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Im Stader Rat wehte "Gegenwind"

Die IG-Mitglieder aus Bützfleth nutzten die Bürgerfragestunde während der Ratssitzung in Stade
 
Der Windpark in Bützfleth soll um drei größere Mühlen erweitert werden

Interessengemeinschaft contra Windpark-Erweiterung in Bützfleth kritisiert Planungsvorgehen der Stadt

tp. Stade. Gegen die Erweiterung des Windparks in Bützfleth regt sich weiter heftiger Widerstand. Auf der Sitzung des Rates der Stadt Stade am Montag stellten die Mitglieder der "Interessengemeinschaft (IG) Flethstraße" mit kritischen Fragen zur Rede.

Wie berichtet, will die Firma "Energiekontor AG" aus Bremen bis Ende 2015 am Landernweg die seit 2003 bestehenden Windkraftanlage mit fünf Rädern und einer Rotorblatthöhe à 100 Meter um drei Windriesen mit jeweils 186 Metern Höhe und einer Leistung von 2,5 Megawatt ergänzen. Die drei Dutzend Mitglieder der IG, von denen die meisten im 1.200-Meter-Radius vom Windpark wohnen, befürchten gesundheitliche Schäden durch Infraschall im nicht-hörbaren Bereich, der nach Ansicht einiger Experten psychosomatische Erkrankungen auslösen kann, sowie Lärm und Straßenschäden durch Schwertransporte zur Baustelle, die Zerstörung der Landschaft und den Wertverlust ihrer Häuser.

"Energiekontor" berücksichtigt zwar die im Regionalen Raumordnungsprogramm (RROP) des Landkreises Stade verankerten Mindestabstände der Mühlen von 600 Metern zu Einzelhöfen und 1.000 Metern zu Siedlungen. Doch die IG hat angebliche Abweichungen von den Vorgaben entdeckt: Im RROP sei eine 16,3 Hektar große Vorrangfläche für Windenergieanlagen ausgewiesen. Das Planungsbüro verhandele jedoch mit der Stadt über ein 19,9 Hektar großes Areal, so IG-Sprecherin Hilke Ehlers (43). "Die Planer brauchen die 3,6 Hektar mehr, um die gesetzlichen Abstände zwischen den riesigen Windkraftanlagen einhalten zu können", vermutet Ehlers. Die Stadt dürfe zwar über die RROP-Vorgaben hinausgehen, müsse es aber nicht, sagt sie.

Zudem unterschreite das Planungsbüro bei den neuen Mühlen den von Experten empfohlenen Mindestabstand von ca. 150 Metern zu der parallel verlaufenden Hochspannungsleitung. Die IG fragt: "Warum verhandelt die Stadt dennoch mit dem Investor?"

Das RROP schreibe in dem Vorranggebiet vier Anlagen à drei Megawatt Leistung aus, so Hilke Ehlers. "Wie ist es zu erklären, dass die Stadt durch die Verhandlung von der Vorgabe abweicht?" Geschieht das Zugunsten der wirtschaften Interessen des Investors?" Nicht zuletzt erkundigte sich die IG nach der Anzahl der nötigen Schwertransporte über die Flethstraße.

Laut Stadtbaurat Kersten Schröder-Doms ist die Darstellung des Windparks im RROP grobmaschig und kann im Flächennutzungsplan konkretisiert werden. Beim vorgesehenen Abstand der Mühlen zur Stromtrasse würden die Stromleitung nicht durch Strömungen der Windrad-Flügel beeinträchtigt. Insgesamt beinhalte das Bützflether Vorranggebiet Platz für acht Windkraftanlagen. Über die zu erwartende Verkehrsbelastung könne die Stadt noch keine Auskunft geben.

Die IG stellt sich auf eine längere Auseinandersetzung mit Rat und Verwaltung ein und hat einen Fachanwalt konsultiert. Zudem haben die Aktivisten mehrere Hundert Unterschriften gegen die Windpark-Expansion gesammelt. Die Liste soll in Kürze an Bürgermeisterin Silvia Nieber übergeben werden.