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„Wir lassen uns nicht weiter vorführen“

Der Rangierbahnhof Maschen ist der größte Rangierbahnhof Europas und extrem wichtig für den Hafen Hamburg. Die Verantwortung für die Decatur-Brücke wälzen Bahn, Land und Bund trotzdem auf die Gemeinde Seevetal ab (Foto: archiv)
Decatur-Brücke: Seevetaler Gemeinderat gibt ein deutliches Signal Richtung Bahn, Bund und Land

kb. Seevetal.
„Wo sind die Vertreter von Bahn, Land und Bund heute? Ich verstehe nicht, dass wir mit diesem Problem derart allein gelassen werden.“ Seevetals Bürgermeisterin Martina Oertzen war ihr Unmut am Donnerstag in der Gemeinderatssitzung deutlich anzumerken. Ebenso deutlich fiel das einstimmige Votum des Rates über eine mögliche Alternative zur Decatur-Brücke über dem Rangierbahnhof Maschen aus: Die Gemeinde will nach dem Abriss der Decatur-Brücke weder eine neue Brücke noch eine alternative Wegverbindung bauen und verweigert sich auch, der DB eine Binnenerschließung zu ihrem Betriebsgelände zu schaffen.

„Seit Jahren wird uns vorgehalten, dass wir es hier mit einem überregionalen Thema zu tun haben. Und gleichzeitig sollen nur 40.000 Seevetaler Bürger für den Erhalt einer Wegeverbindung zum Rangierbahnhof Maschen verantwortlich sein? Das ist eine erhebliche Schieflage.“ Das Statement von Dr. Kurt von Pannwitz, Vorsitzender der Gruppe CDU/FDP im Gemeinderat, ging in dieselbe Richtung wie die Worte aller übrigen Parteivertreter. Selten gab es zwischen den Parteien in Seevetal eine derartige Einigkeit. Knut-Michael Wichalski, AfD-Fraktionsvorsitzender, sprach in Bezug auf die dem Gemeinderat vorausgegangene Sitzung des Verwaltungsausschusses gar von seiner „grandiosen kommunalpolitischen Schlussrunde“, die er so noch nicht erlebt habe. Auch er fand deutliche Worte in Richtung DB. „Wir lassen uns von der Bahn nicht weiter vorführen, so wie das bisher passiert ist“, so Wichalski.

Wie bereits mehrfach berichtet, war die Decatur-Brücke über dem Rangierbahnhof Maschen, die nicht nur eine Verbindung für Maschen zum Personenbahnhof, sondern auch für die Deutsche Bahn zu ihrem Betriebsgelände darstellt, durch die Brückennachrechnung gefallen. Weil das Brückenbauwerk der Gemeinde gehört, die damit auch für die Verkehrssicherung zuständig ist, musste Seevetal die Brücke zum 1. Oktober vergangenen Jahres voll sperren. Gegen die Vollsperrung hatte die DB geklagt und zuletzt die Erlaubnis erhalten, das erste Stück der Brücke bis zu den Rampen, die zum Betriebsgelände der DB führen, zu nutzen.
Allerdings nur unter hohen Sicherheitsauflagen. So muss der Zustand der Brücke permanent überwacht werden. Sollten sich Veränderungen am Bauwerk zeigen, müsste die Brücke sofort geräumt und dürfte nicht weiter von der DB genutzt werden.
Es war den Mitgliedern des Gemeinderates am Donnerstag anzumerken, dass sie die Nase voll hatten vom Verhalten der Bahn und der Vertreter von Land, Bund und der Hansestadt Hamburg. „Es ist nach wie vor nicht nachzuvollziehen, dass die Brücke überhaupt in unserem Eigentum ist. Wir haben viel zu wenig Unterstützung bekommen“, sagte Bürgermeisterin Martina Oertzen, die dem Gemeinderat für die intensive Zusammenarbeit in den vergangenen Monaten dankte.
Oertzen bedauerte, dass die Gemeinde vor einer Situation stehe, die viele Bürger nicht zufrieden stellt. „Aber wir haben auch Verantwortung für den Haushalt“, so Oertzen. 75 Millionen Euro für einen Brückenneubau - selbst mit finanzieller Förderung durch das Land wäre dieser Brocken für die Gemeinde nicht zu stemmen. darin waren sich alle Parteivertreter einig. „Wir waren erschrocken über die Höhe der Kosten“, so Klaus-Dieter Kirchhoff (SPD).
Willy Klingenberg (Freie Wähler) machte im Hinblick auf die Forderung der Bahn, Seevetal möge eine Binnenerschließung zum DB-Gelände schaffen, klar: „Die Steuereinnahmen der Gemeinde sind nicht dazu gedacht, das Bauprojekt eines Staatsunternehmens zu finanzieren.“
Wie geht es weiter? Laut Ratsbeschluss soll die Verwaltung konkrete Maßnahmen zur infrastrukturellen Entwicklung der Orte Maschen und Hörsten aber auch des Personenbahnhofs Maschen erarbeiten. Die jetzige Brücke wird abgerissen. Außerdem soll die Gemeinde weiter mit der Bahn im Gespräch bleiben. Das Ziel: eine einvernehmliche Lösung.
Es bleibt abzuwarten, ob die Bahn sich jetzt ein Stück auf die Gemeinde zubewegt.

Wir wollen Ihre Meinung wissen:

Liebe Seevetaler, was denken Sie? Hat der Gemeinderat die richtige Entscheidung getroffen oder hätten Sie sich eine andere Lösung gewünscht? Wie hat sich Ihr Alltag nach dem Wegfall der Wegeverbindung zwischen Maschen und Hörsten verändert? Wie beurteilen Sie das Verhalten von Bahn, Land und Bund? Schreiben Sie uns Ihre Meinung unter dem Stichwort „Decatur“ an kb@kreiszeitung.net.