Klare Positionen zu Verkehr, Wohnen und Sicherheit
Volles Haus bei Bürgermeister-Podium der Buchholzer Wirtschaftsrunde
- Die Kandidaten für die Bürgermeisterwahl Bernhard Unger, Grit Weiland, Oliver Weiß (Moderator der Podiumsdiskussion), Heike Werner, Michael Riedl und Dirk Hirsch
- Foto: WOCHENBLATT/cku
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Buchholz. Mehr als 500 Besucherinnen und Besucher verfolgten am Donnerstagabend die Podiumsdiskussion der Buchholzer Wirtschaftsrunde zur bevorstehenden Bürgermeisterwahl. Die Empore war bis auf den letzten Platz gefüllt, zahlreiche Interessierte mussten sogar draußen bleiben. Auf dem Podium stellten sich die fünf Kandidatinnen und Kandidaten Bernhard Unger, Grit Weiland, Dirk Hirsch, Michael Riedel und Heike Werner den Fragen des 1. Vorsitzenden der Buchholzer Wirtschaftsrunde, Oliver Weiß.
Bereits zu Beginn machte Moderator Oliver Weiß deutlich, dass die Veranstaltung auf respektvollen Austausch setzen werde. Persönliche Angriffe und Zwischenrufe sollten keinen Platz haben. Gleichzeitig erläuterte die Wirtschaftsrunde noch einmal die viel diskutierte Entscheidung, den AfD-Kandidaten Max Ostermeier nicht einzuladen. Begründet wurde dies mit der Einstufung des niedersächsischen AfD-Landesverbandes als rechtsextremistisches Beobachtungsobjekt. Die Entscheidung sei bewusst getroffen worden und Ausdruck einer demokratischen Haltung, erklärte Weiß.
Kandidaten werben für ihre Sicht auf Buchholz
Zu Beginn stellten sich die Bewerberinnen und Bewerber persönlich vor und erläuterten ihre Verbindung zu Buchholz:
Bernhard Unger, Unternehmer und Vater von Zwillingen, betonte seine fast lebenslange Verbundenheit mit Buchholz. Besonders wichtig seien ihm Gemeinschaft, Familienfreundlichkeit sowie die Rückkehr zu mehr Sauberkeit und Sicherheit.
Grit Weiland, Psychologin und Stadträtin, hob die persönliche Atmosphäre der Stadt hervor. Nach ihrem Umzug aus Hamburg hat sie die Nähe der Menschen zueinander besonders schätzen gelernt. Zudem lobte sie die lebendige Innenstadt und die kurzen Wege ins Grüne.
Dirk Hirsch, derzeit Erster Stadtrat der Stadt, bezeichnete Buchholz als offene und liebenswerte Stadt, in der sich Menschen schnell zuhause fühlten. Das vielfältige Vereinsleben und die Nähe zur Heide seien große Standortvorteile.
Michael Riedel, ehemaliger Vorstandsvorsitzender eines Chemieunternehmens, schilderte Buchholz als bewusst gewählte „finale Heimat“. Die Kombination aus Natur, Lebensqualität und Nähe zur Metropole Hamburg habe ihn überzeugt.
Heike Werner, medizinische Fachangestellte, verwies auf die vielfältigen Freizeitmöglichkeiten der Stadt, von Sportvereinen über Museen bis hin zu den Wanderwegen rund um Buchholz.
Verkehrspolitik sorgt für kontroverse Debatten
Besonders intensiv diskutierten die Kandidaten über die künftige Verkehrsentwicklung der Stadt.
Im Mittelpunkt stand erneut die seit Jahrzehnten diskutierte östliche Umfahrung, der sogenannte Ostring. Hier gingen die Meinungen deutlich auseinander.
Dirk Hirsch sprach sich klar für eine Priorisierung des Ostrings aus. Die Straße sei notwendig, um die Innenstadt vom Durchgangsverkehr zu entlasten und gleichzeitig Entwicklungsmöglichkeiten für die Stadt zu schaffen. Zudem könne dadurch Raum für weitere Verbesserungen des Bus-, Rad- und Fußverkehrs entstehen.
Michael Riedel zeigte sich deutlich zurückhaltender. Zwar sei er früher Befürworter des Projekts gewesen, inzwischen habe sich seine Einschätzung jedoch verändert. Wenn Buchholz nur moderat wachse und die Mobilitätswende konsequent umgesetzt werde, sei der Ostring möglicherweise nicht erforderlich. Sollte die Stadt jedoch deutlich stärker wachsen als geplant, müsse das Projekt neu bewertet werden.
Heike Werner würde im Zweifelsfall dem Ausbau des Mühlentunnels Vorrang geben. Dieser könne gleichzeitig den Verkehr verbessern, die Erreichbarkeit für Feuerwehr und Rettungsdienste sichern sowie eine zweite innerstädtische Querung der Bahn schaffen.
Auch Grit Weiland sieht beim Mühlentunnel größere Vorteile. Die Kosten für den Ostring schätzt sie auf rund 100 Millionen Euro. Beim Tunnel seien die bekannten Zahlen deutlich niedriger. Sie bezweifelt deshalb, dass sich Buchholz beide Großprojekte leisten kann.
Bernhard Unger hingegen befürwortet ganz klar ein Wachstum in Buchholz. Wohnbebauung im 1/3-Mix und die dafür notwendige Ostumfahrung müssen endlich kommen.
Bei den Kosten verwies Dirk Hirsch darauf, dass aktuell noch keine belastbaren Planungszahlen vorlägen. Schätzungen bewegten sich zwischen 60 und 100 Millionen Euro Gesamtkosten. Nach Förderung und Kostenaufteilung könnte auf die Stadt ein Eigenanteil von rund 20 Millionen Euro entfallen.
Sicherheit und Sauberkeit beschäftigen die Bürger
Alle Kandidaten waren sich einig, dass die Innenstadt sauberer und attraktiver werden müsse. Häufig genannt wurden mehr Reinigungsintervalle, zusätzliche Begrünung, bessere Beleuchtung und funktionierende Aufzüge am Bahnhof.
Dirk Hirsch kündigte an, die Reinigungsintervalle erhöhen zu wollen. Gleichzeitig müssten öffentliche Plätze wie der Peets Hoff durch neue Angebote und eine höhere Aufenthaltsqualität aufgewertet werden.
Michael Riedel sprach sich für modernere Technologien aus. Denkbar seien beispielsweise intelligente Müllbehälter oder digitale Meldesysteme, um Verschmutzungen schneller zu beseitigen.
Heike Werner nannte eine regelmäßige Reinigung der Innenstadt als eines ihrer wichtigsten Ziele. Gleichzeitig müsse der kommunale Ordnungsdienst gemeinsam mit der Polizei stärker präsent sein.
Bernhard Unger forderte zusätzlich eine personelle Verstärkung von Bauhof und Ordnungsdienst. Darüber hinaus sprach er sich für KI-gestützte Videoüberwachung an Kriminalitätsschwerpunkten aus. Wer sich an Recht und Gesetz halte, müsse vor solchen Systemen keine Angst haben, argumentierte der Unternehmer.
Widerspruch erhielt Unger von Heike Werner, die entsprechende Kamerasysteme aus Datenschutzgründen ablehnt. Grit Weiland mahnte dazu, objektive Kriminalitätsstatistiken und subjektive Unsicherheitsgefühle gleichermaßen ernst zu nehmen. Sie warnte davor, die Sicherheitslage populistisch dramatischer darzustellen, als sie tatsächlich sei.
Verwaltung und Führung als Schlüsselthema
Ein weiterer Schwerpunkt war die Leistungsfähigkeit der Verwaltung.
Michael Riedel verwies auf seine langjährige Führungserfahrung in internationalen Unternehmen. Sein Ziel sei eine motivierte Rathausmannschaft mit mehr Transparenz, Wertschätzung und Teamgeist.
Bernhard Unger plädierte dafür, Mitarbeitenden mehr Verantwortung und Vertrauen zu übertragen. Dadurch könnten Prozesse deutlich beschleunigt werden. Als Vorbild nannte er moderne Verwaltungsstrukturen anderer Kommunen.
Grit Weiland betonte dagegen, sie sehe im Rathaus keineswegs eine demotivierte Belegschaft. Vielmehr gehe es darum, Selbstständigkeit und Eigenverantwortung zu stärken.
Für Beifall sorgte Dirk Hirsch, als er die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung ausdrücklich in Schutz nahm. Die große Mehrheit arbeitet engagiert und leistungsbereit. Gleichzeitig räumte er ein, dass insbesondere bei Schulentwicklungsprojekten und dem Ausbau von Ganztagsangeboten manche Entscheidungen früher hätten getroffen werden können.
Mehr Wohnraum bleibt gemeinsames Ziel
Große Einigkeit herrschte beim Thema Wohnungsbau.
Alle Kandidaten sehen die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum als zentrale Aufgabe der kommenden Jahre.
Michael Riedel bezeichnete die Wohnungsfrage als eine der wichtigsten sozialen Herausforderungen überhaupt. Er setzt auf den sogenannten Drittelmix, bei dem ein Drittel der Wohnungen gefördert oder preisgedämpft sein soll.
Dirk Hirsch sprach sich für moderates Wachstum aus. Neue Wohngebiete müssten jedoch immer gemeinsam mit der notwendigen Infrastruktur wie Schulen, Kitas und Verkehrsanbindungen geplant werden.
Grit Weiland verwies auf die demografische Entwicklung. Ihrer Einschätzung nach wird Buchholz künftig nicht zwingend deutlich mehr Einwohner haben, wohl aber einen höheren Bedarf an kleineren und barrierefreien Wohnungen.
Heike Werner forderte die weitere Schaffung von Wohnraum, damit Familien und Fachkräfte nicht gezwungen seien, die Stadt zu verlassen.
Für Bernhard Unger hängt die Zukunft von Buchholz ganz klar von der Wohnbebauung ab. Natürlich bestätigt er seine Vorredner, dass man den sozialen Wohnungsbau nicht vergessen darf. Gleichzeitig betonte er aber, dass man auch an Familien und gut-Verdienende denken muss, denn schließlich bringen die ja auch Einkommenssteuern.
Visionen für die Innenstadt
Zum Abschluss diskutierten die Kandidaten darüber, wie die Innenstadt belebt werden könnte.
Michael Riedel setzt auf mehr Veranstaltungen, Kulturangebote und Aufenthaltsqualität. Die Innenstadt müsse wieder ein Ort der Begegnung werden.
Bernhard Unger sprach sich für ein aktives Innenstadtmanagement aus, das auch leerstehende Ladenflächen kreativ nutzt.
Grit Weiland warb für Test- und Pop-up-Läden sowie für die langfristige Idee eines „Hauses der Möglichkeiten“ als Begegnungs-, Bildungs- und Kulturzentrum mitten in der Stadt.
Dirk Hirsch verwies auf das geplante Innenstadtmanagement, das Eigentümer, Gewerbetreibende und Interessenten stärker zusammenbringen soll.
Messbare Ziele für die Zukunft
Zum Ende der Veranstaltung wurden die Kandidaten gefragt, woran sie sich konkret messen lassen wollen.
Während Heike Werner vor allem mehr Sauberkeit und zusätzliche Sitzgelegenheiten versprach, nannte Bernhard Unger eine leistungsfähige und digitale Verwaltung als Maßstab seines Erfolgs.
Grit Weiland möchte den Radverkehrsanteil weiter steigern und den Buchholz-Bus wieder attraktiver machen.
Dirk Hirsch nannte ausreichende Kita- und Ganztagsplätze, mehr bezahlbaren Wohnraum und eine saubere Stadt als zentrale Erfolgsindikatoren.
Michael Riedel stellte die Themen Mobilität, bezahlbares Wohnen und Aufenthaltsqualität in den Mittelpunkt.
Nach über 2 Stunden Diskussion endete die Veranstaltung mit einer Live-Abstimmung des Publikums. Unabhängig vom Ergebnis zeigte der Abend vor allem eines: Das Interesse der Buchholzerinnen und Buchholzer an der Zukunft ihrer Stadt ist groß wie selten zuvor. Die mehr als 500 Besucherinnen und Besucher machten deutlich, dass die Bürgermeisterwahl weit über eine Personalentscheidung hinausgeht. Sie wird auch zur Richtungsentscheidung für die Entwicklung der Nordheidestadt in den kommenden Jahren.
Redakteur:Stefanie Hansen aus Buchholz |
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