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Wieviel Wasser für Hamburg? Wasserwerke der Hansestadt wollen maximal 18,4 Millionen Kubikmeter pro Jahr aus der Nordheide fördern

Erörterte die Pläne im Umweltausschuss des Kreises: Dr. Jörg Grossmann von den Hamburger Wasserwerken
 
Nahmen zu den Plänen der Hamburger Wasserwerke Stellung (v. li.): Detlef Gumz, Dr. Björn Hoppenstedt und Gunnar Peter vom Landkreis Harburg
ce. Salzhausen/Winsen. Die Hamburger Wasserwerke (HWW) wollen über einen Zeitraum von 30 Jahren Grundwasser aus der Nordheide fördern. Dabei soll die Fördermenge dauerhaft auf durchschnittlich 16,1 Millionen Kubikmeter pro Jahr begrenzt werden. Das ist der Tenor des Vorhabens, das Dr. Jörg Grossmann von den HWW gemeinsam mit anderen Fachleuten dem Umweltausschuss des Landkreises Harburg jetzt in einer Sondersitzung in Salzhausen vorstellte.
Derzeit fördern die HWW noch auf der Grundlage einer Erlaubnis der Bezirksregierung Lüneburg von 2004 15,7 Millionen Kubikmeter Wasser aus der Nordheide. Nach der Auflösung der Bezirksregierung 2005 ist der Landkreis Harburg für die Genehmigung der Förderrechte zuständig.
In enger Abstimmung mit dem Landkreis haben die HWW ihren in 2009 aufgrund erheblicher Mängel abgelehnten Förderantrag nun überarbeitet. "Dabei wurden neue Rechtsvorschriften insbesondere im Bereich Naturschutz berücksichtigt", erklärte Kreisrat Dr. Björn Hoppenstedt nach der Ausschusssitzung auf einer Pressekonferenz im Winsener Kreishaus. Daran nahmen auch Detlef Gumz von der Naturschutzbehörde und Gunnar Peter, Leiter der Abteilung Boden/Luft/Wasser beim Kreis, teil. Gemäß den niedersächsischen Gesetzesvorschriften werde - so Hoppenstedt weiter - bei der Wasserförderung etwa für Trockenphasen und technische Ausfälle ein Sicherheitspuffer von 14 Prozent vorbehalten. Somit werde die Fördermenge auf maximal 18,4 Millionen Kubikmeter pro Jahr begrenzt.
Von den HWW nachgebessert wurden laut Hoppenstedt auch Studien zur Bedarfsprognose für das Hamburger Versorgungsgebiet, zur Umweltverträglichkeit und zu Ausgleichsmaßnahmen, die bei Veränderungen in der Natur durch die Wasserentnahme notwendig werden könnten. "Zur Kontrolle der Veränderungen ist ein Beweissicherungsverfahren vorgesehen", kündigte Detlef Gumz an.
Strittig ist noch die Zulassungsform der Wasserförderung. Die HWW streben eine "Bewilligung" für 30 Jahre an, um - so Dr. Jörg Grossmann gegenüber dem WOCHENBLATT - die "Versorgungssicherheit der Bewohner Hamburgs sowie eine Sicherung bei den erforderlichen Investitionen durch die Wasserwerke zu gewährleisten". Der Landkreis favorisiert eine "gehobene Erlaubnis", damit er flexibel auf klimatische Veränderungen reagieren und gegebenenfalls eingreifen könne, wie Gunnar Peter erörterte.
Im Rahmen des Zulassungsverfahrens werde es eine umfangreiche Beteiligung der Öffentlichkeit geben, bei der sich auch die Bürger zum Vorhaben äußern können. Dr. Björn Hoppenstedt: "Nach Auswertung aller Einwendungen und Sicherstellung aller wasserrechtlichen Vorgaben wird der Kreistag voraussichtlich Ende 2015 über die Zulassung entscheiden."

- Das sagen IGN und BUND:

(ce). Die Aussage der Hamburger Wasserwerke (HWW), es gebe aufgrund der zunehmenden Versalzung des Grundwassers an der Unterelbe und in Schleswig-Holstein keine Alternative zur Förderung aus der Nordheide, kritisiert die Interessengemeinschaft Grundwasserschutz Nordheide (IGN) als "zu pauschal". Sprecher Gerhard Schierhorn: "Hamburg hat Alternativen zur Nordheidewasser-Förderung. Das werden wir im Antragsverfahren deutlich machen."
Der Regionalverband Elbe-Heide des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisiert die finanzielle Abgeltungsstrategie der HWW, um mittels Ausgleichsmaßnahmen eine Förderreduzierung im Bereich der Nordheide zu umgehen. "Wir fordern im Antragsverfahren stattdessen eine Reduzierung der Grundwasserförderung durch die HWW auf ein nachweislich naturverträgliches Maß", so BUND-Sprecher Holger Mayer.