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Verkehrsplaner aus Hörsten: "Ich würde die Decatur-Brücke sofort für Fußgänger öffnen"

Helmut Schmidt aus Hörsten steht vor der Auffahrt zur gesperrten Decatur-Brücke. Dienstfahrzeuge der Deutschen Bahn dürfen die Brücke mit einer Ausnahmegenehmigung befahren.

Helmut Schmidt kritisiert Seevetals Bürgermeisterin. Er wirf Martina Oertzen zwei Jahre Planungsverzögerung vor.


ts. Maschen
. Der Beschluss der Gemeinde Seevetal, die Standfestigkeit der gesperrten Decatur-Brücke über dem Rangierbahnhof Maschen neu berechnen zu lassen und nun doch das Ziel einer Sanierung in Erwägung zu ziehen, hat die Hoffnung auf eine Öffnung der Wegeverbindung geweckt. Jetzt hat er auch die Frage nach der politischen Verantwortlichkeit aufgeworfen. Warum die Gemeinde erst jetzt prüfe, wollen betroffene Bürger wissen, die seit eineinhalb Jahren lange Umwege in Kauf nehmen müssen.
Als der schärfste Kritiker von Seevetals Bürgermeisterin Martina Oertzen (CDU) in Sachen Decatur-Brücke gilt Helmut Schmidt aus Hörsten. Der Verkehrsplaner wirft der Verwaltungschefin vor, die Planung zwei Jahre lang verzögert zu haben.
Seiner Meinung nach habe sich die Bürgermeisterin von Anfang auf den Abriss festgelegt und damit einer Sanierungslösung keine Chance gegeben. "Seit zwei Jahren wurde stets und energisch behauptet, dass die Brücke nicht zu sanieren wäre. Nun scheinen diese Worte nicht mehr wahr zu sein", sagt Helmut Schmidt.
Mindestens 4.500 betroffene Nutzer hätten darunter zu leiden, sagt er: mehr als 500 Einwohner aus Hörsten, mindestens 3.000 Wegenutzer aus Maschen und Umgebung und etwa 1.000 Fahrgäste der Deutschen Bahn.
Helmut Schmidt ist davon überzeugt, dass eine Sperrung der Brücke für Fußgänger und Radfahrer nicht nötig sei. Er beruft sich dabei auf ein Gutachten von Dr. Jörg Kobarg, von dem die Gemeinde seit dem 9. März 2017 Kenntnis habe. Darin habe der Gutachter die ausreichende Tragfähigkeit der Decatur-Brücke bei Ansatz alternativer Lastmodelle und besonderer Bemessungsansätze nachgewiesen.
Seevetals Bürgermeisterin Martina Oertzen sagte dazu auf WOCHENBLATT-Nachfrage, dass die Deutsche Bahn die Gemeindeverwaltung zum ersten Mal am 31. Januar 2018 in schriftlicher Form darüber informiert habe, das die Decatur-Brücke saniert werden könne. Vorher habe das Unternehmen in den Verhandlungen mit der Gemeinde nicht von Sanierung gesprochen.
Über die Brücke erreichen die Einwohner von Hörsten die Schule, die Arztpraxen und Läden in Maschen zu Fuß in 18 Minuten. Seit dem 1. Oktober 2016 müssten Fußgänger einen zwei Stunden langen Umweg über zehn Kilometer in Kauf nehmen. Eltern bringen deshalb ihre Kinder mit dem Auto zur Schule in Maschen.
"Ich habe Verständnis für die Bürger aus Hörsten und Maschen, aber die Gemeinde ist Straßenbaulastträger und haftet", sagt Seevetals Bürgermeisterin. Deshalb habe die Brücke gesperrt werden müssen.
Die betroffenen Bürger hätten ein Recht auf den Erhalt der Wegeverbindung, sagt Helmut Schmidt. Mit dem Planfeststellungsbeschluss zur Aufhebung der Bahnübergänge aus den 1970er-Jahren sei die Gemeinde verpflichtet, die Wegeverbindung aufrecht zu erhalten.
Was würde er tun, wäre er Bürgermeister in Seevetal? "Ich würde die Brücke für Fußgänger und Radfahrer sofort öffnen", sagt Helmut Schmidt.
Die Decatur-Brücke wird am Mittwoch, 30. Mai, in der nächsten Sitzung des Ortsrates Maschen/Horst/Hörsten ein Thema sein (19.15 Uhr, Dörphus Hörsten). Die Grünen wollen über die Verkehrsentwicklung in Maschen diskutieren. Auch sie fragen nach der politischen Verantwortlichkeit. Die Ortsratsfraktion erinnert daran, dass sie bereits am 31. August 2016 gefordert habe, die Standfestigkeit der Brücke neu zu berechnen - damals vergeblich. Erst in diesem Jahr hat sich die Gemeinde Seevetal dazu entschlossen.