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Der Moorexpress ist abgekoppelt

Nach der zweiten Runde der Strecken-Reaktivierung landen weitere 20 zum Teil bereits stillgelegte Bahnlinien endgültig auf dem Abstellgleis
jd. Stade. Im Ranking ganz hinten: Experten-Gremium hält Reaktivierung der Bahnstrecke Stade-Bremen für unrealistisch. Der Moorexpress rangiert weit hinten: Die derzeit nur touristisch genutzte Bahnstrecke Stade-Bremervörde-Bremen wird aller Voraussicht nach nicht für den öffentlichen Personenverkehr reaktiviert. Im Herbst ging es für die quer durch die Kreise Stade, Rotenburg und Osterholz-Scharmbeck führende Verbindung noch mit Volldampf weiter: Der Moorexpress zählte zu den 28 von ursprünglich 73 Bahnlinien, deren Chancen für eine Wieder-Inbetriebnahme ausgelotet werden sollten. Doch jetzt stehen alle Signale auf Stopp: Beim Ranking für die Endauswahl landete die Strecke abgeschlagen auf Platz 25. Ernsthafte Chancen haben nur die Strecken auf den vorderen acht Plätzen.

Getroffen wurde die Auswahl durch einen beim niedersächsischen Verkehrsministerium angesiedelten Lenkungskreis, der sich aus Politikern, Verkehrsexperten sowie Vertretern von Fahrgast- und Umweltverbänden zusammensetzt. Bewertet wurde nach 20 Kriterien. Dazu zählen Fahrgastpotenzial, Investitions- und Folgekosten sowie touristische Aspekte. Die acht Bahnlinien, die das Gremium einstimmig für die Finalrunde empfohlen hat, sollen nun von einem externen Gutachter auf Wirtschaftlichkeit überprüft werden. Laut Ministerium können die betroffenen Landkreise und Kommunen zuvor eine Stellungnahme abgeben. Allerdings ist es äußerst fraglich, ob es noch Verschiebungen in der Rangfolge geben wird. Damit steht so gut wie fest, dass der Moorexpress auf der Strecke bleibt.

Entsprechend lange Gesichter gibt es in der Moorexpress-Region: Für diejenigen, die sich in den vergangenen Monaten vehement für den Ausbau der Touristen-"Bimmelbahn", die teilweise nur mit "Tempo 10" durch die Gegend zockelt, zu einer vollwertigen Verkehrsverbindung eingesetzt haben, ist das Ergebnis niederschmetternd. "Ich bin sehr enttäuscht", erklärt Fredenbecks Samtgemeinde-Bürgermeister Friedhelm Helk.

Seine Kommune hätte besonders von einer Reaktivierung der Moorexpress-Route für den Personenverkehr profitiert: Allein auf Fredenbecker Gebiet gibt es vier Haltestellen. Aus den Dörfern der Gemeinde pendeln laut einer Studie aus dem Jahre 2012 täglich mehr als 1.200 Berufstätige nach Stade. Da wäre eine Bahnverbindung mit Abfahrten im Stundentakt auf jeden Fall eine Bereicherung gewesen. In den Vorjahren hat Fredenbeck viel Geld in die Modernisierung der Bahnübergänge gesteckt, um diese sicherer zu machen. Außerdem wollte die Gemeinde den örtlichen Bahnhof auf eigene Kosten wieder herrichten.

Landrat Michael Roesberg sieht die Sache realistisch: "Ich hatte ohnehin wenig Hoffnung, dass der Moorexpress in die Endauswahl kommt", erklärte er auf Nachfrage. Die Konkurrenz der anderen Strecken sei zu groß. Er halte es nun für wichtig, dass die Route weiter nutzbar bleibe. "Den Moorexpress wollen wir erhalten." Die Gründe für das schlechte Abschneiden werde er sich aber noch genauer anschauen.

Diese Kriterien führten zum K.o.

Woran hat es gehapert? Dass der Moorexpress auf dem Abstellgleis landete, lag erstaunlicherweise an extrem schlechten Bewertungen der Kriterien "Urlaubs- und Freizeitpotenzial", "Förderung des Tourismus", "erreichbares Pendlerpotenzial". Dort, wo die Strecke eigentlich besonders punkten sollte, landete sie im Ranking auf den hintersten Plätzen. Die Experten schätzen zudem die Lage der Haltestellen als äußerst ungünstig ein und glauben auch nicht, dass die umliegenden Orte durch die Bahnstrecke besser zu erreichen sind. Bei der Bewertung der Kosten reichte es immerhin für einen Platz im Mittelfeld. Lediglich die regionale Unterstützung wird hoch eingeschätzt.