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Landgericht Stade: Angeklagter streitet Vergewaltigung ab

Der 39-jährige Angeklagte kommt aus Drochtersen
bc. Stade/Drochtersen. Der Vorwurf wiegt schwer. Seit Montag muss sich ein 39-jähriger Mann aus Drochtersen vor dem Landgericht Stade wegen des schweren sexuellen Missbrauchs eines fünfjährigen Mädchens verantworten. Darüber hinaus stellte die Polizei Kinderpornobilder aus dem Internet auf seinem Handy sicher.

Beide Anklagepunkte leugnete der mutmaßliche Täter vor Gericht. Gleichzeitig sagte er aber auch, er könne sich nicht an die ihm vorgeworfene Tat erinnern, da er betrunken gewesen sei. „Ich kann das nicht gewesen sein. Das ist unmöglich“, stammelte der verheiratete Familienvater von drei Kindern im Schwurgerichtssaal. Kinder seien doch heilig.

Gleichwohl bestätigte er bei der polizeilichen Vernehmung im Sommer den Tatverdacht. Seine Begründung: „Mir wurde damals bei der Polizei zu verstehen gegeben, dass ich dann nicht in Untersuchungshaft muss.“ Ein Widerspruch, den das Gericht nun zu klären hat.

Mit aschfahlem Gesicht nahm der Mann auf der Anklagebank Platz. Grauer Pulli, Jeanshose, Sneaker: Die Hände legte er ineinander, mit überkreuzten Beinen folgte er den Fragen des Vorsitzenden Richters. Ein Fuß zitterte ununterbrochen. Ab und zu warf er einen Blick zu den Eltern des Mädchens, die als Nebenkläger im Saal saßen. Der Mutter rollten bei der Verlesung der Anklage Tränen über die Wangen.

Laut Anklage der Staatsanwaltschaft soll er am Abend des 7. August das fünfjährige Mädchen in Drochtersen in der Nähe eines Spielplatzes sexuell missbraucht haben. Der Vorsitzende Richter am Landgericht Stade versuchte die Geschehnisse am Tattag zu rekonstruieren. Was nur schwerlich gelang.

So soll der 39-Jährige an dem Freitag wie üblich um 6 Uhr zu seiner Arbeit in einer Zimmerei gegangen sein. Nachmittags war er dann mit Kollegen bei einem Richtfest: „Ich wollte da eigentlich nicht hin, da ich weiß, wie das endet, wenn ich Alkohol trinke. Ich fange dann an zu provozieren.“ Zumal er wegen eines Arbeitsunfalls Medikamente einnehme.

Nach seinen Angaben trank er Bier und Schnaps: „An vier Kurze kann ich mich erinnern.“ Seine Frau habe ihn schließlich gegen 16 Uhr von der Baustelle abgeholt. Laut Polizeiprotokoll soll er sich dann vor seiner Wohnung mit einem Bauarbeiter geprügelt haben. Danach habe er eine Bekannte angerufen, die ihn von zuhause abholen sollte. Wohin er fahren wollte?, fragte der Richter. „Keine Ahnung“, entgegnete der Angeklagte.

Irgendwann sei er kurz in seiner Stammkneipe in Drochtersen gewesen, habe dann zwei Straßen weiter einen Bekannten getroffen, der mit seinem Hund spazieren ging. Hier soll es zum ersten Kontakt mit seinem späteren Opfer gekommen sein.

Das Mädchen und ein gleichaltriger Junge sollen gefragt haben, ob sie den Hund streicheln könnten. Schließlich sei der Bekannte in seine Wohnung gegangen.
Die nächste Szene, die dem Beschuldigten in Erinnerung sei, war an der Hauptstraße in Drochtersen: „Das Mädchen wollte über die Straße laufen. Da habe ich es zurückgehalten und bin mit ihr über die Ampel gegangen.“ Was dann geschah, könne er nicht sagen. „Das nächste, was ich weiß, ist die Verhaftung.“

Laut Staatsanwaltschaft soll er sein Opfer geschlagen und in den Arm gebissen haben. Dabei soll er sich als „Gott“ ausgegeben haben. Zu den Details des Missbrauchs wird das WOCHENBLATT aus Opferschutzgründen keine Angaben machen.

Ein Zeuge, der die Tat gegen 20.30 Uhr von seinem Fenster beobachtet haben soll, habe den Beschuldigten angeschrien. Daraufhin soll er geflüchtet sein. Wenig später wurde der damals 38-Jährige in seiner Wohnung festgenommen. Zu den Kinderpornobildern auf seinem erst vier Wochen alten Handy sagte er vor Gericht: „Das ist absoluter Blödsinn.“ Das seien nicht seine Bilder.

Schlecht für den Angeklagten: Er hat ein langes Vorstrafenregister. U.a. wurde er zu drei Jahren Haft wegen Vergewaltigung verurteilt. Der schwere sexuelle Missbrauch wird mit einer Haftstrafe bis zu 15 Jahren geahndet. Auch eine Sicherheitsverwahrung ist für die Staatsanwaltschaft denkbar.

• Sechs weitere Verhandlungstage sind angesetzt. Weiter geht es am heutigen Mittwoch mit Zeugenvernehmungen.