Ausbildungsplatz ja - dauerhafte Aufenthaltserlaubnis (noch) nicht

Dank flexibler Arbeitszeiten kann Reza Abbasian auch künftig in der Turnhalle in Buchholz trainieren
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  • hochgeladen von Oliver Sander

Reza Abbasian muss sich noch immer alle drei Monate bei der Ausländerbehörde melden / Dreijährige Ausbildung zum Steuerfachangestellten

(os). Reza Abbasian (23) atmet auf: Am 1. Februar beginnt der Iraner in Hamburg eine dreijährige Ausbildung zum Steuerfachangestellten. Trotz der beruflichen Perspektive ist der mehrfache deutsche Turn-Meister mit seiner Situation aber nicht vollkommen zufrieden: Nach wie vor ist Abbasian in Deutschland nur geduldet, muss sich alle drei Monate beim Ausländeramt in Winsen melden und seine Duldung verlängern lassen. "Ich verstehe das nicht, denn mehr als ich kann sich niemand integrieren", sagt Reza traurig. Gibt der Landkreis dem Neu-Azubi jetzt endlich eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung?
Wie berichtet, kam Reza Abbasian mit seinem Vater vor fast elf Jahren nach Deutschland. Hier machte Abbasian später seinen Realschulabschluss. Er turnt in der 2. Bundesliga, trainiert den Turnnachwuchs des TSV Buchholz 08 und ist bei seinen Schülern total beliebt. Problem: Da die Familie nach der Flucht aus dem Iran keine Papiere bei sich hatte, ist Abbasians Identität offiziell ungeklärt. Bis heute hat er nur einen Ersatzpass des Landkreises Harburg - mit dem Zusatz: "Der Inhaber ist ausreiseverpflichtet".
Abbasian versuchte, wie vom Landkreis gefordert, beim iranischen Konsulat einen Ersatzpass zu bekommen. Vergeblich, trotz der Unterstützung eines Vertrauensanwalts. Auch eine eidesstattliche Erklärung der Eltern, dass ihr Sohn keine Papiere hat, bewirkte nichts.
Abbasians neue Arbeitgeberin, Sandra Junge, stört sich nicht am ungeklärten Status ihres angehenden Azubis. Nach dem WOCHENBLATT-Artikel über Abbasians Situation im vergangenen August bot sie dem jungen Mann spontan ein Treffen an. Abbasian absolvierte in Hamburg-Eimsbüttel ein Praktikum. "Das hat mir gut gefallen. Wir passen hervorragend zueinander", berichtet Reza. "Ich bin Frau Junge sehr dankbar, dass sie mir die Chance gibt." Und: Abbasians Arbeitszeiten sind so gestaltet, dass er weiter sein Trainingspensum absolvieren kann. Drei bis vier Stunden übt Reza - pro Tag! Derzeit ist er aber wegen einer Oberschenkelverletzung außer Gefecht.
Reza Abbasian hofft darauf, dass der Landkreis ihm jetzt eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung gibt. "Es wäre ja paradox, wenn ich nach meiner Ausbildung ausgewiesen würde", sagt er. Eine Entscheidung über den künftigen Status von Abbasian sollte am gestrigen Freitag - nach Redaktionsschluss - fallen. "Es zeichnen sich verschiedene Optionen ab, wenn uns Herr Abbasian seinen Ausbildungsvertrag vorlegt", erklärt Kreissprecher Johannes Freudewald. Das dürfte nach fast elfjährigem Kampf mit der Ausländerbehörde Abbasians leichteste Übung sein.

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