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Integration in der Kita: Erzieherinnen sind gefordert

Organisatoren und Teilnehmer des Fachtags (v.li.): Referentin Branka Kramaric, Sozialdezernentin Susanne Brahmst, Referentin Karin Drangschat, Ulrich Sieg (Chairperson Lions Club), Kerstin Wichern (Landkreis Stade) und Jugendamtsleiter Jens Schreiber
bc. Stade. Die Integration von Flüchtlingen in die deutsche Gesellschaft betrifft fast alle Lebensbereiche. Eines der wohl größten Integrationspotenziale steckt in den Kindertagesstätten. 116 Kitas gibt es im Landkreis Stade, davon 43 kommunale Einrichtungen. Am vergangenen Freitag fand in den Räumen der BBS III in Stade eine Fortbildung für Erzieherinnen und Erzieher statt. Thema der Vorträge und Workshops: Wie betreut man Kinder mit Fluchterfahrung angemessen und wie wird man den Bedürfnissen der Eltern gerecht? Rund 80 Fachkräfte nahmen teil. Aus organisatorischen Gründen musste der Landkreis die Teilnehmerzahl begrenzen.
Wie vielschichtig das Thema ist, veranschaulicht das folgende Beispiel: Eine Kita hatte geplant, mit ihren Kindern einen Spaziergang durchs Dorf zu unternehmen. Doch ein Flüchtlingskind klammerte sich an die Tür, war nicht zu überreden, mit den anderen Kindern mit zu gehen. Wie sich erst später herausstellte, hatte das Kind auf der Flucht mit den Eltern über Monate stundenlange, anstrengende Fußmärsche unternommen. Eine traumatische Erfahrung, von denen kein Kita-Mitarbeiter wusste.
Zu vielen Flüchtlingseltern fehle einfach der Kontakt, sagte Kerstin Wichern, Ansprechpartnerin für Kitas beim Landkreis Stade, in einem Pressegespräch. Referentin Branka Kramaric ergänzte: "Oftmals kennen Eltern mit ausländischer Herkunft unser System Kita nicht. Sie brauchen Zeit, um zu erkennen, dass Kitas sinnvoll sind." Das größte Problem sei aber nach wie vor die Sprachbarriere. Eine Thematik, die in einem gut ausgelasteten Kita-Alltag noch oben drauf kommt. "Bei aller Betreuung der Flüchtlingskinder dürfen unsere heimischen Kinder nicht zu kurz kommen", konstatierte Kerstin Wichern.
Rund 200 Flüchtlingskinder besuchen aktuell die Kitas im Landkreis, sagte Jugendamtsleiter Jens Schreiber: "Ca. 50 Prozent unserer Kitas betreuen derzeit Kinder mit Fluchterfahrung. Wir bemühen uns, alle Kinder in die Kita zu bekommen." Eine gesetzliche Kita-Pflicht wie bei der Schule gebe es aber nicht.
Unterstützt und initiiert wurde der Fachtag von den sieben Lions-Clubs in der Region. Rund 5.000 Euro sponserten die Serviceclubs für die Veranstaltung.