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Retter der "Ratten der Lüfte" in Stade

"Die Tiere tun mir leid": Hans-Jürgen Berg mit Fotos verendeter und verletzter Tauben

Vogelfreund Hans-Jürgen Berg betreibt Taubenschutz contra Denkmalschutz / Netze gegen ätzenden Kot am Schwedenspeicher


tp. Stade. Die Stadttauben-Plage in Stade hat nun auch das denkmalgeschützte Museum Schwedenspeicher am Fischmarkt errreicht: Am Wasser West wurde ein riesiges Baugerüst aufgestellt, damit Handwerker die mit Taubenkot beschmutzten Fenster des historischen Gebäudes mit Netzen verschließen können. Museumsdirektor Dr. Sebastian Möllers erinnert in diesem Zusammenhang an das Fütterungsverbot von Tauben und verweist kritisch auf das angrenzende Grundstück mit dem kleinen Baumhaus-Museum. Bei dem ehrenamtlichen Museums-Betreiber, dem tierlieben Hans-Jürgen Berg (74), finden die Tauben Schutz und reichlich Futter.

"Die Tauben tun mir leid", sagt der alleinstehende Sammler, der wegen seines Engagements für das mit Stade-Unikaten gefüllte Baumhausmuseum hoch angesehenen ist, sich für seine Tauben-Leidenschaft allerdings häufiger Kritik einhandelte. Berg zeigt auf ein Album voll Fotos, mit denen er seinen langjährigen Einsatz für die von ihm geliebten Vögel dokumentiert, die Gegner allerdings als "Retten der Lüfte bezeichnen".Kürzlich berichtete das WOCHENBLATT über Annemarie Nötzel, die über Taubendreck an ihrem Wohn- und Geschäftshaus in der Altstadt klagte.

Entgegen dem von der Stadt verhängten Fütterungsverbot versorgt Berg die Stadttauben mit Nahrung. In seinem kleinen Garten stehen drei Futterspender für Amseln, Spatzen und andere Singvögel. Die Tauben würden sich lediglich die herunterfallenden Körner aufpicken, sagt Berg - wissend, dass dies offensichtlich zur Tauben-Vermehrung beiträgt.

Berg belässt es nicht beim Vogelfüttern. Er nimmt kranke und verletzte Tauben bei sich auf, hüllt sie in weiche Tücher, päppelt sie auf, bringt sie zum Tierarzt - und beringte Brieftauben zum Züchter zurück. Schon rund 100 Tauben habe er gerettet. Zudem hat er nach eigenen Angaben etwa 25 tote Tauben in seinem Garten beerdigt.
Mit den Jahren sind die Tauben am alten Hafen so zutraulich geworden, dass sie ihm auf Schritt und Tritt folgen, sogar bis in Baumhaus-Museum und in seine Wohnung im Obergeschoss. Angst vor Krankheiten hat Berg nicht.

Dr. Möllers, der für den Schwedenspeicher verantwortlich ist, hatte das Nachsehen. Die Tauben nisteten, trotz zur Vergrämung angebrachter Metallstachel auf den Fensterbänken. Möllers beauftragte teure Fachfirmen mit der Beseitigung der Kothaufen und der Kadaver verendeter Taubenküken. Auch die mit Kot gefüllten Dachrinnen mussten gereinigt werden.

Angesichts der wiederkehrenden Kosten entschloss man sich dazu, die Fenster mit stabilen Nylon-Netzen versperren zu lassen. Die in Mitleidenschaft gezogenen Fensterbänke und -läden bekommen einen neuen Anstrich.

Aus Sicht des Taubenretters Berg sind die Maßnahmen überzogen: Die Warnung vor Gebäudeschädigung durch Taubenkot hält der Ex-Maurer für übertrieben. In allen Städten gebe es Tauben, sagt er gelassen.