderts um bis zu 25 Prozent zunehmen, bis Ende des Jahrhunderts um bis zu 40 Prozent.“ Aussichten, die den Landwirten in der Region nicht gefallen dürften.


Mehr Regen durch den Klimawandel

Mehr Niederschläge durch den Klimawandel? Dieser Rückschluss leuchtet nicht unbedingt auf den ersten Blick ein, ist aber ganz logisch: Die globale Erwärmung hat sowohl eine Zunahme des atmosphärischen Wasserdampfs wie auch einen verstärkten Wasserdampftransport von den Ozeanen zu den Kontinenten zur Folge. Daraus resultiert eine Zunahme des Niederschlags über den Landgebieten. Regional sind die Niederschlagsmengen aber verschieden, die Unterschiede zwischen feuchten und trockenen Klimaten werden sich laut Experten künftig noch weiter vergrößern.


Das kann jeder für das Klima tun

Um die globale Erwärmung so gering wie möglich zu halten und die Folgen des Klimawandels zu verringern, ist der Mensch gefragt. Wesentlich dabei ist eine Reduzierung des CO₂-Ausstoßes und anderer Emissionen aus Industrie, Verkehr und Haushalt. Einen Beitrag dazu kann jeder einzelne leisten, in dem er ein paar Dinge beachtet:
• Ein Wechsel auf Öko-Strom kann laut Greenpeace bei einem Drei- bis Vier-Personen-Haushalt pro Jahr bis zu 1,9 Tonnen CO₂ einsparen.
• Lassen Sie das Auto stehen: Wer auf das Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel umsteigt, schont die Umwelt.
• Statt Kurzstreckenflüge zu buchen, sollte man besser Bahnfahren - das dauert zwar länger, verbessert aber die CO₂-Bilanz.
• Setzen Sie beim Einkauf auf regionale Produkte. Lange Transportwege sorgen für überflüssige Emissionen. Wer noch mehr tun will, kauft Bio-Produkte aus der Region und verzichtet des Öfteren mal auf ein Stück Fleisch.
• Rund 350 Kilogramm CO₂ pro Jahr lassen sich in einem Vier-Personen-Haushalt sparen, wenn man die Heizung etwas runter dreht und die Raumtemperatur um ein Grad senkt.
• Bei Neuanschaffungen sollte man auf die Energieeffizienz der Geräte achten.
• Fernseher und andere Geräte nicht auf Standby schalten, sondern (z.B. über eine schaltbare Steckerleiste) komplett ausschalten. So spart man unnötigen Stromverbrauch.
• LED-Leuchtmittel verbrauchen bis zu 90 Prozent weniger Energie als herkömmliche Glühbirnen.

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