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Den Grafen ein Gesicht geben

Wollen mithilfe neuer Technik mehr Licht in die Geschichte der „Stader Grafen“ bringen (v. li.): die Historiker Prof. Dr. Dr. Bernd Ulrich Hucker und Dr. Dieter Riemer, Kreisarchäologe Daniel Nösler und Doktorand Jan Alexander Müller

Forscherteam will die Gebeine einer Stader Hochadelsfamilie aus dem Mittelalter neu untersuchen


lt. Stade. Welche Schicksale verbergen sich hinter den Gebeinen der „Stader Grafen“, die vor etwa 20 Jahren in der Familiengruft der bedeutenden Hochadelsfamilie auf dem Gelände des ehemaligen Klosters in Harsefeld ausgegraben wurden? Und lässt sich gar die Blutsverwandschaft der so genannten Udonen zu den römischen Kaisern und dem ersten deutschen Kaiser beweisen? Diesen spannenden Fragen will jetzt ein Forscherteam um den Doktorand Jan Alexander Müller (36) mithilfe moderner DNA-Technik auf den Grund gehen.
Bereits vor drei Jahren nahm Müller Kontakt zur Stader Kreisarchäologie auf, die die 28 Skelette luft- und lichtgeschützt im Schloss Agathenburg verwahrt. „Die Knochen sind ein echter Glücksfall für die Forschung“, sagt Müller, der an der Uni Münster studiert und während einer Exkursion nach Harsefeld erstmals mit der Geschichte der „Stader Grafen“ in Berührung kam.
Obwohl die Gebeine, die bislang nur grob untersucht wurden, mehr als 1.000 Jahre alt sind, seien sie erstaunlich gut erhalten, sagt der Doktorand. Er hofft, dass bei einer umfangreichen Untersuchung herauskommt, wie alt die Männer und Frauen waren, wie sie sich ernährten, welche Krankheiten sie hatten und woran sie gestorben sind.
„Es zeichnen sich aufregende Befunde ab“, sagt Müller. So lassen Knochenverletzungen und zertrümmerte Schädel auf gewaltsame Tode und Schwertkämpfe schließen. Auch die Untersuchung eines geborgenen Kinderskeletts - in der Archäologie eher selten zu finden - könne spannendes zu Tage fördern, ist sich Müller sicher. „Wir wollen den Stader Grafen endlich ein Gesicht geben und neue Erkenntnisse über die Landes- und Reichsgeschichte des frühen Mittelalters gewinnen“, so der Forscher.
Er und seine Mitstreiter hoffen, dass die Uni Münster das Forschungsprojekt unterstützen wird oder dass sich andere Sponsoren finden. Noch sind die Kosten für die Untersuchungen, die im fünfstelligen Bereich liegen, nämlich nicht gedeckt.