Bürgernähe statt Staatsraison - zum Abschied von Landrat Joachim Bordt

Joachim Bordt - Abschied vom Amt des Landrates für den Kreis Harburg:
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(rs). Als Joachim Bordt am 1. Oktober 1977 seinen Dienst beim Landkreis Harburg antritt, hat er sich wohl nicht träumen lassen, dass er seine Beamtenkarriere nach rund 37 Jahren als Chef der Kreisverwaltung in Winsen und gewählter Landrat des Kreises Harburg beenden würde. Am kommenden Freitag wird Joachim Bordt (67) im Kreis geladener Gäste in der Empore Buchholz aus seinem Amt verabschiedet.
Zwischen Bordts Einstieg Ende der 70er Jahre und seinem nur zögernden Abschied ("Ich hätte gern noch eine Amtszeit drangehängt, wenn das möglich gewesen wäre") liegen bewegte Jahre in der Kreisbehörde, wo der junge Jurist schnell zum Leiter des Rechtsamtes und dann zum Dezernenten aufsteigt. Und von seinen Chefs, den Oberkreisdirektoren Röhrs, Hesemann und Landrat Gedaschko, immer wieder als Trouble-Shooter ins Feuer der öffentlichen Kritik geschickt wird. Das geht nicht ohne Blessuren ab.
Sieben Jahre - bis 1990 - leitete der geborene Lüneburger das Sozialdezernat - ein kitzeliger Posten an der Grenze zwischen Sparzwang und humanem Handeln. Später, um die Jahrtausendwende, badet Bordt als Bau- und Umweltdezernent aus, was bei der Privatisierung der kreiseigenen Müllabfuhr und späteren Ausschreibungen so gründlich schiefgegangen war. Hier die zweifelhaften politischen Forderungen der Kreistagsmehrheit, dort die Verpflichtung zur korrekten Amtsführung.
Nach dem plötzlichen Tod von Oberkreisdirektor Hans-Bodo Hesemann und der Wahl Axel Gedaschkos zum 1. Hauptamtlichen Landrat im Kreis Harburg wird Joachim Bordt 2003 vom Kreistag zum 1. Kreisrat und Allgemeinen Stellvertreter des Landrats gewählt. Als Gedaschko für höhere Weihen den Landkreis Richtung Hamburg verlässt, ist sein Stellvertreter auf einmal Landratskandidat. Mit der deutlich gewonnenen Wahl am 10. September 2006 wird Joachim Bordt Chef einer Behörde mit fast 900 Mitarbeitern.
Bereits Vorgänger Axel Gedaschko hatte offensiv einen Wandel im Winsener Kreishaus eingeleitet - weg von der Obrigkeitsverwaltung hin zur Dienstleistung für den Bürger. Bordt treibt diese Entwicklung voran, unterstützt von seinem Freund und Pressesprecher Georg Krümpelmann.
Der steht ihm auch zur Seite, als ein Asylbewerber aus Jesteburg sich in der Abschiebehaft das Leben nimmt und die Kreisbehörde über Wochen im Brennpunkt der Kritik steht. Joachim Bordt hat der Tod dieses Mannes tief betroffen gemacht. Kann ein Rechtssystem richtig sein, das Menschen zu einem solchen Schritt treibt? Diese Frage und der plötzliche Tod von Georg Krümpelmann mögen auch Auslöser der schweren Herzerkrankung gewesen sein, die den Landrat aus Winsen 2012 gleich für mehrere Monate aus dem Rennen wirft.
Wie wird Joachim Bordt in Erinnerung bleiben? Seine Amtszeit fällt zusammen mit einer stetigen Aufwärtsentwicklung im Hamburger Speckgürtel. Die Wirtschaft boomt, Landes- und EU-Fördermittel, die reichlich in den Landkreis fließen, tun ein Übriges. Kreistag und Landrat können aus dem Vollen schöpfen bei der oft überfälligen Sanierung und Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur. Auch für Schulsanierung und -neubau werden große Summen aufgewendet - das kommt gut an bei den meisten Menschen. Bürgernähe vor Staatsraison - das ist auch ein Stück Zeitgeist.
Sparsamkeit und zunkunftsorientiertes Haushalten - damit tun sich Politik und Landrat in der Ära Bordt schwer. Trotz Rekordeinnahmen schiebt der Landkreis Harburg, einer der reichsten der Republik, weiter eine Verschuldung von weit über 100 Millionen Euro vor sich her. Wie viel oder wenig das ist, wird die Zukunft weisen.
In guter Erinnerung bleiben wird in jedem Fall der Mensch Joachim Bordt - lebendig, warmherzig, humorvoll. Und nach fast vier Jahrzehnten Behördenerfahrung mit der Eigenschaft gesegnet, auch nach manchmal nötigen harten Worten schnell wieder zu einem guten Miteinander zurückfinden. Joachim Bordt ist bald kein Landrat mehr, für Bürger und Kreis will er sich aber weiter engagieren.

Autor:

Reinhard Schrader aus Buchholz

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