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Inklusion in Niedersachsen: Ganz gut gemeint, doch ziemlich miserabel umgesetzt?

An den Grundschulen ist die Inklusion ein wichtiges Thema (Foto: Fotolia © Guido Grochowski)
(jd). "Förderstunden reichen hinten und vorne nicht": Grundschulleiter blicken mit Sorge auf das zweite Inklusionsjahr in Niedersachsen . Die großen Ferien enden erst in vier Wochen. Doch viele Grundschulleiter bekommen schon jetzt Bauchschmerzen, wenn sie an das neue Schuljahr denken. Grund ist die Inklusion: Die Idee sei gut gemeint, doch die Umsetzung miserabel, lautet das Fazit vieler Pädagogen, nachdem die Grundschulen das erste Inklusions-Jahr hinter sich haben. Es geht vor allem um die Kinder, bei denen aufgrund ihrer Lernbehinderung ein spezieller Förderbedarf besteht. Diese besuchten bislang die Förderschule Lernen, deren Primarbereich jetzt sukzessive ausläuft. Dafür kommen an die Grundschulen nun Sonderpädagogen, um Förderunterricht zu erteilen - für zwei Wochenstunden pro Klasse. "Das reicht hinten und vorne nicht", sagt Ulrich Mayntz, der in Buxtehude-Altkloster eine der größten Grundschulen des Landes leitet.

Mayntz hält engen Kontakt zu etlichen Kollegen in der Region. Aus den Gesprächen weiß er, dass nicht wenige seine Sorgen hinsichtlich der Inklusion teilen. "Ein großes Problem ist beispielsweise, dass einem normalen Grundschullehrer einfach die Ausbildung und letztlich auch die Erfahrung fehlt, mit Kindern umzugehen, bei denen erheblicher Förderbedarf im Bereich Lernen besteht", meint der Pädagoge. Das Kollegium an seiner Schule hätte zwar entsprechende Fortbildungen besucht, doch ein "Crashkurs" ersetze kein fachspezifisches Studium.

Gerade die studierten Fachkräfte sind es aber, die in Niedersachsen derzeit händeringend gesucht werden. "Früher hatte ich stapelweise Bewerbungen auf dem Tisch. Heute bin ich froh, überhaupt eine Stelle besetzen zu können", berichtet Reinhard Bröhan, Leiter der Buxtehuder Albert-Schweitzer-Schule. Aus seiner Förderschule, die auf den Bereich Lernen spezialisiert ist, kommen die Lehrer, die an die Grundschulen in der Umgebung delegiert werden, um dort Förderunterricht abzuhalten.

Obwohl klar gewesen sei, dass in Niedersachsen ausreichend qualifiziertes Personal fehle, habe Rot-Grün aus reinem Gutmenschentum mit der Inklusion begonnen, moniert Mayntz: "Man hätte lieber noch vier Jahre warten sollen." Dann wären zumindest die ersten Grundschullehrer fertig, die das neu eingeführte obligatorische Fachsemester Inklusionspädagogik absolviert haben.

Mit dem Bereich Lernen sei bei der Inklusion erst der Anfang gemacht, so Mayntz: Wenn Eltern verstärkt ihr Wahlrecht nutzen und künftig häufiger Kinder mit anderen Förderbedarfen die bisherigen Regelschulen besuchen werden,funktioniere das mit den jetzigen Klassengrößen nicht mehr. Bei Klassen mit bis zu 27 Schülern sei ein Lehrer schon durch den normalen Unterricht genug gefordert. Da reiche ein Kind mit Auffälligkeiten im sozial-emotionalen Bereich, um den Unterricht komplett zu sprengen.

Für Mayntz gibt es eine klare Mindestanforderung für eine erfolgreiche Umsetzung der Inklusion: "Pro Klasse müssten zwei Lehrer unterrichten und gleichzeitig sollte die Klassengröße auf 15 bis 20 Schüler reduziert werden." Doch er ist Realist genug, um zu wissen, dass seine Forderung weder im kommenden noch im darauf folgenden Schuljahr erfüllt wird.