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Widerstand gegen die Volksbanken-Fusion

Bei einer Fusion besäßen die Zentrale der Volksbank Kehdingen in Drochtersen sowie die sieben Filialen eine fünfjährige Bestandsgarantie
 
Gegner der Fusion: Vertreter Horst Wilkens
bc. Drochtersen/Stade. Die geplante Fusion der in Drochtersen beheimateten Volksbank (VB) Kehdingen mit der Ostfriesischen Volksbank (das WOCHENBLATT berichtete) wirft ihre Schatten voraus. Am Mittwoch, 7. Mai, soll die Vertreterversammlung der VB Kehdingen (Bilanzsumme 2012: 244 Mio. Euro) über die Verschmelzung mit der wesentlich größeren OVB (1,2 Mrd. Euro) abstimmen. Ein Selbstgänger? Wohl kaum. Die Bedenken einiger Vertreter - also derjenigen, die die ca. 3.000 Genossen (Anteilseigner der Bank) repräsentieren, sind groß.

Im WOCHENBLATT melden sich jetzt Gegner der Fusion zu Wort. Einer ist Landwirt und CDU-Kommunalpolitiker Horst Wilkens aus Wischhafen. Ihm geht bei einer Fusion mit der OVB, die ihren Sitz im ca. 200 Kilometer entfernten Leer hat, das ureigene Regionalitätsprinzip einer Genossenschaftsbank verloren. Er stellt sich die Frage: Wie soll eine Bank in Leer die Geschäfte in Kehdingen steuern?

Wilkens ist bewusst, dass die durch die Schifffahrtskrise ins Schlingern geratene VB Kehdingen einen starken Partner braucht. Er plädiert jedoch für einen Zusammenschluss mit der benachbarten Volksbank Stade-Cuxhaven. "Eine Fusion liegt aufgrund der regionalen Kenntnisse auf der Hand", sagt Wilkens.

Bekanntlich stand 2006 schon einmal eine Fusion der beiden Volksbanken im Landkreis Stade an. Diese zerschlug sich jedoch im letzten Moment aufgrund der unterschiedlichen Risikobewertungen bei Schiffsfinanzierungen. Im November 2013 erneuerten die Stader ihr Angebot.

In einem Gespräch im Februar teilte der Stader Volksbank-Vorstand Henning Porth Kommunalpolitiker Wilkens und fünf weiteren Vertretern aus Nordkehdingen mit, dass nach wie vor großes Interesse an einer Übernahme bestehe. Wilkens: "Das Angebot der VB Stade-Cuxhaven ist in puncto Regionalität in Teilen besser als das der OVB."

So fänden Vertreterversammlungen nicht im entfernten Leer, sondern in Stade statt. Zudem werden bei einer Fusion mit der OVB nur drei der derzeit sechs Kehdinger Aufsichtsräte in einem 16-köpfigen Kontrollgremium sitzen. Bei einem Verschmelzen mit der Stader VB sollen alle sechs einen Platz in dem dann 18-köpfigen Aufsichtsrat finden. "In dem Fall kommen Kehdinger Interessen besser zur Geltung", so Wilkens. Zum Beispiel bei Personal-Umbesetzungen oder Entscheidungen über Öffnungszeiten von Filialen.

Womöglich falle es leichter, aus dem fernen Leer über mögliche Zweigstellenschließungen zu entscheiden: "Ziel muss es sein, den Schalterbetrieb in Kehdingen langfristig aufrechtzuerhalten." Wilkens zweifelt die Wirkung der erhofften Synergieeffekte bei einer Fusion mit der OVB an: "Uns nützt die Kompetenz der größeren Bank wenig, wenn sie so weit weg ist."

Auch der Genossenschaftsverband, eine Prüforganisation, trägt Einwände gegen die Verschmelzung mit der OVB vor. Zwar kommt der Verband unterm Strich zum Urteil, dass einer Fusion nichts entgegensteht. In einem Verschmelzungsgutachten heißt es aber auch: "Das normale genossenschaftliche Bankgeschäft von Kreditgenossenschaften soll sich (...) vorrangig auf den angestammten Geschäftsbereich konzentrieren. Dieser wird durch den Sitz und die Zweigstellen des Kreditinstituts bestimmt. Dem wird aufgrund der großen Entfernung der Geschäftsgebiete der OVB und der Volksbank Kehdingen nicht entsprochen."

Vertreter Klaus Leidecker aus Balje beäugt die geplante Fusion mit der OVB ebenfalls kritisch: "Ich fühle mich nicht ausreichend informiert." Er hätte sich gewünscht, dass die Verhandlungen mit der Volksbank Stade-Cuxhaven intensiviert worden wären. Stattdessen stellte sich am vergangenen Montag nur der OVB-Vorstand den Vertretern der VB Kehdingen vor - nicht die Stader Volksbänker.

Bei der Versammlung betonten die Kehdinger Bankvorstände - sie werden nach der Fusion Prokuristen - dass sich nach einer Verschmelzung so gut wie nichts für den Kunden ändern werde. Der Name der Bank bliebe gleich, die acht Geschäftsstellen besäßen eine fünfjährige Bestandsgarantie. Auch die Arbeitsverträge der 53 Mitarbeiter seien auf zwei Jahre gesichert.

Um die Hochzeit mit der OVB abzusegnen, bedarf es am Mittwoch einer Dreiviertelmehrheit. Wie stark der Widerstand gegen die Fusion wirklich ist, wird sich zeigen. Dem Vernehmen nach gibt es weitere Gegner. Wilkens appelliert an alle Vertreter, sich mit der Region solidarisch zu zeigen. Andernfalls würde sich die VB Kehdingen wohl von ihrem Regionalitätsprinzip mit den kurzen Entscheidungswegen verabschieden.