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"Altersarmut kann jeden treffen"

(Foto: Fotolia/bluedesign)

Ehemals erfolgreicher Geschäftsmann erzählt von seinem wirtschaftlichen Niedergang

(os). Er war über viele Jahrzehnte im Beruf erfolgreich, wohnte in einem schmucken Haus in einer kleinen Gemeinde im Landkreis Harburg, besaß ein tolles Auto, lebte ein gutbürgerliches Leben - niemals hätte Peter U.* (75) gedacht, dass ihn Altersarmut treffen könnte. Es kam anders: Heute müssen Peter U. und seine Frau jeden Cent zweimal umdrehen, um über die Runden zu kommen. Die Rente wird vom Staat aufgestockt. "Es kann jeden treffen", sagt Peter U., der anonym bleiben möchte. Er will andere Menschen warnen, erzählt deshalb seine Geschichte: "Man kann gar nicht vorsichtig genug sein."
Sein Niedergang begann vor fünf Jahren. Der Kooperationspartner des selbstständigen Unternehmers meldete Insolvenz an. Peter U. war erheblich in Vorleistung gegangen, hatte seine Rechnungen aber nur teilweise erstattet bekommen. Rund 150.000 Euro, so hat U. ausgerechnet, standen ihm noch zu. "Ich war ein bisschen naiv, mich immer wieder vertrösten zu lassen", erklärt U. Er bekam letztlich nichts, musste aber seine laufenden Kosten weiter begleichen. Was ihm irgendwann nicht mehr möglich war, zumal neue Aufträge ausblieben.
Folge: Die Bank drohte die Zwangsversteigerung des Wohnhauses an. Peter U. musste es mitten in der Finanzkrise weit unter Wert verkaufen. Stattdessen zogen U. und seine Frau in eine Mietwohnung. Ein Großteil der kargen Rente geht für die Miete drauf. U.s Frau hat keine Rentenansprüche. Die Lebensversicherung, die eigentlich als Altersversorgung dienen sollte, ging laut Peter U. "hopps", um die laufenden Kosten und Schulden zu decken. Von seiner damaligen Bank habe er keinerlei Hilfe bekommen, erinnert sich der Geschäftsmann.
Die "Widrigkeiten des Lebens", wie Peter U. eine Reparatur am Fahrrad, eine neue Brille oder eine Operation für die Tiere nennt, sorgen jedes Mal für weitere Sorgenfalten bei dem Ehepaar. Früher habe er über die Beträge gelächelt, jetzt machten ihm selbst 50 Euro zu schaffen, erklärt Peter U. "Wir hängen am Fliegenfänger", beschreibt er die Situation. Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel.
Peter U. gibt nicht auf, bemüht sich trotz fortgeschrittenen Alters um neue Aufträge. Doch nicht nur in seinem Metier zählen in einer schnelllebigen Zeit die Erfolge von früher meist nichts. "Ich wünsche niemandem, was uns widerfahren ist", sagt Peter U. verbittert. Deshalb mahnt er zur Vorsicht: "Viele glauben, wenn es mir jetzt gut geht, muss das immer so bleiben. Und drehen das große Rad. Ich habe gelernt, dass das nicht so ist."
* Name von der Redaktion geändert