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DB und Gemeinde weiterhin uneins über Nutzbarkeit und Zustand der Decatur-Brücke

Streitpunkt zwischen Gemeinde und DB: die für den öffentlichen Verkehr gesperrte Decatur-Brücke über dem Rangierbahnhof Maschen
kb. Seevetal. Abbruchreif und ein echtes Risiko oder eigentlich noch befahrbar? Die Ansichten von Gemeinde und Deutscher Bahn AG im Hinblick auf den Zustand und die Nutzungsmöglichkeit der Decatur-Brücke über dem Rangierbahnhof Maschen gehen deutlich auseinander. In den Gesprächen und Vergleichsverhandlungen mit der DB gebe es Höhen und Tiefen, sagte Bürgermeisterin Martina Oertzen auf der Sitzung des Wege- und Verkehrsausschusses zur derzeitigen Situation. Laut Oertzen bestünde aber Einigkeit darüber, dass die Brücke abgerissen werden muss.
Fragt man bei der Deutschen Bahn nach, stellt sich die Situation anders dar. „Nach Auffassung der DB AG ist derzeit offen, ob nicht auch eine Sanierung des Brückenbauwerks möglich ist“, so DB-Pressesprecher Egbert Meyer-Lovis auf WOCHENBLATT-Nachfrage. Zutreffend sei, dass der Prüfstatiker festgestellt habe, dass die Nutzung der Brücke ohne weitere Stabilisierungsmaßnahmen auf fünf Jahre beschränkt ist. „Sollten im Rahmen des Rissmonitorings jedoch bis dahin keine Auffälligkeiten festgestellt werden, erscheint auch eine längere Nutzung möglich“, sagt Meyer-Lovis. Es sei unzutreffend, dass die Brücke auch bei der durch die DB beauftragte Nachrechnung durchgefallen ist, wie verwaltungsseitig im Ausschuss behauptet. Unter Beachtung bestimmter Nutzungsparameter sei die Brücke nicht nur für den Anliegerverkehr zum Rangierbahnhof, sondern auch für Fußgänger und Radfahrer tragfähig.
Für die Gemeinde Seevetal steht der Abriss der Brücke fest, eine Sanierung hingegen nicht zur Debatte. Geprüft und gerichtlich geklärt werden muss aber, inwieweit die Gemeinde als Baulastträger der DB auch künftig den Zugang zum Werksgelände ermöglichen muss. Die Bahn hat dazu eine klare Position: „Die Gemeinde ist im Falle eines Abrisses verpflichtet, die Zufahrt zum Rangierbahnhof Maschen sicherzustellen oder den Schaden, der durch den Wegfall der Zufahrt entsteht, zu ersetzen“, so Bahnsprecher Meyer-Lovis, der auf das Niedersächsische Straßengesetz verweist.
Das Planungsbüro Sweco arbeitet derzeit daran, Details zu den drei grundsätzlichen Handlungsoptionen - Brückenneubau, Alternativ-Verbindung, Verzicht auf direkte Verbindung zwischen Maschen und Hörsten - zu sammeln, zu gewichten und für das nächste Dialogforum aufzubereiten.
Wie geht es jetzt weiter? In dieser Woche tagt der Beirat, außerdem findet eine Telefonkonferenz der Gemeindeverwaltung mit dem Wirtschaftsministerium in Hannover statt. Das nächste Dialogforum soll entweder im Juni vor der politischen Sommerpause oder direkt im Anschluss stattfinden. Der Ausschuss berät das Thema Decatur-Brücke erneut auf seiner Sitzung im August. Bis zum Jahresende soll ein politischer Beschluss zur Sache fallen.

Moment mal

Eine Brücke - zwei Meinungen
Auf jeden Fall abreißen! Oder doch sanieren? Gemeinde und DB haben nicht nur völlig unterschiedliche Ansichten über die Zukunft der Decatur-Brücke - sie haben auch gänzlich verschiedene Ausgangssituationen. Während es der DB einzig um einen reibungslosen Ablauf ihres Betriebs und damit wirtschaftliche Interessen geht, stehen für die Gemeinde und damit den Steuerzahler nicht nur Unsummen von Geld auf dem Spiel. Seevetal haftet als Baulastträger auch für Schäden, die durch die Nutzung der Decatur-Brücke entstehen, zudem muss die Gemeinde im Sinne der Bürger handeln und versuchen, unterschiedlichste Interessen unter einen Hut zu bringen. Erschwerend kommt hinzu, dass Bund und Land sich nicht als Helfer in der Not erweisen. Diese Situation sollte man immer im Hinterkopf haben, wenn man die Argumente beider Parteien betrachtet. Unlängst wurde auf einer Sitzung gefragt, ob man der Bahn die Brücke nicht einfach „zurückschenken“ könne, wenn die DB sie für so stabil hält. Die Antwort aus der Verwaltung kam prompt: „Klar haben wir das gefragt, aber die wollten das Ding nicht haben.“
Katja Bendig