Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Freispruch wird immer wahrscheinlicher

thl. Lüneburg. Ein Freispruch für den 33-jährigen Seevetaler, der im Rahmen des Meckelfelder Dorffestes im August 2015 einen Polizisten (33) in Koma geprügelt haben soll, wird immer wahrscheinlicher. Am fünften Prozesstag vor dem Lüneburger Landgericht sagte ein Gutachter des Landeskriminalamtes am Freitagmorgen aus, der seinerzeit die Bekleidung des Angeklagten auf Spuren untersucht hatte. Das Ergebnis: Es fanden sich zwar Teile der DNA des Opfers daran, es könne aber nicht ausgeschlossen werden, dass diese durch Dritte übertragen worden seien. Deswegen sei eine Beteiligung des Angeklagten an dem Vorfall nicht nachgewiesen.
Das Amtsgericht Winsen hatte sich in seinem Urteil von März dieses Jahres (vier Jahre Haft, das WOCHENBLATT berichtete) aber auch auf diese Spuren als Beweis für die Täterschaft gestützt. Für Dr. Gerhard Strate, einer der drei Verteidiger des Angeklagten, ein gefundenes Fressen: "Da muss der Richter in Winsen das Gutachten wohl falsch interpretiert haben."
Ein Koch der Gaststätte Schnurrbart, vor der die Tat passierte, war ebenfalls als Zeuge geladen. Bei der Polizei hatte er seinerzeit ausgesagt, er habe gesehen, dass ein dunkel gekleideter Mann den Polizisten niedergeschlagen habe. Vor Gericht wollte er nur noch gesehen haben, dass der Beamte auf eine Gruppe zulief und dann wie ein Baum umfiel. Der (noch unausgesprochene) Verdacht: Hat die Polizei nach der Tat die Aussagen so konstruiert, dass ein Täter präsentiert werden konnte? Rechtsanwalt Lorenz Hünnemeyer, der das Opfer als Nebenkläger vertritt, hinterfragte, ob der Zeuge den Angeklagten kenne und ob er von anderen Personen, auch in jüngster Zeit, auf die Geschehnisse angesprochen wurde. Beides verneinte der Koch jedoch.
Zwei weitere Zeugen, die geladen waren, halfen dem Gericht nicht weiter. Einer blieb der Verhandlung bereits zum zweiten Mal fern und soll jetzt 500 Euro Ordnungsgeld aufgebrummt bekommen. Der andere Mann war schlicht und einfach der falsche. Grund: Er hat noch zwei Brüder, die den gleichen Vornamen tragen wie er, nur einen unterschiedlichen zweiten Vornamen haben. Und das Gericht hatte sich offenbar vertan und den Verkehrten geladen.
• Der Prozess ist jetzt aufgrund Urlaubs unterbrochen. Er wird am Mittwoch, 20. September, um 9.15 Uhr fortgesetzt.