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Hundesperre für Viehhändlerin aus Himmelpforten

Für Melanie Schlichtung, deren Familie einen Viehhandel und Landwirtschaft betreibt, gehört ein Hofhund zum Landleben

Diskriminierung? Tierschützerin verweigert aus ethischen Gründen Abgabe eines Vierbeiners

tp. Himmelpforten/Balje. Tierfreundin Melanie Schlichting (36) ist enttäuscht: Sie wollte einen vom Tierschutzverein "Tierhilfe Stade" angebotenen Vermittlungshund "Piedro" (2) zu sich auf ihr Anwesen nach Himmelpforten-Breitenwisch holen. Doch dann erhielt sie überraschend eine Absage: Caroline Ackermann (48), die der "Tierhilfe Stade" nahe steht und den Rüden auf ihrem Gnadenhof in Balje in Nordkehdingen hält, verweigerte die Abgabe des Hundes. Sie nennt ethische Gründe dafür: Die Vermittlung lasse sich nicht mit Melanie Schlichtings Beruf vereinbaren: Sie ist Viehhändlerin.
"Ich fühle mich diskriminiert", sagt Melanie Schlichting. Denn nach eigenen Angaben ist ihr Betrieb noch nie mit dem Veterinäramt in Konflikt geraten. Auf dem Hof der Schlichtings, die neben dem Viehhandel auch Landwirtschaft mit Mutterkuhhaltung mit 70 Tieren betreiben, haben es die Tiere allem Anschein nach gut. Kälber beispielsweise saugen in den ersten sechs Lebensmonaten die Milch der Mutterkühe, was in der konventionellen Haltung selten geworden ist. Es gibt Katzen, Hühner, Tauben, Pferde - und schon immer gehörte ein Hund zur Großfamilie, der auf dem Hof frei herumläuft und nachts im Haus schläft. Als der letzte Familienhund kürzlich mit elf Jahren verstarb, suchte Melanie Schlichting im Internet nach einem neuen Vierbeiner und fand den Labrador-Collie-Mix "Piedro" auf der Homepage der "Tierhilfe Stade".
Um ihren Wunschhund kennenzulernen, besuchte Melanie Schlichting ihn zweimal bei Halterin Caroline Ackermann. "Piedros" Umzug nach Breitenwisch schien in trockenen Tüchern, doch Tierschützerin Ackermann ruderte zurück, als sie erfuhr, dass Schlichting mit dem Handel von Rindern und Schweinen ihr Geld verdient.
"Ich bin seit 25 Jahren im Tierschutz und habe in dieser Zeit viel Tierelend gesehen, verursacht durch gleichgültiges, eiskaltes Handeln von Menschen. Auch sogenannte 'Nutztiere' wie Kühe und Schweine empfinden Schmerz." Die Tierschützerin lehnt es grundsätzlich ab, wenn Menschen auf Kosten von Tieren ihre Existenz aufbauen. Auch eine Kuh ist eine Mutter, die ihr Kälbchen liebt, und leidet, wenn man es ihr wegnimmt", sagt Ackermann. Die Vegetarierin gibt Viehhändlerin und Bäuerin Melanie Schlichting Mitverantwortung an gesetzlich zwar erlaubten, von ihr aber abgelehnten Haltungsbedingungen so wie Transport und Schlachtung.
Würde Caroline Ackermann ihre Ansichten streng in die Tat umsetzen, dürfte sie Hunde nur an Vegetarier vermitteln: "Ich weiß das", sagt sie, "nur dann würde ich kaum einen Hund loswerden."
• Melanie Schlichting hat sich anderweitig einen Hund besorgt: die zutrauliche Berner Sennen-Mischlingshündin "Cleo" (4). Sie stammt von Privathaltern ohne Verbindung zum Tierschutz.
www.tsv-tierhilfestade.de